Peitz: "Müssen gegen St. Pauli unseren eigenen Stiefel durchziehen"

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Nach der Verlängerung seines Vertrages am Montag haben wir KSC-Mittelfeldakteur Dominic Peitz zum Interview der Woche getroffen.

Dominic, nach deinem Einsatz in Aalen hat sich dein Vertrag automatisch um ein Jahr verlängert. Wie fühlst du dich?
Ich freue mich natürlich mit der Gewissheit, noch ein Jahr länger hier in Karlsruhe zu bleiben. Wir hatten uns damals viel vorgenommen und bisher sind auch alle Ziele erreicht worden. Ich bin fit, fühle mich sehr gut und wir spielen wieder eine hervorragende Saison.

Hast du im Augenblick deiner Einwechslung daran gedacht?
In der Sekunde nicht. Aber danach schon. Ich wusste, dass nicht mehr viel gefehlt hatte, aber in dem Augenblick war ich fokussiert und wollte noch den Sieg holen.

Wir haben deine Verlängerung bei Facebook gepostet. Sofort haben die Fans geschrieben: „Fußballgott“, „Als Typ unverzichtbar“ und vieles mehr davon. Bekommst du so etwas mit?
Du sagst es mir ja gerade, von daher bekomme ich jetzt mit (lacht). Ich freue mich natürlich über so eine Resonanz. In den sozialen Medien bin ich jetzt nicht so viel unterwegs, aber wenn meine Leistung so honoriert wird, dann fühle ich mich sehr geschmeichelt und es muss so einiges richtig gelaufen sein in den vergangenen drei Jahren.

Du hast beim KSC Höhen und Tiefen miterlebt. Was ist in all der Zeit bei dir hängen geblieben?
Natürlich der Aufstieg. Rund um diesen Tag habe ich viele tolle Erlebnisse gesammelt. Aber auch so gibt es immer mal wieder eine witzige Geschichte in der Kabine, die aber besser da auch bleibt. Bekanntermaßen sind unsere Möglichkeiten beschränkt, stehen trotzdem auf Platz 4, was eine enorme Leistung ist. Das bleibt bei mir hängen.

Das 2:2 in Aalen kann man zweierlei sehen: Einerseits hält die lange Serie ohne Niederlage, andererseits hat der KSC eine zweimalige Führung verspielt. Wie lautet dein Fazit?
Klar hätte ich lieber gewonnen. Ein Sieg hat einfach mehr Wert als drei Unentschieden. Nichtsdestotrotz sind wir auf gutem Wege, unsere Ziele zu erreichen, also besser abzuschneiden als letzte Saison. Jetzt wollen wir natürlich gegen St. Pauli gewinnen.

Das derzeitige Manko bei Heimspielen: Der KSC schießt keine Tore.
Das ist richtig. Aber unsere Stürmer haben jetzt beide getroffen gegen Aalen, von daher bin ich auch für Freitag guter Dinge.

In einem Testspiel letzte Saison hast du fünf Tore gemacht. Ist das die Lösung?
Ich sage mal so: Ich spiele da, wo der Trainer mich aufstellt (lacht). Gegen Bochum hatte ich schon eine gute Chance und im Training suche ich immer wieder den Strafraum auf. Nein, Spaß beiseite, unsere beiden Stürmer machen einen guten Job. Aber wenn wir gewinnen, ist mir völlig egal, wer die Tore macht.

Meistens führen wir das Interview mit Ex-Spielern, bei St. Pauli hast du aber noch nicht gespielt…
Trotzdem habe ich dazu eine kleine Geschichte, die mich sehr geprägt hat: Mein erstes Zweitliga-Spiel war mit Osnabrück bei St. Pauli. Nach 20 Minuten hat der Trainer beim Stand von 0:2, taktisch gewechselt und mich ausgewechselt. Das Spiel ging 2:2 aus. Also optimaler Einstand zum Zweitligadebüt (lacht).

St. Pauli hat am Montag 4:0 Aufstiegsaspirant Düsseldorf abgefertigt. Für dich ein klarer Beweis, dass es in dieser Liga keine einfachen Gegner gibt?
Ja. Wer hätte St. Pauli vor der Saison so eingeschätzt? Es ist oft so, dass bei vermeintlich klaren Spielen die Konzentration fehlt. Daher ist es entscheidend, wie wir gegen St. Pauli auftreten. Spiele wie gegen Lautern, da bedarf es keiner extra Motivation oder ähnliches.

Wie musst du gegen St. Pauli auftreten?
Indem wir unseren eigenen Stiefel durchziehen. Das wird verdammt hart. Keiner kann erwarten, dass wir 4:0 gewinnen, nur weil wir viel weiter vorne in der Tabelle stehen. So einfach geht Fußball nun mal nicht.

Der KSC gilt nicht gerade als heimstark. Dabei hat er in den letzten 16 Monaten gerade mal ein Heimspiel verloren. Sind manche einfach zu pessimistisch?
Ich finde schon, dass zu schnell das Negative gesehen wird. Wir sind vierter, spielen eine tolle Saison und wurden vor ein paar Wochen im eigenen Stadion ausgebuht, weil es nach 20 Minuten noch 0:0 stand. Ich will damit nicht diejenigen kritisieren, die uns jedes Spiel bedingungslos anfeuern, sondern die resignierenden Fans ermutigen, uns auch nach vorne zu peitschen. Wir brauchen das und das kann dann auch mal den Unterschied machen und ein Tor „verursachen“.

Klappt es am Freitag mit dem ersten Heimdreier in 2015?
Wir haben uns die letzten Heimauftritte natürlich auch anders vorgestellt und alles für einen Sieg getan. Aber wir haben keinen Fluch oder sowas. Trotzdem haben wir etwas mehr Euphorie verdient. Ich glaube, dass die KSC-Fans das schon mal bewiesen haben und dann klappt es auch mit dem ersten Heimdreier 2015.

Das Gespräch führte Fabian Herbers


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