Das ist St. Pauli
Die Länderspielpause ist vorbei und wir widmen uns wieder der 2. Bundesliga. Der 7. Spieltag steht bevor und wir sind am Sonntagmittag in St. Pauli gefragt. Bevor wir am Wochenende beim Bundesliga-Absteiger im Millerntor-Stadion zu Gast sind, stellen wir euch unseren Gegner vor! Hier gibt es interessante Fakten und Geschichten rund um die Kiezkicker zu lesen. Dabei geht es um die Spielstätte, den neuen Trainer, warum die Braun-Weißen Teil der deutschen Mediengeschichte sind und was es mit der Bezeichnung als „Weltpokalsiegerbesieger“ auf sich hat.

Die Kiezkicker
Der Fußballclub St. Pauli ist ein Mehrspartensportverein aus dem Hamburger Stadtteil St. Pauli. Der Verein hat 25 Abteilungen in unterschiedlichen Disziplinen des Leistungs- und Breitensports. Gegründet wurde der heutige Zweitligist am 15. Mai 1910, aber bis ins Jahr 1924 war der FC St. Pauli offiziell lediglich die Fußballabteilung des Hamburg-St. Pauli Turnverein 1862. Erst im Zuge der Scheidung zwischen Turn- und Sportvereinen wurde der FCSP als selbstständiger Klub in das Vereinsregister eingetragen. Die Vereinsfarben sind braun/weiß und ihre Spiele tragen sie in der Nähe der Reeperbahn aus, weshalb die Spieler des FC St. Pauli auch als „Kiezkicker“ bekannt sind.
Millerntor-Stadion
Die Spielstätte der Kiezkicker befindet sich im Herzen des Stadtteils St. Pauli auf dem Heiligengeistfeld. Das Stadion verfügt seit dem Abschluss der Umbauarbeiten im Jahr 2015 über eine Kapazität von 29.546 Plätzen. Der FC St. Pauli steht für Diversität sowie ein respektvolles Miteinander und verhält sich solidarisch gegenüber Menschen und Gruppen, die von Ausschluss und Diskriminierung betroffen sind. Das Stadion verkörpert sichtbar die Leitlinien des Vereins. So belegen einige Maßnahmen, erreichte Meilensteine und Auszeichnungen, wie konsequent diese Werte auch rund um den Stadionbesuch umgesetzt werden. Das Millerntor-Stadion war beispielsweise die erste Spielstätte, in der das Rufen von faschistischen oder rassistischen Parolen verboten wurde. Außerdem erhielt das Stadion 2010 den PETA Progress Award als „tierfreundlichstes Fußballstadion", da es unter anderem eine große Auswahl an vegetarischen und veganen Gerichten zu den Partien der Braun-Weißen bietet. Eine weitere Besonderheit, die es in keinem anderen Fußballstadion in Deutschland gibt, ist das „Piraten-Nest“ - eine Kita, die von der Pestalozzi-Stiftung Hamburg betrieben wird und Platz für etwa 100 Kinder bietet.
Frischer badischer Wind
Nach dem Abstieg aus der Bundesliga in der vergangenen Saison, übernahm Marcel Rapp als neuer Cheftrainer den FC St. Pauli. Der ehemalige Karlsruher trat die Nachfolge von Alexander Blessin an und soll den Absteiger nun zurück in die Bundesliga führen. Als Spieler bestritt Marcel Rapp insgesamt neun Partien in der 2. Bundesliga, acht davon für unseren KSC im Jahr 2000. Nach weiteren Stationen bei Rot-Weiß Oberhausen, Carl Zeiss Jena, dem SC Pfullendorf und den Stuttgarter Kickers, wechselte der gebürtige Pforzheimer 2011 schließlich zum FC Nöttingen in der Oberliga Baden-Württemberg. In der Saison 2012/13 fungierte Rapp nicht nur als Spieler, sondern auch als Co-Trainer des FCN. Danach war er einige Jahre als Jugendtrainer bei der TSG Hoffenheim tätig und schloss 2019 erfolgreich die Ausbildung zum Fußballehrer ab. Am 09. Juni 2020 übernahm er gemeinsam mit Matthias Kaltenbach und Kai Herding die Bundesligamannschaft der TSG, gewann drei der letzten vier Spiele und beendete die Saison auf dem neunten Tabellenplatz. Es folgte seine erste Anstellung als alleiniger Cheftrainer einer Herrenmannschaft und er unterschrieb Anfang Oktober 2021 einen Vertrag bei Holstein Kiel. In der Saison 2023/24 erreichte er mit den Störchen den zweiten Tabellenplatz und somit den ersten Bundesligaaufstieg der Vereinsgeschichte.
„Weltpokalsiegerbesieger“
Am 06. Februar 2002 schlug der FC St. Pauli sensationell den FC Bayern München. Am 21. Spieltag der Fußball-Bundesliga gewannen die Kiezkicker um Kapitän Holger Stanislawski als Tabellenschlusslicht gegen den Rekordmeister aus München mit 2:1. Der Triumph brannte sich ins Gedächtnis der Spieler und Fans ein, insbesondere dank einer einfallsreichen und geschickten Marketing-Strategie des Vereins: Der FC St. Pauli kreierte nach dem Sieg gegen die Bayern den Begriff „Weltpokalsiegerbesieger“. Die Mannschaft von Trainer Ottmar Hitzfeld hatte nämlich gut zwei Monate zuvor den Weltpokal gegen den Amerika-Meister Boca Juniors gewonnen. Der FCSP brachte entsprechende T-Shirts auf den Markt und landete damit einen enormen Verkaufsschlager: 400 Stück gab es in der ersten Auflage, mehr als 100.000 hatte der Club zehn Jahre nach dem historischen Sieg noch verkauft.
Historische Liveübertragung
Seit dem 25. Dezember 1952, als die erste Fußball-Liveübertragung im deutschen Fernsehen stattfand, ist der FC St. Pauli Teil der deutschen Mediengeschichte. Ausgerechnet an Weihnachten startete der Nordwestdeutsche Rundfunk (NDRW) das TV-Experiment und startete damit den regulären Fernseh-Sendebetrieb. Um das neue Medium populär zu machen, entschieden sich die Verantwortlichen für die Liveübertragung eines Fußballspiels. Die Wahl für eine Partie des FC St. Pauli hatte vor allem technische und organisatorische Gründe: Das Hamburger Studio des NDRW war seit Ende 1950 direkt neben dem Millerntor-Stadion in einem Flakbunker untergebracht. Die empfindliche Ausrüstung für die erste Liveübertragung musste also nicht weit transportiert werden. So wurde am zweiten Weihnachtsfeiertag des Jahres 1952 das Wiederholungsspiel der zweite Runde des DFB-Pokals zwischen den Paulianern und dem SV Hamborn 07, der in der zweiten westdeutschen Liga spielte, in etwa 4.500 registrierten Fernsehgeräten ausgestrahlt. Die extra fürs Fernsehen um einige Wochen verschobene Partie verlor der FC St. Pauli am Ende mit 3:4.











