"Ich bin immer noch der Junge, der immer lächelt!"
Bereits wenige Stunden nach seiner Vertragsunterschrift verzückte Deniz Ofli die KSC-Fans beim RegioTour-Spiel in Gaggenau mit seiner hohen Laufbereitschaft und seinen präzisen Flanken. Viereinhalb Wochen später steht der Linksverteidiger vor dem Start in seine erste Profi-Saison. ksc.de hat sich mit dem Neuzugang über seine Zeit beim FC Bayern, den Schritt zum KSC, familiären Rückhalt und das Abenteuer 2. Bundesliga unterhalten. Viel Spaß beim Lesen!

ksc.de: Stefano Celozzi, Andreas Görlitz, Ylli Sallahi, David Herold, Paul Scholl. In diesem Jahrhundert gab es schon so einige Verteidiger des FC Bayern, die zu uns in die Fächerstadt wechselten. Seit diesem Sommer gehört auch dein Name mit dazu. Wie kam dein Wechsel zum KSC zustande?
Deniz Ofli: Den Werdegang von David Herold und Paul habe ich im Vorhinein natürlich schon mitbekommen. Vor meinem Wechsel habe ich mich bei dem ein oder anderen über den Club informiert und ausschließlichpositive Dinge gehört. Deswegen war es für mich relativ schnell klar, dass der KSC mein Favorit ist. Ich möchte hier meine ersten Schritte im Profifußball gehen, Erfahrungen sammeln und mich weiterentwickeln. Die Voraussetzungen dafür sehe ich in Karlsruhe absolut gegeben.
ksc.de: Der KSC ist für dich die erste Station außerhalb deiner Münchener Heimat. Wie nimmst du diese persönliche Veränderung wahr?
Deniz Ofli: Als Kind wollte ich wie bestimmt so einige gerne mal alleine leben und meine Freiheiten haben. Jetzt muss ich aber sagen, dass ich meine Familie und das überragende Essen meiner Mama schon vermisse. Das gehört zum Profileben dazu und ich gewöhne mich schnell an die neue Situation. Ich kann mich gut um mich selbst kümmern und wenn es dann vielleicht doch mal einsam oder langweilig wird, unternehme ich etwas mit meinen Freunden.
Zoom-Meeting mit Signalwirkung
ksc.de: Mit zwölf Jahren kamst du vom TSV 1860 München in die Jugendakademie des deutschen Rekordmeisters. Wie verlief von dort an dein Weg zum Fußballprofi?
Deniz Ofli: Meine Anfangszeit bei Bayern war für mich sehr herausfordernd. Nicht nur sportlich, auch persönlich musste ich damals noch viel dazulernen. Ich habe mich zunächst schwergetan und sehr wenig gespielt. Beinahe wäre die Zeit auf dem Bayern-Campus auch schon nach der U14 vorbei gewesen…
ksc.de: Dennoch hast du bis zur U23 noch alle Jugendmannschaften an der Säbener Straße durchlaufen.
Deniz Ofli: In einem Zoom-Meeting wurde mir damals verkündet, dass es für mich eng wird und ich wohl nicht in die U15 übernommen werden würde. Ich war am Boden zerstört. Seitdem ich denken kann, war es mein großer Traum Fußballprofi zu werden und plötzlich soll das alles vorbei sein? Doch dann kam Corona und damit verbunden der Lockdown. Ich habe diese Zeit für mich genutzt, indem ich enorm an mir gearbeitet habe. Auf dem Platz, aber auch mental wurde ich stärker und habe es mir so erarbeitet, auch in der darauffolgenden Saison bei Bayern zuspielen. Egal wie schwer eine Situation erscheint, du darfst den Kopf nicht hängen lassen. In solchen Zeiten hilft es, weiterzuarbeiten und dranzubleiben. Das habe ich in dieser Phase für mein Leben gelernt.
ksc.de: Vom Beinahe-Rauswurf hast du dich bis zu den Bayern-Profis hochgearbeitet. Wie fühlt es sich an, als junger Spieler plötzlich mit Harry Kane, Michael Olise und Co. auf dem Trainingsplatz zu stehen?
Deniz Ofli: Unglaublich, völlig surreal! Bei solchen Weltklasse-Spielern hat es für mich am Anfang gewirkt, als wäre es eine andere Sportart. Sobald aber der Ball rollt, bin ich wie in einem Tunnel und fokussiere mich auf meine Aktionen. Dann ist mir auch egal, wer vor mir steht.
Erst COD, dann FCB
ksc.de: Die Belohnung für deine Arbeit folgte bald darauf. Drei Tage vor Heiligabend 2025 standest du erstmals im Bundesliga-Kader des Rekordmeisters. Wie hast du von deiner Nominierung erfahren?
Deniz Ofli: Puh… Wo soll ich da anfangen? [lacht] Es war die letzte Woche vor der Winterpause und ich war im Profitraining dabei. Am Wochenende hatte ich frei, denn die U23 war bereits in der Pause. Wie es der Zufall wollte, waren meine Eltern nicht zuhause und das neue Call of Duty-Videospiel wurde frisch veröffentlicht. Darum lud ich meinen Bruder und Freunde zu einer LAN-Party ein, wir haben den ganzen Tag gezockt. Entsprechend müde war ich am nächsten Tag und habe das Türklingeln und die Anrufe um 7:00 Uhr morgens noch gar nicht so richtig wahrgenommen (lacht). Doch plötzlich hörte ich, wie mein Bruder die Treppen hinuntersprintete und unsere Nachbarin vor der Tür stand. Ganz aufgeregt forderte sie meinen Bruder auf, mich zu wecken. Da war ich sofort hellwach!
ksc.de: Was hat deine Nachbarin damit zu tun, dass du im Bayern-Kader gelandet bist?
Deniz Ofli: Seit dem frühen Morgen hat eine Mitarbeiterin des FC Bayern, die sich um die Jugendspieler kümmert, versucht mich zu erreichen. Da ich aber noch nicht wach war, versuchte sie es im Anschluss bei meiner Mama. Diese war jedoch in der Türkei, weshalb sie direkt unsere Nachbarin angerufen hat, damit sie rübergeht und mir die Nachricht von der Nominierung mitteilt.
ksc.de: Als junges Talent beim FC Bayern liegt ohnehin schon ein großes mediales Interesse. In deinem Fall interessieren sich aber nicht nur die deutschen, sondern auch die leidenschaftlichen türkischen Fußballfans für deine Person. Dein Instagram-Post von Anfang des Jahres hat mehr als20.000 Likes und mehr als200 Kommentare, unter denen sich zahlreiche türkische Fans befinden, die dich zu ihren Lieblingsclubs locken wollen. Wie nimmst du diese erhöhte Aufmerksamkeit rund um deine Person wahr?
Deniz Ofli: Grundsätzlich ist es natürlich schön, wenn sich Leute für michinteressieren. Am Ende des Tages ist das aber nur Social Media, das weiß ich schon einzuschätzen. Allerdings kam es auch schon zu Fake News in türkischen Medien, die zu Kommentaren und Privatnachrichten geführt haben. So hat ein türkisches Sportportal geschrieben, dass mir Fenerbahçe ein Angebot unterbreitet hätte, dasmeine Eltern jedoch abgelehnt hätten, da sie aus Trabzon stammen. In Wahrheit gab es aber weder ein Angebot, noch kommen meine Eltern aus Trabzon. [lacht]
„Ich habe eine riesige Vorfreude!“
ksc.de: Ein paar Tage vor deinem 19. Geburtstag ereignete sich der wohl bisher größte Moment deiner jungen Karriere. Du wurdest im Champions League-Heimspiel gegen Atalanta Bergamo in der 56. Minute eingewechselt. Wie hast du diesen Tag erlebt?
Deniz Ofli: Wenn ich daran zurückdenke, bekomme ich direkt wieder Gänsehaut! Ich habe den ganzen Tag schon ein bisschen darauf spekuliert, dass ich vielleicht reinkommen könnte. Dass ich dann so früh eingewechselt werde und es direkt so gut läuft, hätte ich mir aber nicht erträumen können.
ksc.de: Mit deiner ersten Aktion hast du einen Treffer eingeleitet.
Deniz Ofli: Es war fast schon absurd. Diese Szene habe ich mir nach dem Spiel locker 100-mal angesehen, meine Familie hatte Freudentränen. Das war ein unvergesslicher Tag! Genauso sehr, wie sich alle für mich gefreut haben, haben sie aber auch darauf geachtet, dass ich auf dem Boden bleibe. Am Ende des Tages bin ich immer noch der Junge aus München-Daglfing, der immer lächelt und Spaß am Fußball hat.
ksc.de: Dein erstes Spiel in deiner neuen badischen Heimat war zwar nicht in der UEFA Champions League, aber mit der Partie gegen Inter schon ein guter Vorgeschmack auf die anstehende Saison und die Fans im BBBank Wildpark. Mit welchem Gefühl blickst du auf den Zweitligastart?
Deniz Ofli: Ich habe eine riesige Vorfreude auf die Liga! Wir spielen jede Woche gegen starke Gegner und vor großartigen Fans, vor allem Zuhause. Das gibt mir die Überzeugung, dass wir als Mannschaft in jedes Spiel mit 110 % reingehen werden, alles reinhauen, um am Ende drei Punkte einzufahren.












