Fanclub Baden-Pfalz im Portrait

Regionale Unterschiede, gemeinsame Leidenschaft!

Club

Auch bei der 68. Auflage des Derbys schwenkt der Fanclub Baden-Pfalz seine ikonische Fahne! Wir haben uns mit dem Fanclub unterhalten und sind der badisch-pfälzischen Fankultur auf den Grund gegangen! 

Fanclub-Fahne Baden-Pfalz

Badener und Pfälzer sind nicht nur durch den Rhein getrennt, sondern auch durch die Farben der favorisierten Fußballmannschaft! Das ungeschriebene Gesetz lautet: Die Badener halten es mit dem blau-weißen Karlsruher SC und die Pfälzer mit dem rot-weißen 1. FC Kaiserslautern. Revierkämpfe, zweideutige Fan-Choreos oder eine aufgeladene Stimmung im Derby prägen die Beziehung zwischen beiden Vereinen. Umso mehr erstaunt es, dass sich beim KSC ein Fanclub gegründet hat, dessen Mitglieder sowohl Badener als auch Pfälzer vereint. Die Rede ist vom KSC-Fanclub Baden-Pfalz, der sich bereits 1993 gegründet hat

Damals schloss sich eine Gruppe aus fünf KSC-Fans zusammen, die gemeinsam im ehemaligen D1-Block des alten Wildparkstadions die Blau-Weißen anfeuerten. Aufgrund der gemeinsamen Leidenschaft für den KSC und den regelmäßigen Treffen alle zwei Wochen im Stadion, organisierte sich die Gruppe nach und nach zum Fanclub. Mit dabei: Rolf Reinbold, Pfälzer und seit seiner Jugend eingefleischter KSC-Fan. Fußball-Anhänger aus zwei verschiedenen Bundesländern gemeinsam in einem Fanclub ist in dieser Form weltweit einmalig, so Reinbold: „Darauf sind wir stolz“, schwärmt der Pfälzer weiter.

Doch in der Anfangszeit musste der Fanclub nicht nur in der Pfalz mit Gegenwind rechnen, auch in Karlsruhe gab es zu Beginn Kommentare der anderen Fans wie „Ihr scheiß Pfälzer“, erinnert sich Reinbold. Das gehört aber längst zur Vergangenheit, mittlerweile ist der Fanclub aus dem KSC-Repertoire nicht mehr wegzudenken. Die bekannte Fahne des Fanclubs zierte nicht nur die alte Gaststätte Germania, sondern wurde auch im DSF gezeigt.

Derbyzeit nicht nur im Stadion

Obwohl der Club mit seiner Gemeinschaft zeigen will, wie gut eine Beziehung zwischen Pfälzern und Badenern funktionieren kann, müssen die Mitglieder auch heute noch mit Vorurteilen aufräumen. Der Alltag in der Pfalz ist für Reinbold & Co. stetig durch kleine Sticheleien gekennzeichnet, die aber nie ausarten, so Marc Haase (Mitglied Baden-Pfalz). „Auf diesem Niveau macht die Rivalität auch einfach Spaß“, so Haase weiter.

Wichtig ist den Mitgliedern, dass die Revierkämpfe auf einer verbalen Ebene ausgetragen und nicht zu ernst genommen werden dürfen. Ein Geben und Nehmen auf beiden Seiten: „Wenn das Derby für den FCK ausging, kriegt man es reingedrückt, wenn es für den KSC ausging, kann man es reindrücken“, heißt es daraufhin vom Fanclub.

Daher zählt das anstehende Derby für den Fanclub auf jeden Fall zu einem der besonderen Spiele im BBBank Wildpark. Für Reinbold ist das Duell gegen den FCK einzigartig, Lokalduelle wie gegen Hoffenheim oder die Rivalität mit den Stuttgartern seien seiner Ansicht nach nicht zu vergleichen mit der Beziehung zu den Roten Teufeln aus Kaiserslautern.

Neben der lokalen Nähe könnte das auch an denkwürdigen Duellen zwischen den beiden Vereinen liegen. Besonders bitter für den KSC war hierbei das Finale des DFB-Pokals 1996 in Berlin, als der KSC 0:1 gegen Kaiserslautern verlor. Für Reinbold einer der schlimmsten Tage seines Lebens, auch für den Fanclub. „Die Regenmassen im Olympiastadion kamen runter und unsere Tränen noch dazu“, erinnert sich der Pfälzer schmerzhaft zurück. Für das kommende Derby erwartet der Fanclub allerdings einen Sieg für die Blau-Weißen.

Leidenschaftliche Erlebnisse auch neben dem Platz

Der Fanclub, der mittlerweile vom Block S2 auf die Nordtribüne gewechselt ist, besteht derzeit aus 18 Mitgliedern, wovon ein Drittel aus der Pfalz kommt und zwei Drittel Badener sind. Die Vielfalt des Fanclubs zeigt sich auch im Alter. Das jüngste Mitglied ist gerade einmal drei Monate alt. Trotz der regionalen Unterschiede und der Altersspanne herrscht ein großer Zusammenhalt in der Gruppe: „Wir sind zwar keine Familie, aber sind trotzdem immer füreinander da“, so Reinbold.

Auch wenn die einzelnen Mitglieder knapp 110 Kilometer weit auseinander wohnen, schweißen Auswärtsfahrten, gemeinsames Grillen oder auch ein traditioneller Neujahrsempfang den Fanclub eng zusammen.

Das Ziel ist klar: samstags 15:30 Uhr

Am kommenden Samstag um 13 Uhr sitzen Reinbold & Co. wieder mit ihrem Fanclub auf der Nordtribüne und unterstützen tatkräftig die Blau-Weißen, doch die Sehnsucht nach einer anderen Anstoßzeit am Samstagmittag bleibt. Gemeinsam mit dem Fanclub ein Bundesligaspiel im Wildpark zu sehen und dann sogar noch einen Sieg bejubeln zu dürfen, wäre für die Mitglieder nochmal ein Highlight.

Haase träumt sogar weiter: „Ganz ehrlich, ich möchte auch irgendwann mal wieder nach Eindhoven, nach Porto, nach Bordeaux oder Salzburg.“ Gegen eine Neuauflage der UEFA-Pokalspiele der 90er-Jahre hätten wohl nicht nur die Mitglieder von Baden-Pfalz nichts einzuwenden.

Aber fangen wir erstmal mit einem Derbysieg an und das mit der Unterstützung eines Fanclubs, der nicht nur über den Rivalitäten zwischen Badenern und Pfälzern steht, sondern beide Rheinseiten durch die Leidenschaft für den KSC vereint.  


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