Santeri Väänänen im Interview

"Der KSC ist der perfekte Schritt für mich!"

Vorberichte von Jan Hoffmann

Profi-Debüt mit 16, Meisterschaften, Europapokalspiele, Länderspiele und neue Fußballkulturen im Ausland: Santeri Väänänen hat in seiner jungen Karriere schon einiges erlebt. Im Interview mit ksc.de gibt der Mittelfeldspieler Einblick in seine bisherige Laufbahn, erzählt über seinen Start in Karlsruhe, seine Ziele und eine typisch finnische Leidenschaft.

Väänänen im Interview

ksc.de: Santi, du bist der dritte Finne in der Geschichte unseres KSC. Kennst du die anderen beiden?

Santeri Väänänen: Mit Daniel O’Shaughnessy habe ich bei HJK Helsinki zusammengespielt. Durch ihn war mir der KSC schon länger ein Begriff. Aber wer war nochmal der andere? Ich habe von ihm gehört, kann mich aber nicht an den Namen erinnern.

ksc.de: Niklas Tarvajärvi! Zugegebenermaßen ist das eher Nischenwissen. Vielen KSC-Fans ist der Angreifer aber wegen seines oberkörperfreien Torjubels im Dezember 2009 im Schneetreiben von Fürth bei Temperaturen um den Gefrierpunkt in Erinnerung geblieben.

Santeri: Das klingt finnisch! [lacht]

ksc.de: Im Gegensatz zu Deutschland ist Fußball in deiner Heimat nicht die Nummer eins Sportart. Wie bist du zum runden Leder gekommen?

Santeri: Fußball war in meiner Familie schon immer präsent. Seitdem ich denken kann, habe ich gegen den Ball getreten. Mein Vater war zwar nie selbst Profi, hat aber einige Jahre in der zweiten und dritten finnischen Liga und in Junioren-Nationalteams gespielt. Er war ebenfalls Mittelfeldspieler. Ich erinnere mich noch daran, dass ich deshalb als Kind ebenfalls immer im Mittelfeld spielen wollte. Das hat sich bis heute gehalten.

ksc.de: Bereits im Alter von sieben Jahren kamst du in die Jugendabteilung des Rekordmeisters HJK. War dein Weg zum Profi damit schon lange vorgezeichnet?

Santeri: Ich wollte schon immer Profifußballer werden. Als Kind habe ich das alles zwar noch nicht komplett verstanden, da war es einfach cool mit meinen Freunden für meinen Heimat- und Lieblingsverein zu spielen. Mit 13 Jahren bin ich dann aber auf eine Sportschule gewechselt. Durch diesen Schritt habe ich gemerkt, dass ich mein großes Ziel wirklich erreichen kann. Ab diesem Zeitpunkt ging es nicht mehr nur um Spaß, sondern auch um harte Arbeit und viel Fleiß für meinen großen Traum.

ksc.de: Diese Arbeit hat sich ausgezahlt. Im zarten Alter von 16 Jahren hast du dein Erstliga-Debüt absolviert. Was geht einem Teenager da durch den Kopf?

Santeri: Um ehrlich zu sein, habe ich erst deutlich später realisiert, was es bedeutet, mit 16 Jahren sein Profi-Debüt zu feiern. Ich war sehr ambitioniert und etwas ungeduldig. Mein erster Gedanke, als ich eingewechselt wurde, war daher auch eher „Wieso denn erst jetzt?“. Mit meiner heutigen Erfahrung klingt das völlig verrückt, ich konnte es damals aber kaum erwarten, endlich Profi zu sein. Nach meinem Debüt habe ich erst einmal wieder bei der zweiten Mannschaft gespielt. Heute weiß ich, wie wichtig diese Spielzeit für meine Entwicklung war. In meinem damaligen Alter hat es sich allerdings wie ein Rückschritt angefühlt.

ksc.de: Mit 18 warst Du ein fester Teil der Erstliga-Mannschaft, dein Durchbruch stand aber noch bevor.

Santeri: Zu einem frühen Zeitpunkt meiner Karriere hatte ich mit Verletzungen zu kämpfen. Gerade als ich gedacht habe, so richtig im Profifußball angekommen zu sein, musste ich verletzt aussetzen. Diese Phase war sehr belastend für mich. Meine Motivation war am Boden und ich war mir unsicher, wie es für mich im Fußball weitergeht. Doch genauso schnell, wie es nach unten gehen kann, kann es auch wieder nach oben gehen. 2022 kehrte ich in einer entscheidenden Saisonphase in die Mannschaft zurück und konnte auf Anhieb zeigen, was ich draufhabe. Am Ende haben wir mit HJK die Meisterschaft gewonnen. Nach meiner Leidenszeit die Trophäe als Stammspieler in den Händen zu halten, war ein unglaubliches Gefühl. Dieser Titel bedeutet mir sehr viel. Die Saison war damit aber noch nicht vorbei, denn in Finnland wird die Liga von April bis Oktober gespielt. Vor uns lagen also noch die Spiele in der Europa League, in der wir unter anderem gegen Betis Sevilla und AS Rom spielten.

ksc.de: Bei eurem Heimspiel gegen Rom hast du die Mannschaft als Kapitän auf das Feld geführt. Welche Erinnerungen verbindest du mit diesem Abend?

Santeri: In so einem großen Spiel für meinen Heimatverein als Kapitän aufzulaufen, war eine riesige Ehre für mich. Obwohl wir die Partie knapp verloren haben, werde ich dieses Erlebnis im ausverkauften Stadion niemals vergessen.

ksc.de: Als Fan, Eigengewächs und Kind der Stadt zum mehrfachen Meister, Pokalsieger und Kapitän auf europäischem Niveau: Wäre das so in Deutschland geschehen, hättest du möglicherweise schon eine Statue. Wie ist das Leben als Fußballprofi in Finnland?

Santeri: Während meiner Zeit als Profi bei HJK wurden wir jedes Jahr Meister. Die Meisterschaft war natürlich besonders, aber nicht außergewöhnlich. Außerdem hat der Fußball in Finnland einen anderen Stellenwert als hier in Deutschland. Als Fußballprofi war ich in meiner Heimat keine Prominenz, sondern lebte ein völlig normales, entspanntes Leben. Ich hatte weiterhin meine Familie und meine Freunde eng um mich herum. Außerhalb des Sports blieb mein Alltag unverändert.

ksc.de: 2023 folgte dein Wechsel nach Norwegen zu Rosenborg Trondheim. War das für dich der bewusst gewählte nächste Schritt in deiner Karriere?

Santeri: Ja, absolut! Ich habe mich in meiner Profilaufbahn stets von Ziel zu Ziel gearbeitet. Vom Jugendspieler wurde ich zum Profi. Danach habe ich es zum Stammspieler geschafft. Als Stammspieler konnte ich die Meisterschaft gewinnen. Im nächsten Schritt wollte ich mich im Ausland beweisen. Die norwegische Liga und Rosenborg passten daher als nächsten Schritt sehr gut zu meinem Karriereplan. In diesem Abschnitt konnte ich mich nicht nur fußballerisch, sondern auch persönlich weiterentwickeln.  

ksc.de: Kurz nach deinem Wechsel wurdest du das erste Mal für die finnische A-Nationalmannschaft nominiert. Was bedeutet es dir, für dein Heimatland aufzulaufen?

Santeri: Als ich angefangen habe, Fußball zu spielen, habe ich immer zur Nationalmannschaft aufgesehen. Es ist die größte und beste Mannschaft eines Landes, jeder will dort spielen. Dieser Kindheitstraum hat sich bei mir gefestigt, als ich mehrere Einsätze für die U21 absolviert habe. Schließlich für die A-Nationalmannschaft auf dem Feld zu stehen und das Nationaltrikot zu tragen, ist jedes Mal unbeschreiblich - egal wie oft ich es schon erlebt habe. Die Spiele mit Finnland fühlen sich für mich im Vergleich mit den Club-Spielen komplett anders an. Im Verein geht es darum, dass ich mich Woche für Woche bestmöglich präsentiere. Beim Nationalteam möchte ich natürlich ebenfalls gute Leistungen zeigen, dort überwiegt bei mir aber die Ehre, das Trikot tragen zu dürfen. Das ist einfach etwas ganz Besonderes.

ksc.de: Auf Helsinki und Trondheim folgte in diesem Sommer Karlsruhe. Bei deinen vorherigen Stationen hast du um Titel gespielt und in europäischen Wettbewerben, jetzt bist du in der 2. Bundesliga. Was reizt dich an der Aufgabe hier beim KSC?

Santeri: Erst bei HJK und danach bei Rosenborg hatte ich tolle Zeiten, in denen ich als Spieler wachsen konnte. Für mich war im Sommer aber der Zeitpunkt für Veränderung gekommen. Ich hatte einfach das Gefühl, dass ich eine neue Herausforderung möchte. Als ich dann vom zunächst noch losen Interesse aus Karlsruhe gehört habe, war ich sofort Feuer und Flamme und habe sehr gehofft, dass sich der Kontakt intensiviert. Die 2. Bundesliga ist eine tolle, spannende  und anspruchsvolle Liga, die gut zu mir passt. Deutschland ist ein Land, in dem die Menschen den Fußball leben, das ist wirklich toll. Außerdem gefällt es mir sehr, dass ich hier beim KSC für einen Club mit einer großen Historie und unglaublichen Fanbase spielen darf. Das waren für mich nicht unwesentliche Faktoren. An diesem Punkt meiner Karriere und meiner persönlichen Entwicklung sehe ich den KSC als perfekten Schritt für mich.

ksc.de: Der KSC ist deine zweite Station im Ausland und deine erste außerhalb von Nordeuropa. Hast du dich schon eingelebt?

Santeri: Ja, das fiel mir hier sehr leicht! Ich lebe zusammen mit meiner Freundin relativ zentral und bin begeistert von der Kompaktheit der Stadt. Wir können fast überall hinlaufen, zum Training fahre ich mit dem Rad. Es gibt hier so viele gute Restaurants und Cafés, das ist richtig schön. Aber allen voran sind es die Menschen hier in Karlsruhe, die uns den Start sehr leicht gemacht haben. Die Karlsruherinnen und Karlsruher haben uns warm empfangen und sind sehr freundlich. Außerdem gefällt es mir, dass ich überall in der Stadt Sticker, Schals und Trikots vom KSC sehe. Ich spüre, wie viel der Club den Menschen bedeutet. Das macht mich sehr stolz, für den KSC zu spielen, und gibt mir den zusätzlichen Anreiz, dass wir als Mannschaft den Menschen durch Siege Freude bringen  und etwas Positives zurückgeben können.

ksc.de: Du hast deine Karriere im Verlauf dieses Gesprächs in verschiedene Zwischenziele eingeteilt, die du Schritt für Schritt abhaken konntest. Welche Ziele hast du mit dem KSC?

Santeri: Zum einen gibt es da die kurzfristigen Ziele. Ich möchte mich im Team etablieren und so wie am vergangenen Sonntag gegen Darmstadt Siege feiern. Außerdem will ich mich mit guten Leistungen weiter für die Nationalmannschaft empfehlen. Zum anderen habe ich langfristige Ziele. Als Fußballer ist mein großer Traum, eines Tages in einer der Top-5-Ligen zu spielen.

ksc.de: Kommen wir nochmal zurück zum Anfang: Finnen wird nachgesagt, eine ausgeprägte Sauna-Leidenschaft zu haben. Wie froh bist du über die Sauna in unserem Kabinentrakt?

Santeri: Oh, ich liebe Sauna! Wenn es die Möglichkeit gäbe, hätte ich auch zu Hause eine Sauna! [lacht] In Finnland ist saunieren ein fester Bestandteil des Alltags. In meiner Heimat gehe ich fast jeden Abend entweder im Haus meiner Eltern oder mit Freunden in eine öffentliche Sauna. Der ganze Ablauf hat etwas sehr beruhigendes. Ich genieße einfach die Wärme, Ruhe und Entspannung. Im Leben geht es immer darum, irgendetwas zu machen. In der Sauna kann ich einfach abschalten. Deshalb ist es auch super, dass wir eine Sauna bei uns im Kabinentrakt haben.


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