Mannschaftsarzt feiert Jubiläum

Ein Vierteljahrhundert "Doc Schweizer"

Profis von Jan Hoffmann

Am 1. Juli 2001 startete eine neue Ära am Adenauerring. Zwar nicht auf dem Platz, aber mindestens genauso wichtig wie der Mittelstürmer im Angriff oder der Abwehrhüne in der Defensive ist unser Mannschaftsarzt Dr. Marcus Schweizer. Zum 25-jährigen Dienstjubiläum lassen wir das Vierteljahrhundert mit dem „Doc“ nochmal Revue passieren.

Dr. Marcus Schweizer
Seit 2001 an der Seite unserer KSC-Profis: Dr. Marcus Schweizer

Wir reisen zurück in den Sommer 2001: Der KSC ist nach einem Jahr in der Regionalliga wieder in die Zweitklassigkeit zurückgekehrt. Mit dem Wiederaufstieg entscheidet sich Mannschaftsarzt Dr. Heinz-Walter Löhr in Zukunft beim KSC kürzer treten zu wollen. Der erfahrene Dr. Löhr kümmerte sich frühzeitig um seine Nachfolge und stieß bei seiner Suche im Karlsruher St. Vincentius-Klinikum auf einen Arzt, der nicht nur auf dem Platz mit der Ärztemannschaft, sondern auch mit seinem Wissen überzeugte: Dr. Marcus Schweizer. Lange Bedenkzeit über das Angebot, den KSC fortan als Mannschaftsarzt zu begleiten, benötigte der gebürtige Karlsruher nicht. Schließlich verfolgte er die Blau-Weißen schon seit seinem ersten Stadionbesuch im Alter von zehn Jahren intensiv und spielte selbst viele Jahre im Amateurfußball. „Als ich noch selbst gespielt habe, habe ich so gut wie nie ein Training verpasst. Mit dem selben Herzblut nahm ich dann meine Aufgabe beim KSC wahr“, erklärt Dr. Schweizer seine Leidenschaft.

Teamwork mit Dr. Löhr

In den ersten beiden Jahren arbeitete Schweizer noch an der Seite von Dr. Löhr, der damals neben dem KSC auch noch die von Winnie Schäfer trainierte Nationalmannschaft Kameruns betreute. Ab 2003 fungierte Dr. Marcus Schweizer dann als alleiniger Mannschaftsarzt unserer Blau-Weißen. Zu Beginn seiner Tätigkeit am Adenauerring bestand sein Alltag noch zu einem großen Teil aus „learning by doing“. „Die Theorie und die Erfahrung aus der Klinik halfen mir natürlich weiter. Was es bedeutet Mannschaftsarzt zu sein, lernte ich dann mit der Zeit“, äußert sich der „Doc“ zu seinen Anfängen.

Herzstillstand im Wildpark

In der Natur des Arztberufes liegt es jedoch bekanntermaßen auch, dass Verletzungen und die persönlichen Schicksale auf der Tagesordnung stehen. Bei dem wohl einschneidendsten Erlebnis aus Dr. Schweizers bisheriger Laufbahn als Mannschaftsarzt ging es allerdings um Leben und Tod. Am dritten Spieltag der Bundesliga-Saison 2008/09 empfing unser KSC den 1. FC Köln. 25 Minuten waren gespielt, als der Kölner Spieler Ümit Özat ohne Fremdeinwirkung zusammenbrach und minutenlang regungslos auf dem Rasen lag. Der Karlsruher Mannschaftsarzt war einer der ersten an der Unfallstelle und unterstützte seinen Kölner Kollegen bei der Wiederbelebung. Durch das schnelle und professionelle Handeln aller Beteiligten überlebte Özat. „Dieser Vorfall war eine Initialzündung dafür, dass fortan Defibrillatoren in allen Fußballstadien schnell zugänglich waren“, erinnert sich Dr. Schweizer.

Fortschritt durch Spezialisierung

Der größte Unterschied im Vergleich zu heute? Die Größe der medizinischen Abteilung! „Wir waren damals ein Arzt und zwei Physios, das wars. Heute haben wir vier Physios und einen Athletik-, sowie einen Rehatrainer. Durch diese Spezialisierung sind wir nochmal viel besser geworden!“, so der Arzt mit Blick auf die personellen Fortschritte in den 25 Jahren. Eine weitere Veränderung ist die Arbeit in der Prävention. „Früher bestand die Hauptaufgabe darin, dafür zu sorgen, dass verletzte Spieler schnellstmöglich wieder fit werden. Heutzutage liegt der Fokus viel mehr darauf, Verletzungen durch präventive Arbeit zu verhindern“, beschreibt unser Mannschaftsarzt seine Tätigkeit.

Man lernt nie aus

Seit dem Start von Dr. Marcus Schweizer im Juli 2001 hat sich nicht nur die Sportmedizin, sondern auch unser gesamter Club weiterentwickelt. Wo einst das altehrwürdige Wildparkstadion stand, befindet sich heute der moderne BBBank Wildpark. Die langen Metallrinnen auf den Herrentoiletten hinter der Gegengerade sind genauso Geschichte wie die markanten Zacken auf dem Haupttribünendach. Doch eine Konstante, die bleibt: Unser „Doc“ ist der erfahrene Orthopäde und Vollblut-Karlsruher Marcus Schweizer. Was ist das Erfolgsrezept seiner langen Ära im schnelllebigen Fußballgeschäft? Der Mannschaftsarzt hat die Antwort parat: „Ohne meine Familie wäre das nicht möglich. Alle zeigen viel Verständnis für meinen Job und die Leidenschaft, die ich damit verbinde. Außerdem sind es die Momente der Zusammenarbeit und der Freundschaft, die die Arbeit so besonders und die Erfolge so schön machen.“

Doch auch nach einem Vierteljahrhundert als Mannschaftsarzt, in denen er von Clemens Fritz über Hakan Calhanoglu bis hin zu Marvin Wanitzek alle Blau-Weißen betreute, ist der 63-Jährige noch nicht am Ende angekommen. „Das Wichtigste ist, dass man immer weiter lernt und das Gelernte mit seinem Umfeld teilt“, gibt Dr. Marcus Schweizer als Ratschlag mit auf den Weg.


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