Karlsruhe startet mit bitterer Niederlage in Zweitligasaison

(eis) Selten decken sich die Worte zweier Trainer, deren Teams zuvor gegeneinander angetreten waren, so sehr, wie am Montag Abend im Karlsruher Wildparkstadion. Friedhelm Funkel und Stefan Kuntz, ihres Zeichens Übungsleiter bei Erstligaabsteiger 1. FC Köln bzw. dem Karlsruher SC erklärten nahezu im Einvernehmen bei ihrem Team eine solide Abwehrleistung beobachtet zu haben. "Wir haben am heutigen Abend ein von der Taktik geprägtes Spiel gesehen, meine Mannschaft hat ein gutes Defensivspiel an den Tag gelegt", resümiert Köln Coach Funkel und die Worte seines Pendants auf Karlsruher Seite klangen nicht viel anders. "Wir müssen am Offensivspiel arbeiten", fügt Stefan Kuntz noch an.

Traineraussagen dieser Kategorie liegt normalerweise ein eher laues, wenig attraktives Fußballspiel mit viel Abwehrarbeit und wenigen Torraumszenen. Und obwohl dies auch die 20.500 Zuschauer im gut besuchten Stadionrund wohl zu bestätigen wüssten, einer torlosen Partie mussten sie dennoch nicht beiwohnen die Sympathien von Glücksgöttin Fortuna schienen offensichtlich auf Seiten der Müngersdorfer zu ruhen. Mit einem Last Minute Treffer sicherte der eingewechselte Francis Kioyo den Kölnern einen 1:0 (0:0) Erfolg und damit einen Einstand nach Maß im Fußballunterhaus. "Mit dem Ergebnis bin ich natürlich zufrieden, wenngleich ich frank und frei zugeben muss, dass ich mit einem Unentschieden zufrieden gewesen wäre.", räumte auch Gästecoach Funkel achselzuckend ein.

Das Tor des Kameruners Kioyo stellte gleichzeitig die einzig zwingende Torgelegenheit im zweiten Durchgang dar, der dennoch alles andere als ereignisarm einzustufen war. Den Knackpunkt stellte zweifelsohne die 70. Spielminute dar: Nach einem Foul an Thomas Cichon zeigte der wenig souveräne Schiedsrichter Jörg Kessler zuerst Daniel Graf und danach dem hinzugeeilten Aydin Cetin wegen Meckerns die gelbe Karte, im folgenden Gerangel zwischen Cichon und KSC Mittelstürmer Bruno Labbadia verpasste Routinier Labbadia seinem Widersacher einen Kopfstoß. Nach Rücksprache mit seinem Assistenten zückte der Unparteiische den roten Karton und schickte den 36 Jährigen vorzeitig in die Kabine in diesem Falle zu Recht.
Somit war dessen Cheftrainer zu einer weiteren von zahlreichen personellen Umstrukturierungen im Verlauf der Partie gezwungen.

In der Startformation der Blau Weißen waren keine Überraschungen vorzufinden vor Schlussmann Thomas Walter agierte die Viererkette um Torsten Kracht, der zusammen mit Neuzugang Mario Eggimann die Innenverteidigung bildete; Mannschaftskapitän Thijs Waterink bewachte die rechte Defensivseite, links gliederte sich Witold Wawrzyczek als weiterer Neuling ins Team ein. Bernhard Trares hielt im Mittelfeld Flügelflitzer Christian Hassa auf rechts und Gabriel Melkam den Rücken frei, Danny Fuchs ließ sich auf der linken Außenbahn hinter den Sturmspitzen Bruno Labbadia und Daniel Graf zurückfallen.
Das einzige Fragezeichen in der Elf von Gästetrainer Friedhelm Funkel, die Position zwischen den Pfosten, löschte Funkel bereits zu Beginn des Wochenendes aus. Alexander Bade setzte sich im Duell um die Nummer eins gegen seinen Konkurrenten Markus Pröll durch.

Knapp neun Minuten nach dem Anpfiff hatte Daniel Graf nach Freistoßvorbereitung von Standart Spezialist Wawrzyczek per Seitfallzieher die einzige Torchance in Durchgang Eins, FC Schlussmann Bade klärte aber in höchster Not auf der Linie.
In der zwölften Spielminute musste Stefan Kuntz mit Christian Hassa einen von vier Neueinkäufen in der Anfangself austauschen der Ex Fürther erlitt in einem Zweikampf eine Bänderdehnung, Aydin Cetin kam in die Partie. Der 22 jährige Türke mühte sich redlich auf der ihm ungewohnten rechten Außenbahn, blieb aber größtenteils erfolglos. Dies blieb auch Stefan Kuntz nicht verborgen, der Cetin noch in Durchgang eins mit Daniel Graf die Positionen tauschen ließ.
Nach dem Platzverweis gegen Labbadia rückte Graf dann ins Sturmzentrum. "Mir hat es nichts ausgemacht hin und hergeschoben zu werden ich will spielen, egal wo.", erklärte der Ex Offenbacher, der seinem Ruf als Allrounder mehr als gerecht wurde, nach dem Schlusspfiff. Ein Unentschieden sei auf jeden Fall verdient gewesen, fuhr der quirlige Angreifer fort und zeigt sich kämpferisch: "Dann müssen eben Burghausen und Trier dran glauben."
Und obwohl der KSC in Unterzahl eher beflügelt, denn geschwächt wirkte, bis zum Schlusspfiff gab es für die Wildparktruppe nur noch eine Tormöglichkeit: Einen flach und scharf geschossenen Freistoß Witold Wawrzyczeks konnte Alexander Bade nur mit Mühe zum Eckball klären (81.), ehe Francis Kioyo Sekunden vor Spielende den schmeichelhaften Siegtreffer bejubelte.

"Wir haben uns selbst auf die Verliererstraße gebracht", grantelte Stefan Kuntz nach dem Abpfiff, "einem erfahrenen Mann wie Labbadia darf das einfach nicht passieren."

Die Länge der Sperre gegen den Angreifer wird die DFL voraussichtlich am Dienstag bekannt geben, es ist aber nicht unwahrscheinlich, dass Labbadia dem KSC bei den drei anstehenden Auswärtspartien in Folge nicht zur Verfügung stehen wird. Am kommenden Sonntag müssen die Badener bei Wacker Burghausen antreten (15 Uhr), am Freitag darauf führt die Reise nach Trier und eine Woche später muss sich die Wildparktruppe im DFB Pokal gegen die Offenbacher Kickers messen.
Einsatzbereit dürfte sich bis zum Sonntag auf jeden Fall Christian Hassa melden, seine Verletzung sollte er bis dann überwunden haben.


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