Raase bezieht Stellung zu Stadion

von Andreas Eisinger

Am Vormittag luden der KSC und Exklusiv-Partner "ascent" die Medienvertreter zur Jahrespressekonferenz ein. Neben sportlichen Aspekten standen die aktuellen Entwicklungen in der Stadionfrage im Mittelpunkt. Präsident Hubert H. Raase gab dazu eine Stellungnahme ab, die wir im Wortlaut veröffentlichen.

"Liebe Medienvertreter, neben dem sportlichen beschäftigt uns – und auch sie – ja schon seit längerer Zeit das Thema ‚Stadionumbau’. Ich möchte an dieser Stelle – wie von vielen erwartet – hierzu Stellung beziehen.

 

Es geht mir dabei nicht darum, jemanden anzugreifen oder zu brüskieren – wir sind nach wie vor an einer Einigung mit der Stadt und an der gemeinsamen Umsetzung des Projekts interessiert. Es ist mir aber ein Anliegen, einmal die Dinge so zu benennen, wie sie sich für uns derzeit darstellen.  

 

Die Ausgangsposition für beide Seiten war der gemeinsam gefällte Beschluss, keine neue Örtlichkeit anzustreben, sondern im Wildpark zu bleiben und dort ein neues Stadion zu bauen. Ein Stadionbau in Eigenregie war für den KSC aber nicht machbar, da sich größere Vermarktungsmöglichkeiten als nicht umsetzbar erwiesen. Aufgrund der Lage in einem Landschaftsschutzgebiet, umgeben von Wald und abseits großer Verkehrswege, ist es nicht möglich, Investoren für das Wildparkstadion zu gewinnen.

 

 

Im November 2006 schien für uns alle eine Lösung in Sicht. Mit einer Miete von 1,75 Millionen und Nebenkosten von 500.000 Euro sah es so aus, als sei ein Konsens gefunden, wie die Zahlungen ab der Saison 2009/2010 – nach erfolgtem Umbau - erfolgen sollten.

 

Dieser Nebenkostenbetrag war uns von der Stadt genannt worden – mit diesem haben wir gerechnet und auf ihm basierte auch das gemachte Angebot von 1,75 Millionen Euro als Miete. Doch nach einer – stadtinternen – Neuberechnung wurden die Nebenkosten von 500.000 auf 1,4 Millionen Euro erhöht.

 

So entstand das, was der Oberbürgermeister als ‚Delta’ bezeichnet – und welches er dem KSC zuordnet. Aus unserer Sicht liegt dieses Finanzierungsdelta nicht in der Verantwortung des KSC.

 

 

Die zusätzlichen 800.000 Euro sind Zahlungen, die den KSC jährlich belasten würden und das über eine Mietvertragsdauer von 25 Jahren hinweg. Das heißt: Unter dem Strich bedeutet dies eine Mehrbelastung von circa 20 Millionen Euro für den KSC.

 

Am 27. Februar 2007 beschloss der Gemeinderat in einer Grundsatzentscheidung  den Umbau des Wildparkstadions.

Wir haben uns am 05. März in einem Brief beim Gemeinderat für den Beschluss zum Umbau bedankt und gleichzeitig dem Oberbürgermeister mitgeteilt, dass diese Mehrbelastung für uns nicht leistbar ist.

 

Am 23. Mai haben wir dann der Stadt drei neue Vorschläge unterbreitet, die wir jeweils nach Zugehörigkeit zur ersten oder zweiten Bundesliga aufgesplittet haben. Dabei haben wir zwei dynamische, an Zuschauereinnahmen orientierte, als auch eine Festmiete angeboten.

 

Die von uns gemachten Vorschläge beziffern sich in der Spitze in der ersten Liga auf 3,525 Millionen Euro, in der zweiten Liga auf 2,5 Millionen Euro. Dies als ‚Nichts’ zu bezeichnen, wie dies der Oberbürgermeister zuletzt getan hat, möchte ich nicht kommentieren.

 

Wir haben in den folgenden siebeneinhalb Wochen – trotz eines Vieraugengesprächs und trotz einer noch einmal wenig später brieflichen Bitte um eine konkrete Stellungnahme zu den Vorschlägen – keine inhaltliche Reaktion erhalten.

 

Am 16. Juli hat der der Oberbürgermeister dann in einer eigenen Pressekonferenz drei neue Vorschläge vorgestellt. Dies tat er nahezu zeitgleich zu einer Pressekonferenz des KSC in unserem Trainingslager – der eine oder andere von Ihnen wird sich erinnern – und ohne dass wir vorab darüber informiert worden wären. Hier, öffentlich im Rahmen einer Pressekonferenz, bekamen wir erstmals eine Antwort auf unsere Vorschläge. Ich zitiere: „Die vom KSC unterbreiteten Vorschläge sind keine geeignete Lösung.“ Warum dies so sei, wurde uns vorenthalten.

 

Wir selbst haben die drei neuen Vorschläge der Stadt Karlsruhe aufgrund der uns vorliegenden Zahlen des Steuerberaters Reiter hinterlegt und geprüft. Im Ergebnis  stellen sich diese wie folgt dar:

–        Vorschlag 1 stellt uns um nochmals zusätzliche 600.000 Euro zum bereits bestehenden Delta von 800.000 Euro schlechter, also insgesamt um 1,4 Millionen Euro.   

–        Vorschlag 2 um nochmals zusätzlich 200.000 zum bestehenden Delta, also insgesamt um 1 Million Euro.  

–        Vorschlag 3 um zusätzlich zum bestehenden ‚Delta’ um 600.000 Euro, also insgesamt um 1,4 Millionen Euro.  

 

Auch die Forderung, das ‚Delta’ über Sponsoren zu generieren, ist nicht umsetzbar. Wir sind beim KSC im Bezug auf Sponsoren sehr gut aufgestellt. Darüber hinaus Investoren zu finden, die diese Lücke abdecken, ist schlicht und ergreifend unrealistisch. Ein Geldgeber erwartet Gegenleistungen, die wir ihm im Landschaftsschutzgebiet Wildpark nicht bieten können. Zudem bitte ich sie, eines in ihre Überlegungen miteinzubeziehen: Um Sicherheit für den Verein zu erzielen, müssten wir einen Vertrag über 25 Jahre – nämlich die Laufzeit des Mietvertrages – abschließen. Ich brauche Ihnen nicht zu sagen, dass dies realitätsfern ist.

 

Darüber hinaus haben wir in den vergangenen Monaten den Eindruck gewinnen müssen, dass uns seitens der Stadtverwaltung unsere – extern geprüften und testierten Zahlen – nicht geglaubt werden. Ebenso ist aus unserer Sichtweise der Gemeinderat in den vergangenen Wochen und Monaten von der Stadtverwaltung Karlsruhe nur unzureichend informiert worden. Dies kann der Sache mit Sicherheit nicht dienlich sein.  

 

Liebe Pressevertreter, der KSC will der Stadt Karlsruhe ein verlässlicher Partner sein, der seine Verpflichtungen erfüllt. Diesen Weg sind wir in der Vergangenheit gegangen und diesen Weg werden wir auch weitergehen. Zusagen, die wir wissentlich nicht einhalten können, wird es von uns nicht geben. Vor diesem Hintergrund können wir auch der Aufforderung der Stadt, einen der drei städtischen Vorschläge wahrzunehmen, nicht nachkommen. Meine Präsidiumskollegen und ich haben eine Verpflichtung und Verantwortung gegenüber dem Verein und unseren Nachfolgepräsidien. In diesem Fall würde ich Gefahr laufen, den Verein so weiterzugeben, wie ich ihn bei meinem Amtsantritt vorgefunden habe. Wir würden die Existenz des Vereins aufs Neue gefährden.

 

Wir sehen den KSC als äußerst bedeutenden Wirtschaftsfaktor und Imageträger der Stadt Karlsruhe. Wir halten vor diesem Hintergrund ein entsprechendes Engagement der Stadt in Höhe von 2 Millionen Euro pro Jahr für angemessen.

 

Der Oberbürgermeister hat in den letzten Tagen häufiger das Bild bemüht: „Der Ball liegt auf Seiten des KSC“. Um in diesem Bild zu bleiben: Wir haben unsere Arbeit auf dem Spielfeld erledigt. Die Stadt muss ihre Vorschläge nun mit konkreten Zahlen hinterlegen. Dies wird in den kommenden Tagen passieren. Darauf haben sich der Oberbürgermeister und ich verständigt."


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