Vom Co. zum Chef bei anderen hat es geklappt
Fünf Trainer im Profifußball waren vor ihrer Nominierung zum Chefcoach im Amateur oder Nachwuchsfußball ihres Vereins tätig. Thomas Schaaf arbeitete sich bei Werder Bremen gar vom Jugend Trainingsplatz zur Deutschen Meisterschale.
Von Andreas Eisinger
Vom Co. zum Chef Edmund Becker nimmt im Wildpark das Ruder in die Hand und soll die Blau Weißen in der Rückrunde aus dem Tabellenkeller führen. Nach einer nahezu makellosen Vorrunde mit den erstplatzierten Amateuren in der Oberliga sieht sich der 48 Jährige ab sofort mit dem Abstiegskampf in Liga zwei konfrontiert. Ambitionen, die Profi Elf zu trainieren, hatte der Reichenbacher bis vor einigen Tagen nicht. Im Trainingslager in Belek ließ er sich überzeugen am Morgen präsentiert der Verein seinen neuen Chefcoach der Presse. Vom Co. zum Chef: Kein ungewöhnlicher Vorgang in der Bundesliga. Fünf andere Vereine im Profifußball sahen ebenfalls große Vorteile im bekannten Umfeld, in der Erfahrung mit Nachwuchs Kickern und setzten ihre Assistenz oder Amateurtrainer in den Chefsessel. Und der Blick über den Tellerrand macht Mut!
Reiner Maurer (44) leitet seit dem 16. Dezember letzten Jahres die sportlichen Geschicke von 1860 München. Nach dem Abstieg aus dem Fußball Oberhaus peilten die "Löwen" den direkten Wiederaufstieg an, lösten Wunschkandidat Rudi Bommer extra aus seinem Vertrag mit Wacker Burghausen heraus. Tabellenplatz acht nach einer durchwachsenen Hinrunde war den Verantwortlichen zu wenig, nach der 1:5 Niederlage in Aachen musste Bommer wieder gehen. "Er kennt den Verein, die Strukturen und die Spieler" mit diesen Worten stellte Geschäftsführer Roland Kneißl Maurer als neuen Chefcoach vor. Der hatte zuvor bis zum Saisonbeginn die "Amateur Löwen" trainiert und anschließend Bommer assistiert. In der Rückrunde soll er die Sechziger an die Spitzengruppe heranführen. Petrick Sander (44) beerbte Ende November Energie Cottbus Urgestein Eduard Geyer. Seit 1997 trainierte er die Amateur Mannschaft und in der Lausitz traut man ihm zu, den freien Fall zu stoppen.
Als bei Hertha BSC die Ära Jürgen Röber zu Ende ging, übernahm Falko Götz. Da zur neuen Saison aber bereits Huub Stevens in den Startlöchern stand, durfte Götz nur die Zeit von Februar 2002 bis zum Runden Ende überbrücken. 1997 war der 42 Jährige als Spieler mit den Berlinern in die erste Liga aufgestiegen, als ihn eine Achillessehnenverletzung zum Karriere Ende zwang und er die Amateure übernahm. Als Interims Coach führte Götz die Hertha Profis von Platz sieben in die Champions League Ränge, musste dann seinen Posten räumen. Stevens scheiterte, Hans Meyer beendete seine Trainer Karriere, im Juli 2004 holte die "Alte Dame" Falko Götz mit Kusshand zurück. Zur Winterpause belegt Hertha einen guten sechsten Platz.
Dem abgeschlagenen HSV hauchte im Oktober Thomas Doll (38) Leben ein. Als Claus Toppmöller nach dem schlechtesten Saisonstart der Vereinsgeschichte ging, standen die Hamburger abgeschlagen am Tabellenende. Doll, der vorher die Amateure in der Regionalliga Nord betreute, legte ein sensationelles Debüt hin und führte die Nordlichter zur Winterpause auf Rang neun. Von der zweiten Mannschaft brachte er Talent René Klingbeil mit zu den Profis, schickte den Verteidiger bei seiner Trainer Premiere von Beginn an aufs Feld. Der 23 Jährige absolvierte alle neun Spiele, die Doll bisher auf der Bank Platz nahm ein Beispiel für ausgezeichnete Nachwuchsarbeit.
Paradebeispiel für den Sprung vom Nachwuchs in den Profifußball ist aber unbestritten Thomas Schaaf. Seit 1972 ist das Bremer Urgestein bei Werder, arbeitete sich über B und A Jugend zum Amateur Trainer hinauf. Als nach dem Weggang von Otto Rehhagel Aad de Moos, Dixie Dörner, Wolfgang Sidka und Felix Magath scheiterten, schaute man sich endlich in den eigenen Reihen um und fand Thomas Schaaf. Eigentlich sollte der 43 Jährige nur bis zum Saisonende 1999 bleiben. Dann gewann die Elf unter dem Interims Coach gegen Bayern den DFB Pokal und Schaaf blieb bis heute. In der folgenden Runde führte er die Bremer ins Uefa Cup Viertelfinale, spielte fortan in der Spitzengruppe der Bundesliga mit und krönte seine Arbeit in der zurückliegenden Saison mit dem Meistertitel.











