"Jeder Spieler weiß: Er wird gebraucht"
132 Pflichtspiele für unseren KSC, Vizekapitän und absoluter Führungsspieler: Marcel Franke ist seit mehreren Jahren eine feste Stütze unserer Blau-Weißen. Im Interview mit ksc.de spricht der Innenverteidiger über das vergangene Wochenende, seine Rolle im Team und gibt einen Ausblick auf die Partie gegen seinen Ex-Club Hannover 96. Viel Spaß beim Lesen!

ksc.de: Franky, am vergangenen Samstag mussten wir beim 2:5 gegen den VfL Wolfsburg die erste Saisonniederlage hinnehmen. Wie blickst du mit ein paar Tagen Abstand auf die Partie?
Marcel Franke: Wir haben gegen einen richtig guten Gegner gespielt. Vor allem in der Anfangsphase konnten wir ordentlich dagegenhalten und haben Wolfsburg unser Spiel aufgedrückt. Zur Wahrheit gehört aber, dass so ein Gegner unsere Fehler eiskalt ausnutzt, wenn wir als Mannschaft nicht bei 100 Prozent sind und nicht alles konsequent wegverteidigen. Am Ende fiel das Ergebnis sicherlich zwei, drei Tore zu hoch aus und mit ein bisschen mehr Glück hätten wir auch ein Unentschieden holen können. Wir haben gesehen, in welche Richtung es mit unserem Fußball gehen kann. Das haben auch die Fans gemerkt, die trotz der Niederlage nicht total enttäuscht waren, weil sie gesehen haben, dass wir Gas geben. Für uns gilt es nun daran zu arbeiten, die guten Phasen zu verlängern. Das wollen wir direkt gegen Hannover zeigen!
ksc.de: Du bist ein erfahrener Spieler und hast schon viel erlebt. Wie lange beschäftigt dich so eine Niederlage?
Marcel Franke: Ich schaue mir die Spiele entweder am selben Tag oder am Tag danach nochmal komplett an. So gehe ich die Szenen nochmal für mich durch und dabei kommen die Dinge oftmals anders rüber, als ich sie im laufenden Spiel auf dem Feld wahrgenommen habe. Im Anschluss daran spreche ich noch mit den Jungs und den Trainern. Fünf Gegentore schmerzen natürlich, das ist klar. Trotz alledem müssen wir schauen, wie die Tore gefallen sind, und da war das ein oder andere vermeidbar.
ksc.de: Rafael Pinto Pedrosa betonte im Interview vor dem Münster-Spiel, dass „die Mannschaft on fire ist“ und lobte die Stimmung innerhalb des Teams. Hatte die erste Saisonniederlage einen Einfluss auf die Gesamtatmosphäre?
Marcel Franke: Absolut nicht! Nach einer Niederlage und dann auch noch in dieser Höhe sind wir erst mal alle etwas bedröppelt, klar. Trotzdem ging jeder von uns mit dem Gefühl nach Hause, dass mehr drin war. Diese Niederlage haut uns daher nicht um. Wir haben in den vergangenen Wochen bewiesen, dass unsere Spielidee funktioniert. Da gehört dazu, dass wir jeden Einzelnen benötigen. Jeder Spieler weiß: Er wird gebraucht - und das ist in der Mannschaft spürbar. Jetzt haben wir am Freitag ein neues Spiel vor der Brust.
ksc.de: Du sprichst es an: Mit Hannover 96 treffen wir auf den nächsten ambitionierten Club. Was für ein Spiel erwartest du?
Marcel Franke: Hannover 96 ist ebenfalls eine Mannschaft mit großer Qualität. Ihr Trainer verfolgt einen klaren Plan, der sie über den Ballbesitz definiert. Daher werden wir sicherlich auch viel gegen den Ball arbeiten müssen und versuchen, unsere Intensität reinzubringen. Vorne wollen wir mit dem scharfen Anlaufen den Ball erobern, hinten muss dann natürlich wieder eine andere Zahl stehen – am liebsten die Null!
ksc.de: Vor deiner Zeit in blau-weiß hast du deine Fußballschuhe für drei Jahre bei 96 geschnürt. Was verbindest du mit dem Club und der Stadt?
Marcel Franke: Ich hatte nicht nur sportlich, sondern auch privat eine schöne Zeit in Hannover, denn meine Kinder sind dort geboren. Sofern es die Zeit zulässt, versuche ich jedes Spiel zu schauen. Eine Verbindung ist also auf jeden Fall da. Inzwischen gibt es bei 96 zwar keine Spieler mehr, mit denen ich zusammengespielt habe, dafür aber noch einige Staff-Mitglieder. Auf diese Wiedersehen freue ich mich ganz besonders!
ksc.de: Auswärtsspiele in Hannover sind uns in den vergangenen Jahren in keiner guten Erinnerung. Mal gab es deutlich Niederlagen, mal kassierten wir in den Schlussminuten den Ausgleich. Der letzte KSC-Sieg geht dabei zurück in die Saison 1988/89. Spielt diese Negativserie in der Vorbereitung eine Rolle?
Marcel Franke: Ganz egal, ob wir die vergangenen fünf Spiele gewonnen oder verloren haben, startet jede Partie wieder bei null. Ihre Mannschaft hat sich ein bisschen verändert, unsere ebenfalls, von daher gebe ich nichts auf die Vergangenheit. Wir wissen, was für eine Mannschaft da auf uns zukommt. Im Training gilt es für uns, alles zu erarbeiten, den Plan des Trainers zu verinnerlichen und dann gut vorbereitet nach Hannover zu fahren.
ksc.de: Auch in dieser Saison fungierst du als Vizekapitän unseres KSC. Im Sommer kamen einige neue, vor allem junge Gesichter in die Mannschaft hinzu. Wie interpretierst du deine Aufgaben im Spielerrat?
Marcel Franke: Wir haben richtig gute Jungs dazubekommen. Trotz des zum Teil sehr jungen Alters ist da niemand dabei, der in irgendeiner Art querschießt. Jeder weiß genau, was er zu tun hat. Zu meiner Rolle gehört es dann, den Jungs zu helfen und ihnen mit meiner Erfahrung zur Seite zu stehen. Vor dem Derby auf dem Betzenberg kamen zum Beispiel ein paar Jungs auf mich zu und fragten, wie es ist, vor 50.000 Zuschauern zu spielen. Da kann ich schon einiges mitgeben. Mit Marvin Wanitzek haben wir zudem einen absoluten Vorzeigekapitän, mit dem wir Führungsspieler gemeinsam vorangehen und jeden bestmöglich unterstützen.
ksc.de: Gibt es für dich wiederum Punkte, die dir in der Zusammenarbeit mit jungen Spielern persönlich besonders Spaß machen?
Marcel Franke: Auf jeden Fall! Es ist toll zu sehen, wie fleißig die Jungs sind und sich Stück für Stück entwickeln. Wenn ich da mal Paul Scholl als Beispiel nehme: Die großen Schritte, die er in der vergangenen Saison gegangen ist, erinnern mich an meine eigenen Anfänge, weil ich selbst einmal in dieser Situation war. So wie wir den jungen Spielern mit unserer Erfahrung helfen können, helfen sie uns dann wiederum mit ihrer Energie auf dem Platz. Das ist eine coole Verbindung!












