Zum Ende ein Aufstieg: Wie Sebastian Schuppan zur Würzburger Legende wurde
Im ersten Spiel nach der zweiwöchigen Fußballpause empfangen wir am Freitagabend um 18:30 Uhr die Würzburger Kickers. Bei „Gegner im Detail“ blicken wir diesmal auf eine Vereinslegende der Unterfranken und dessen besonderes Karriereende.

Entscheidung in letzter Sekunde
Wir schreiben den 4. Juli 2020. Es ist der letzte Spieltag der Drittliga-Saison und die Würzburger Kickers stehen kurz vor dem dritten Aufstieg ihrer Vereinsgeschichte in die 2. Bundesliga. Ein Punkt gegen den Halleschen FC reicht, um die Zweitklassigkeit für nächste Saison unter Dach und Fach zu bringen. Für Kickers-Kapitän Sebastian Schuppan ist es das letzte Spiel seiner Profikarriere. Mit dem Abpfiff wird er die Fußballschuhe nach 464 Spielen, 116 davon für die FWK, an den Nagel hängen. Zum Abschluss soll daher unbedingt noch ein Aufstieg her.
Doch das Spiel läuft alles andere als geplant aus Sicht der Würzburger. Den Führungstreffer des HFC durch Pascal Sohm können die Kickers in Person von Luca Pfeiffer zwar fünf Minuten später ausgleichen. Doch ebendieser Pfeiffer leistet sich einen groben Fehler, als er in der 54. Spielminute dem Hallenser Guttau den Ball so vorlegt, dass dieser problemlos an Keeper Müller vorbei ins Tor einschieben kann. Würzburg liegt hinten und Aufstiegskonkurrent Ingolstadt führt. Schafft Würzburg nicht noch den Ausgleich, so müssen sie in die Relegation zum Derby gegen den Club aus Nürnberg. Die Unterfranken können sich nun nicht mehr auf dem Ergebnis ausruhen, sondern müssen selbst aktiv werden. Doch die Zeit läuft gegen sie.
Die Nachspielzeit bricht an und für die Kickers heißt es Alles oder Nichts. Der eingewechselte FWK-Angreifer Patrick Sontheimer wird gut 20 Meter vor dem gegnerischen Tor von Torschütze Guttau gefoult. Freistoß für Würzburg. Hermann tritt an und bringt einen langen Ball in den Sechzehner. Im Durcheinander des prall gefüllten Strafraumes wird erneut Guttau zur Leidfigur. Das Spielgerät trifft ihn am Oberarm. Schiedsrichter Martin Petersen pfeift und zeigt auf den Punkt. Elfmeter für die Würzburger Kickers in der dritten Minute der Nachspielzeit.
Schuppan erklärt die Angelegenheit zur Chefsache und schreitet mit dem Leder zum Punkt. Es ist sein letztes Spiel und der letzte Schuss in seiner gesamten Karriere und der wichtigste obendrein. Wenn er trifft, schießt er seinen Verein zum Aufstieg und macht sich damit unsterblich. Vergibt er aber, verlängert sich seine Karriere noch um zwei harte Spiele in der Relegation. Der Kapitän läuft an, schießt und versenkt die Kugel ins rechte untere Eck. Würzburg gleicht aus, die Sensation ist perfekt. Sebastian Schuppan verhilft den Kickers mit der letzten Aktion seiner langen Karriere zum direkten Zweitliga-Aufstieg. Doch ein Abschied aus Würzburg sollte das noch nicht für ihn sein.
Zweite Karriere abseits des Platzes
Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Das wusste einst schon Sepp Herberger. Und auch Sebastian Schuppan beherzigte wohl diese Aussage, denn Ende letzten Jahres übernahm er die neu entstandene Rolle des Vorstand Sport bei den Kickers. Als Strippenzieher neben und nicht mehr auf dem Platz arbeitet er nun unter anderem mit Felix Magath zusammen und versucht dabei seinen Teil zur Mission Klassenerhalt beizutragen. Dieses Vorhaben scheint eine ziemliche Mammutaufgabe für die Würzburger zu sein. Ganze zehn Punkte Abstand auf das rettende Ufer und sieben auf Platz 16 spiegeln die ernste Lage der FWK im Abstiegskampf wider. Um die Chance auf den direkten Klassenerhalt aufrecht zu erhalten, muss die Mannschaft von Coach Ralf Santelli im Wildpark punkten. Mit dem inzwischen vierten Trainer in der aktuellen Spielzeit erhoffen sich Schuppan und Co. eine finale Kehrtwende im Rennen um die rettenden Plätze. Christian Eichner und sein Team werden aber alles daransetzen, um das zumindest vorerst zu verhindern.











