Pinto Pedrosa: "Genau für solche Momente spiele ich Fußball!"
Der diesjährige Sommer bietet ein echtes Highlight für KSC-Profi Rafael Pinto Pedrosa: Das Eigengewächs fährt mit der deutschen U19-Nationalmannschaft zur Europameisterschaft nach Wales. Bevor am Sonntag das erste Gruppenspiel gegen die dänische Auswahl ansteht, hat sich unser Rechtsverteidiger Zeit für ein Interview mit KSC.de genommen.

KSC.de: Rafa, erstmal herzlichen Glückwunsch zur Nominierung für den DFB-Kader für die U19-Europameisterschaft. Wie hast du erfahren, dass du in Wales dabei bist?
Rafael Pinto Pedrosa: Das war besonders, denn ich war mit meinen Eltern, meinem Bruder und seiner Freundin im Urlaub auf den Malediven und wir waren gerade auf dem Weg zum Strand, als ich die Nachricht via Mail vom DFB bekommen habe. Das war schon ein tolles Timing, denn meine Familie hat mich immer unterstützt und es war ein überragendes Gefühl, diesen Moment mit ihnen teilen zu können. Danach habe ich meine Freundin, die leider nicht im Urlaub dabei sein konnte, und meinen besten Freund angerufen und es den beiden erzählt. Alle haben sich für mich gefreut.
Was ging dir in dem Moment durch den Kopf, als du die Nachricht erhalten hast?
Das ist schwierig zu beschreiben, aber in dem Moment ging einfach ein Traum in Erfüllung. Genau für solche Momente spiele ich Fußball, um bei so einem Turnier dabei zu sein. Es war einfach ein unglaubliches Glücksgefühl und ich bin natürlich auch stolz darauf es, geschafft zu haben.
Kommen wir zum Turnier: Am Sonntag steht euer erstes Gruppenspiel an. Wie groß ist die Vorfreude auf die EM?
Also seit dem Zeitpunkt, als wir uns für das Turnier qualifiziert haben, habe ich einfach richtig Bock auf die EM. Ich glaube, seitdem ist fast kein Tag vergangen, an dem ich nicht an die Europameisterschaft gedacht habe und zuletzt im Trainingslager ist die Vorfreude sogar nochmals gestiegen. Wir haben innerhalb des Teams einen guten Zusammenhalt, das gibt uns auch nochmal einen gewissen extra Push.
Du hast dich bei den Quali-Spielen als Stammspieler etabliert und fast alle Partien über 90 Minuten bestritten: Mit welcher Erwartungshaltung gehst du persönlich ins Turnier und wie siehst du deine Rolle im Team?
Die Qualifikation ist für mich persönlich sehr gut gelaufen, der Trainer hat mir ein gutes Gefühl gegeben und mir sein Vertrauen geschenkt. Meine Rolle in der Mannschaft ist als Führungsspieler klar definiert. Ich versuche deshalb immer mit Leistung voranzugehen und auch wenn es mal nicht so gut läuft, die Mannschaft mitzuziehen und Verantwortung zu übernehmen.
Du hast ja schon den ein oder anderen Lehrgang hinter dir und schon mehrere Länderspiele absolviert. Was konntest du aus deiner Zeit beim DFB schon alles mitnehmen?
Ich konnte schon Vieles mitnehmen, für sein Land spielen zu dürfen ist nicht selbstverständlich und immer besonders. Wir hatten bei der Qualifikation nach dem 2:2 gegen Schweden auch etwas Druck im letzten Spiel gegen Österreich, weil wir wussten, wir müssen die Partie gewinnen, um Gruppenerster zu werden. Da haben wir dann aber gezeigt, wie druckresistent wir als Mannschaft sind und ich glaube, wir sind top vorbereitet für die EM.
Du bist schon mehrere Jahre beim KSC und hast viele Jugendmannschaften durchlaufen. Wenn du zurückblickst: Welches Jahr hat dich in deiner Entwicklung besonders geprägt?
Da gibt es zwei Jahre, die besonders wichtig für mich waren. Zum einen das U15-Jahr unter Dieter Andruchowicz, der mich vom Flügelspieler auf die Außenverteidigerposition zurückgezogen hat. Das hat damals rechts hinten auch ganz gut geklappt und mir viel Selbstvertrauen gegeben. Als zweites würde ich noch das Jahr in der U19 nennen, als ich hochgezogen wurde, weil ich vom Alter her noch U17 hätte spielen können. In diesem Jahr habe ich unter Ralf Kettemann viel gelernt und auch körperlich einen Schritt gemacht, da ich immer gegen ältere Gegenspieler ranmusste. Das hat mir den Sprung zu den Profis auch nochmal einfacher gemacht.
Jetzt sprichst du den Sprung zu den Profis schon an, im März konntest beim Heimsieg gegen Fürth dein erstes Tor im Profibereich erzielen. Wie ordnest du diesen Meilenstein in deiner Karriere persönlich für dich ein?
Das war schon einer der größten und emotionalsten Momente meiner bisherigen Karriere. Vor so einer Kulisse zu treffen ist einfach atemberaubend und wenn dann noch das ganze Stadion deinen Namen schreit, ist das schon ein absoluter Gänsehautmoment. Davon möchte ich in Zukunft mehr solcher Momente erleben.
Hast du fußballerisch ein Vorbild oder ein Idol?
Ja, das ist Cristiano Ronaldo. Auch durch meine portugiesischen Wurzeln ist da automatisch eine Verbundenheit ihm gegenüber vorhanden. Ich finde, man kann sich von seiner mentalen Stärke einfach sehr viel abschauen. Es ist sehr beeindruckend, wie er jeden Tag einfach 100 Prozent aus seinem Körper rausholt – auch heute noch mit 41 Jahren. Das hat er nicht nur jüngst mit seinem Doppelpack bei der WM ein weiteres Mal unter Beweis gestellt. Außerdem habe ich ja wie schon vorhin erwähnt bis zur U15 auf dem Flügel gespielt, da war Ronaldo als Vorbild naheliegend.
Kommen wir nochmal auf den DFB zu sprechen. Was machen denn internationale Turniere so besonders im Vergleich zum Ligaalltag?
Dass man sich mit den besten Spielern aus Europa aus dem eigenen Jahrgang messen kann, hat für mich definitiv einen hohen Anreiz. Da kann man sehen, auf welchem Level man sich bewegt und wie die anderen Nationen Fußball spielen. Solche Spiele erlebt man ja nicht jeden Tag.
Mit welchem Ziel reist ihr als DFB-Team zum Turnier?
Unser klares Ziel ist es, das Turnier zu gewinnen und den Pokal mit nach Hause zu bringen. Wir haben in der Qualifikation schon gezeigt, dass wir als Mannschaft eine hohe Qualität besitzen. Zudem ist der Zusammenhalt untereinander im Team einfach überragend. Das ist eine gute Basis für so ein Turnier. Wir haben alle zusammen einfach richtig Bock auf die EM.
Wenn wir nach der EM nochmal sprechen, was müsste passiert sein, damit du sagst, das war ein perfekter Sommer?
Das ist keine einfache Frage (lacht). Natürlich wäre es der perfekte Sommer, wenn wir das Turnier gewinnen. So ist es einfach zu beantworten. Aber ich würde auch sagen, wenn wir in jedem Spiel 100 Prozent geben, alles reinhauen und alles dafür tun, um zu gewinnen, kann man bereits von einem perfekten Sommer sprechen – wenn am Ende dann noch der Titel dabei rausspringen würde, dann wäre das umso schöner und wirklich der absolut perfekte Sommer.












