Stoll: "Natürlich ist der Anspruch gewachsen" / Dick: "Wollen 20 Punkte"

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Es herrscht ausgelassene Stimmung, als sich KSC-Profi Martin Stoll, Armine Florian Dick, KSC-Pressesprecher Jörg Bock und KSC-Redakteur Fabian Herbers zur Telefonkonferenz treffen. Dick ist gerade auf der Arminia-Kinderweihnachtsfeier, Stoll muss sich mit den Hausaufgabenverweigerern aus der Familie auseinandersetzen. Irgendwie kam aber dann doch eine sehr lustige Gesprächsrunde zu Stande. Dick und Stoll über die bisherige Saison, rote Karten in der zweiten Mannschaft und ihre ganz besondere Verbindung.

Martin, vor dem Nürnberg-Spiel haben wir miteinander gesprochen und du hast uns erzählt, dass du Stammspieler bleiben möchtest. Das ist so eingetreten. Bist du vollends zufrieden?
Martin Stoll: Nicht ganz. Dass ich jetzt so spiele und auch meine Leistung bringe, das macht mich schon stolz, aber ich hätte gerne die letzten beiden Spiele gewonnen. Das trübt so ein bisschen unseren aktuellen Aufwärtstrend.

Du sprichst die unglückliche Niederlage gegen Leipzig an. Wie habt ihr das Spiel verarbeitet?
Stoll: Jeder weiß, dass uns die Entschlossenheit vor dem Tor gefehlt hat, das haben wir nochmal angesprochen. Wir wollen daran arbeiten und schon gegen Bielefeld deutlich besser machen. Darauf liegt unser aktueller Fokus.

Florian, das letzte Mal, als wir beide hier das Interview hatten, hast du noch beim 1. FC Kaiserslautern gespielt, das ist über zwei Jahre her. Wie hat sich dein Leben inzwischen verändert?

Florian Dick: Ganz schön viel. Der Vereinswechsel ist im Fußball die größte Veränderung überhaupt. Weil mein Vertrag in Lautern ausgelaufen ist, bin ich in die 3. Liga zu Arminia gewechselt. Sportlich habe ich mich von Anfang an wohl gefühlt, privat genauso. Die Veränderung war natürlich groß, aber mit dem Aufstieg spiele ich ja wieder 2. Liga.

Als Aufsteiger aus der 3. Liga: Wie bist du mit der bisherigen Saison zufrieden?
Dick: Mit der Leistung können wir zufrieden sein, mit der Punkteausbeute nicht. Wir betreiben zu viel Aufwand und spielen oftmals dann nur Unentschieden. Die meisten davon haben wir hergeschenkt, obwohl ein Sieg verdient gewesen wäre. Das zeigt uns, dass wir gut mithalten können in der Liga, aber am Ende zählen eben die Punkte.

Kommen wir zu euch beiden: Ihr kennt Euch aus den alten KSC-Zeiten, Martin ist inzwischen wieder hier. Wie habt ihr die Zeit im Wildpark erlebt?
Dick: Da gibt es so viel zu erzählen. Über allem steht der Aufstieg in die Bundesliga. Da ist ja längst bekannt, dass wir danach ordentlich gefeiert haben. Dann haben wir die Anfangsschritte im Profifußball gemeinsam gemacht. Wir sind beide 2003 in die erste Mannschaft gekommen und waren immer gemeinsam auf dem Zimmer. Das ist mehr als nur eine Fußballerfreundschaft.
Stoll: Es gibt keine Geschichten, die man nicht erzählen darf. Und wenn doch, würde ich es jetzt nicht tun. Ich erinnere mich aber einen witzigen Moment zu Amateurzeiten. Wir hatten ein Spiel in Nöttingen, es war eines der ersten Spiele unter Ede Becker. Flo hat in der zweiten Halbzeit Gelb-Rot gesehen und saß dann am Spielfeldrand. Zehn Minuten später bin ich mit Rot vom Platz geflogen und wusste mir nicht besser zu helfen, als mich zu ihm zu setzen. Wir haben uns dann gegenseitig getröstet.
Dick: Das blieb auch lange meine letzte. Erst vorletzte Saison durfte ich wieder früher duschen, dann aber gleich zwei Mal.
Stoll: Ich habe noch ein Mal Rot gesehen, das war in der Drittligasaison, ausgerechnet gegen Bielefeld.

Dabei verbindet euch beide eine ganz besondere Freundschaft: Martin war der Trauzeuge von Florian. Warum hast du dich für ihn entschieden?

Dick: Er ist einfach mein bester Kumpel. Wir haben uns auch außerhalb des Fußballplatzes immer gut verstanden. Viele wählen den besten Freund aus der Jugendzeit und die habe ich auch noch, aber ich zähle Stolli da einfach dazu und meine Wahl ist auf ihn gefallen.

Macht ihr was beim Wiedersehen?
Dick: Ich glaube, Stolli hat da wenig Zeit zu. Auch wenn ich mich sehr darüber freuen würde.
Stoll: Das ist bei Auswärtsspielen natürlich nicht immer so einfach. Das hängt auch viel mit dem Resultat zusammen. Das Essen ist schon geplant, aber eher zu einem anderen Zeitpunkt.

Florian, könntest du dir vorstellen, nach Karlsruhe in welcher Funktion auch immer zurückzukehren?
Stoll: Natürlich kann er das (lacht).
Dick: Karlsruhe ist meine Heimat und ich will auf jeden Fall hier zurück. Ob ich dann im Fußballgeschäft bleibe, weiß ich noch nicht, da gehört auch ein bisschen Glück dazu. Es ist ja noch ein bisschen Zeit und ich habe kein Karriereende geplant. Ich kann mir aber schon vorstellen, in Karlsruhe mit meiner Familie ein kleines Häuschen zu bauen. Das ist natürlich im Hinterkopf.

Bei Bielefeld ist neben dir, Florian, auch Dennis Mast und Koen van der Biezen im Kader. Wie viel KSC ist bei euch Thema?
Dick: Als die beiden zu uns kamen, haben wir sehr viel darüber geredet, das ist doch klar. Wir konzentrieren uns hauptsächlich auf Arminia, aber gerade vor diesem Spieltag haben wir schon darüber geredet und sind sehr auf das Spiel gespannt.

Martin, der KSC hat jetzt zwei Spiele verloren. Was müsst ihr gegen Bielefeld wieder besser machen?

Stoll: Im Spiel nach vorne, gerade im letzten Drittel vor dem Tor, müssen wir etwas mehr Spritzigkeit an den Tag legen. Das ist bei uns im Moment ein entscheidender Faktor, der Rest funktioniert derzeit sehr gut. Wenn wir das alles zusammenpacken, sind wir in Bielefeld sehr gut aufgestellt.
Dick: Die ähnlichen Probleme haben wir auch.

Nach dem Spiel ist die Vorrunde vorbei. Seid ihr dann zufrieden?
Dick: Wenn wir nach dem Spiel 20 Punkte auf dem Konto haben, bin ich sehr zufrieden.
Stoll: Natürlich ist unser Anspruch in den letzten Jahren gewachsen und mit der Vorrunde können wir nicht zufrieden sein. Wir haben noch ein paar Dinge, wo wir uns verbessern können.

Das Interview führte Fabian Herbers


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