Noel Eichinger über seine Zeit in Karlsruhe, persönlichen Werdegang und Leidenschaft zur Architektur

„Es war definitiv ein gutes Gefühl, mich so früh für den Weg zu entscheiden."

Vorberichte von Luca Thomas

Bereits Ende März stand der Transfer von Noel Eichinger zum Karlsruher SC fest. In den ersten drei Pflichtspielen der Saison gehörte der 25-Jährige zur ersten Elf und überzeugte durch seine Intensität und Laufbereitschaft. ksc.de hat sich mit dem Offensivspieler über den Schritt zum KSC, seinen persönlichen Werdegang und seine Leidenschaft zur Architektur unterhalten. Viel Spaß beim Lesen!

Noel Eichinger
Eichinger am Ball

ksc.de: Noel, du befindest dich in deiner ersten KSC-Saison. Wie sind deine ersten Wochen und Monate in Karlsruhe verlaufen?

Noel Eichinger: Bis jetzt sehr, sehr schön. Ich wurde von der Mannschaft und dem Staff super aufgenommen. Es war viel Neues, auch mit einem neuen Trainerteam. Dementsprechend war es eine größere Umstellung, aber es hat alles super funktioniert. IDie ersten Spiele haben wir auch positiv gestaltet. Das ist am Ende das Wichtigste.

ksc.de: Dein Transfer wurde schon Ende März bekannt gegeben. Du hast dich also früh für einen Wechsel zum KSC entschieden. Wie wichtig war es für dich, so frühzeitig Klarheit über deine Zukunft zu haben?

Noel Eichinger: Es war definitiv ein gutes Gefühl, mich so früh für den Weg zu entscheiden. Natürlich auch schön, dass der Verein mich so früh kontaktiert und Interesse an mir gezeigt hat. Von daher war es einfach optimal, schon im März Klarheit zu haben. So konnte ich mich auf die neue Herausforderung hier bestens vorbereiten, und damit zeige ich auch, dass ich für diesen Weg lebe.

ksc.de: Dein Weg in die 2. Bundesliga hatte mehrere Umwege, aber du hast dich sukzessiv mit guten Leistungen nach oben gekämpft. Erst in der Oberliga, über die Regionalliga und dann in die 3. Liga. Welche Erfahrungen konntest du aus deinem Werdegang mitnehmen?

Noel Eichinger: Ich habe schon schwere Zeiten durchgemacht. Auch wenn es jetzt noch nicht die ewig lange Karriere ist, haben da Rückschläge einfach dazugehört. Daraus habe ich sehr viel gelernt und trotzdem an dem Glauben an mich selbst festgehalten. Das ist aus meiner Sicht am wichtigsten. Wenn dieser Glaube und diese Überzeugung da sind, dann kann man als Sportler einiges erreichen und ich denke, dass mir wenige zugetraut haben, so weit zu kommen. Aber ich habe einfach durchgängig sehr hart an mir selbst gearbeitet und konnte meinen Weg in den vergangenen Jahren positiv gestalten.

ksc.de: Du giltst als akribischer Arbeiter, der einen strikten Ernährungsplan verfolgt. Hast du dir auch diese Disziplin über die Jahre erarbeitet oder war das schon immer Teil deines Alltags?

Noel Eichinger: Ein Stück weit hatte ich es schon immer in mir, aber es ist trotzdem in den vergangenen Jahren nochmal deutlich mehr geworden. Einfach weil ich gemerkt habe, wenn ich aus mir das Maximum raushole, ich mir einfach einen riesigen Vorteil gegenüber anderen erarbeiten kann. Wenn ich die beste Version von mir selbst bin, dann kann ich es am weitesten schaffen. Deshalb habe ich in den vergangenen Jahren alles umgestellt, um das Beste rauszuholen und versuche jeden Punkt meines Lebens zu professionalisieren.

ksc.de: Bei unserem Heimsieg am ersten Spieltag gegen Bielefeld konntest du dein Zweitliga-Debüt feiern und warst direkt der laufstärkste Spieler auf dem Platz. Was war das für ein Gefühl, das erste Mal hier im so gut wie ausverkauften BBBank Wildpark zu spielen?

Noel Eichinger: Unfassbar schön! Die Stimmung, die Energie und Leidenschaft der Fans habe ich enorm gespürt, auch auf dem Platz. Ich war einfach total glücklich. Erstens über mein Debüt, zweitens über diese Stimmung und diese Atmosphäre in unserem Stadion. So etwas miterlebt zu haben und dann am ersten Spieltag noch zu gewinnen war natürlich das Highlight. Das ist definitiv ein Spiel, das ich in Erinnerung behalten werde! 

ksc.de: Der zweite Spieltag führte euch direkt zum Derby nach Kaiserslautern. Dort ging es ziemlich hitzig her, die Stimmung war aufgeladen. Mit Lokomotive Leipzig hast du bereits ein sehr hitziges Derby gegen Chemie schon gespielt. Ist die Atmosphäre dieser Derbys vergleichbar?

Noel Eichinger: Derbys miteinander zu vergleichen ist immer schwer, weil jedes Derby seine eigene Geschichte hat. Als ich in Zwickau gespielt habe, hatte ich das Duell gegen Aue, was auch schon sehr hitzig war. Dann noch wie gesagt das Duell gegen Chemie mit Lok. Dennoch muss man einfach sagen, dass alleine schon die Wucht, die das Südwestderby entfacht, mit fast 5.000 Auswärtsfans, einfach unglaublich ist. Vor 49.000 Zuschauern so ein Derby spielen zu dürfen war schon ein einmaliges Erlebnis.

ksc.de: Bei einem Blick auf deine Statistik stellen wir fest, dass du mehr Tore vorbereitet als selbst erzielt hast und in der Offensive auf mehreren Positionen einsetzbar bist. In welcher Rolle fühlst du dich denn am wohlsten?

Noel Eichinger: Ich sage immer über mich, dass ich ein flexibler Spieler bin und eben da spiele, wo ich am besten für den Mannschaftserfolg benötigt werde. Ich kann meine Qualitäten auf mehreren Positionen auf den Platz bringen. Dementsprechend gilt es, mich natürlich auch anzupassen und einfach bestmöglich im Spiel einzubringen.

ksc.de: Von dir stammt der Satz: „Wenn wir von einem Stürmer reden, dann bin ich meine eigene Art von Stürmer.“ (im Interview mit der BNN) Wie würdest du denn deinen Spielstil denn beschreiben?

Noel Eichinger: Das sagt schon so ein bisschen, dass ich die Stürmerrolle auf meine eigene Art und Weise interpretiere. Ich bin nicht der klassische Strafraum-Stürmer, sondern versuche, mir die Bälle aktiv selbst abzuholen. Chancen zu kreieren, Chancen vorzubereiten und einfach das Spiel mitzugestalten. Dementsprechend lässt sich das auch auf die anderen Positionen übertragen.

ksc.de: In den ersten drei Spielen hat Moritz Broschinski die klassische Neun gegeben. Du hast dich eher auf dem linken Flügel eingefunden. Wie läuft das Zusammenspiel mit deinen Sturmpartnern Broschinski, aber auch mit Shio Fukuda oder Louey Ben Farhat?

Noel Eichinger: Das beschreibt es eigentlich ganz gut, dass ich da verschiedene Rollen einnehme und gegen den Ball vielleicht eher diese Stürmerrolle habe, was das Anlaufen betrifft. Mit dem Ball orientiere ich mich dann aber breit und habe so ein gutes Zusammenspiel mit Mo, der schon eher ein klarer Mittelstürmer ist, der das Zentrum hält. Und ich glaube, das gleiche gilt auch mit den anderen. Beispielsweise das Zusammenspiel mit Shio in den Testspielen hat super funktioniert. Von daher gilt es da auch, mich natürlich anzupassen, mein Spiel miteinzubringen und dann die gesunde Mischung zu finden.

ksc.de: Kommen wir mal weg vom Fußball. Neben deiner Karriere als Profifußballer studierst du auch noch Architektur und zeichnest in deiner freien Zeit sehr gerne. Wie ist es dazu gekommen?

Noel Eichinger: Ich habe in der Schule schon früh gemerkt, dass mir kreative Dinge Spaß machen. Im Anschluss an mein Abitur, wollte ich direkt etwas studieren, um die Zeit sinnvoll zu nutzen. Ich habe damals mit dem Studium begonnen und mir hat es sehr viel Spaß gemacht. Mittlerweile studiere ich online, aber nebenbei noch in der Zeit, in der es sich ergibt.

ksc.de: Woher nimmst du die Zeit, deine Leidenschaft für Architektur und Zeichnen mit deiner Profikarriere unter einen Hut zu bringen?

Noel Eichinger: Es ist natürlich nicht so einfach. Der Job als Fußballprofi ist sehr zeitintensiv, bringt aber auch viel Freude. Auf der anderen Seite ist das Studium eine Ablenkung, wodurch ich mal ein, zwei Stunden am Tag etwas anderes machen kann. Deshalb gilt es da einfach eine gute Mischung zu finden.

ksc.de: Kannst du dir auch vorstellen, nach deiner Karriere als Fußballer einen Weg in der Architektur einzuschlagen?

Noel Eichinger: Absolut! Das ist auf jeden Fall eine Möglichkeit, die ich mir natürlich offenhalten will und auch ein Grund, warum ich das überhaupt mache. Der Beruf bringt mir neben dem Fußball sehr viel Spaß. Aus diesem Grund versuche ich mich da auch aufzustellen.

Eichinger und Broschinski

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