Titel, Zanetti, "Schimmi" & Co.

Questo è l'Inter!

Vorberichte von Jan Hoffmann

Am Sonntag steigt die große KSC-Saisoneröffnung. Unsere Blau-Weißen empfangen dabei den internationalen Topclub FC Internazionale Milano im BBBank Wildpark. Wer genau kommt da auf uns zu und welche Verbindungen gibt es zwischen Karlsruhe und den Mailändern? Die Antworten darauf findet ihr hier!

jubelnde Inter-Fans
Feier des CL-Titels 2010
Schwarz und blau seit Tag eins: "I Nerazzurri"

I Nerazzurri

Schwarz und blau sind schon seit der Vereinsgründung am 9. März 1908 die Farben des FC Internazionale Milano. Folglich ergab sich daraus der Spitzname „I Nerazurri“, zu Deutsch „Die Schwarzblauen“. Der Vereinsname Football Club Internazionale kommt dabei ebenfalls nicht von ungefähr. Neben Inter gibt es bekanntlich noch einen anderen großen Fußballclub in Mailand, die AC Milan. Diese wurde neun Jahre vor dem Stadtrivalen gegründet und beheimatete zunächst sogar die späteren Gründerväter der Schwarz-Blauen. Jene kosmopolitisch eingestellten Fußballer ärgerten sich jedoch an der nationalen Einstellung der AC, denn sie erlaubte ausschließlich Italienern Mitglied zu werden. Aus diesem Grund spalteten sich einige AC-Mitglieder ab und gründeten in einer langen, hitzigen Versammlung den FC Internazionale. Die Anfänge gestalteten sich für Inter jedoch äußerst schwierig. Im Gegensatz zum damals schon dreifachen Meister AC Milan mussten sich die „Nerazzurri“ erstmal mit Themen wie fehlenden Trikots und Fußballschuhen auseinandersetzen.

I Campioni

Die Meister - Der Trophäenschrank des FC Internazionale wurde über die Jahre dennoch prall gefüllt! 21 Meistertitel, zehn Pokalsiege, acht Superpokalsiege, je drei UEFA Champions- und Europa League-Siege, zwei Weltpokalsiege und eine FIFA-Klub-Weltmeisterschaft stehen in der Vitrine der Italiener. Die wohl sportlich erfolgreichste Zeit liegt dabei noch gar nicht so lange zurück, denn in den 00er-Jahren konnte unter den legendären Trainern Roberto Mancini und José Mourinho fünf Scudettos – die italienische Bezeichnung des Meistertitels -, sechs nationale Pokale und die Champions League gewonnen werden. Speziell das Champions League-Finale 2010 gegen den FC Bayern München dürfte vielen deutschen Fußballfans noch in Erinnerung sein. Damals traf der argentinische Spitzenstürmer Diego Milito mit einem Doppelpack mitten ins Bayern-Herz und machte für die Nerazzurri den dritten CL-Titel perfekt. Bei der Siegerehrung reckte anschließend Inters Kapitän, Rekordspieler und heutiger Vizepräsident Javier Zanetti als erstes den Henkelpott in den madrilenischen Abendhimmel.

Seit einigen Jahren ist Inter wieder die treibende Kraft im italienischen Fußball. Je drei Meister- und Pokaltitel in sechs Jahren sprechen da eine deutliche Sprache. Auf europäischer Ebene stand der FC Internazionale 2023 und 2025 im Finale der Königsklasse, unterlag allerdings jeweils Manchester City und Paris Saint-Germain.

Il Migliore

Der Beste - In Mailand geboren, aufgewachsen und ab dem achten Lebensjahr in der Inter-Akademie das Fußballspielen erlernt: Federico Dimarco ist eine absolute Identifikationsfigur für die Fans der Nerazzurri. Der 28-jährige italienische Nationalspieler ist auf der linken Außenbahn zuhause und entwickelte sich über die Jahre zu einem absoluten Leistungsträger bei den Mailändern. Ein Beleg dafür sind aktuell 236 Profispiele für Schwarz und Blau, sowie die Wahl zum besten Spieler der italienischen Serie A in der abgelaufenen Double-Saison. Besondere Stärken Dimarcos sind seine Offensiv-Qualitäten gepaart mit der bissigen Zweikampfführung. Inters Nummer 32 verfügt über einen herausragenden linken Fuß, mit dem er gerne von der Grundlinie Strafraumflanken schlägt. Auf ihn gilt es für Rafael Pinto Pedrosa und Sebastian Jung am Sonntag daher ganz besonders aufzupassen.

Bild von Horst Szymaniak im KSC-Trikot
Horst "Schimmi" Szymaniak von 1959-1961 beim KSC und von 1963-1964 in Diensten des FC Internazionale Milano

I Carlsruhesi

Die Karlsruher - Dass Inters Mittelfelddirigent Hakan Çalhanoğlu seine Fußballschuhe schon am Adenauerring geschnürt hat, dürfte für die wenigsten KSC-Fans eine neue Info sein. Unser Eigengewächs ist jedoch nicht der einzige Interista mit KSC-Vergangenheit. Lange bevor Hakan Traumfreistöße in den Winkel massierte, spielte ein gewisser Horst Szymaniak für unseren KSC. Das Ruhrpott-Original kam 1959 vom Wuppertaler SV in die Fächerstadt und gehörte zu den „echten Typen“ des Fußballsports. Szymaniak, auch als „Schimmi“ bekannt, kam aus dem Bergarbeitermilieu. Zu Beginn seiner fußballerischen Laufbahn arbeitete er noch parallel als Bergmann, um sich so seinen Lebensunterhalt zu finanzieren. Doch nicht nur „unter Tage“, auch auf dem Platz verkörperte der Mittelfeldspieler die Rolle des ehrlichen Arbeiters, der sich für keinen Meter zu schade war. Ab 1956 lief Szymaniak für die DFB-Auswahl von Sepp Herberger, wodurch der Kicker auf der internationalen Bühne auf sich aufmerksam machte. So unterschrieb „Schimmi“ 1959 einen Vorvertrag mit Real Madrid. Der Vertrag enthielt jedoch eine Klausel, dass der Wechsel zum weißen Ballett nur zustande kommt, falls es Real nicht gelingen sollte, den Brasilianer Canario zu verpflichten. Es kam, wie es kommen musste: Die Madrilenen holten ihren Wunsch-Brasilianer und der Szymaniak-Wechsel platzte. Als die KSC-Führung davon Wind bekam, zögerte man keinen Augenblick und nahm den Nationalspieler ins Visier. Eine dreiköpfige Delegation, bestehend Helmuth Hodel, Erich Fehlberg und Eugen Fischer machte sich auf den Weg nach Italien, wo sich Horst Szymaniak gerade im Urlaub befand. Das mit einem Geldkoffer ausgestatte KSC-Trio fand den Fußballer auf einer Liege am Strand und schritt direkt zur Tat. „Sind Sie Herr Szymaniak?“, fragte einer der Karlsruher den sich bräunenden Urlauber. Nachdem Szymaniak vom Besuch erstaunt bejahte, wurde ihm direkt ein Angebot zum Wechsel ins Badische unterbreitet. Viel Bedenkzeit benötigte „Schimmi“ daraufhin nicht, denn der Wechsel wurde noch direkt auf der Liege unter Dach und Fach gebracht. So spielte der Mittelfeldakteur ab dem Sommer 1959 für zwei Jahre in blau-weiß, in denen er mit der Mannschaft von Trainer Edi Frühwirth die süddeutsche Meisterschaft gewann, sowie das DFB-Pokalfinale erreichte.

Im Anschluss an seine Zeit in der Fächerstadt zog es Horst Szymaniak wieder nach Italien. Diesmal aber nicht in den Urlaub, sondern als Spieler des CC Catania. Bei dem sizilianischen Mittelfeldclub sorgte „Il Tedesco“ – der Deutsche – mit außerordentlichen Leistungen für Aufsehen, wodurch ihn der Topclub FC Internazionale verpflichtete. Aufgrund einer damals noch geltenden Ausländerregelung kam „Schimmi“ allerdings nur auf wenige Einsätze bei den Mailändern, gewann mit dem Club aber dennoch als erster Deutscher jemals den Europapokal der Landesmeister – die heutige Champions League. Nach einem Jahr verließ Szymaniak Inter trotz des Angebotes auf eine Vertragsverlängerung und wechselte zum FC Varese. Anschließend spielte der 43-fache Nationalspieler noch in der neugegründeten Bundesliga für Tasmania Berlin, in der Schweiz beim FC Biel, sowie zum Karriereausklang in den USA bei den Chicago Spurs.

Horst Szymaniak war ein Lebemann, der auch während seiner aktiven Karriere mit seinem Alkoholkonsum und seiner direkten Art für Skandale sorgte. Nachdem „Schimmi“ seine Fußballschuhe an den Nagel hängte, war er noch einige Zeit als Trainer im Amateurbereich tätig. Mit zunehmenden Alters geriet der Held von einst in große finanzielle Schwierigkeiten, die ihn dazu zwangen, sein Haus in Karlsruhe und einen Teil seiner Trophäen zu verkaufen. Trotz allen persönlichen Rückschlägen betonte Szymaniak bis zu seinem Lebensende, dass er seine Spielerzeit und auch die Jahre danach in vollen Zügen genossen habe. Am 9. Oktober 2009 starb Horst Szymaniak im Alter von 75 Jahren.

L’ultima partita

Das letzte Spiel - Die Google-Suchanfrage „Bisherige Spiele KSC gegen FC Internazionale“ ergibt keine Treffer. Bei Fragen an die künstliche Intelligenz bescheinigt diese ebenso, dass es bisher keine Duelle zwischen den beiden Clubs gegeben haben soll. Zum Glück gibt es aber einen Mann, der das Internet und sämtliche KIs im Wissen über unseren KSC überbieten kann: Vereinsarchivar Heiko Räther!

Tatsächlich gab es ein Aufeinandertreffen zwischen Blau-Weiß und den Nerazzurri. Die Partie datiert zurück auf den 25. Juni 1955 und fand anlässlich des anstehenden Umzuges in das Wildparkstadion statt. Somit wurde dem FC Internazionale die Ehre zu Teil, beim allerletzten KSC-Spiel im legendären Stadion an der Honsellstraße dabei gewesen zu sein. Das Abschiedsspiel endete durch die Treffer von Herbert Dannenmeier und Ossi Traub mit 2:1 für unseren KSC. Mit diesem Ergebnis könnten wir uns durchaus auch am Sonntag anfreunden!


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