Lilian Egloff im Interview

"Gesund bleiben, Spaß haben und es einfach genießen"

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Nach langer Leidenszeit mit Verletzungen und Rückschlägen hat sich Lilian Egloff in den vergangenen Wochen wieder zurückgekämpft. Im Interview spricht der Mittelfeldspieler ganz offen über seine Gefühle und Gedanken zur Verletzung, Vertragsverlängerung und aktuellen Vorbereitung.

An den 20. März dieses Jahres denkt Lilian Egloff nur ungern zurück. Es war der Tag, als sich der Mittelfeldspieler des Karlsruher SC binnen kürzester Zeit zum dritten Mal verletzte und wieder mehrere Wochen und Monate verletzungsbedingt ausfiel. Exakt 115 Tage später sitzt der 23-Jährige im Essensraum des Teamhotels im Trainingslager in Österreich und spricht erstmals ganz offen und ehrlich über die Erlebnisse aus den vergangenen Monaten. Außerdem richtet der Offensivakteur seinen Blick nach vorne und schildert seinen ersten Eindruck der laufenden Vorbereitung mit dem neuen Cheftrainer Maximilian Senft auf die kommende Saison, in der der Rechtsfuß endlich wieder voll angreifen möchte.

KSC.de: Li, seit Samstag sind wir im Trainingslager in Österreich. Die ersten Einheiten im Fitness-Zelt und auf dem Platz liegen hinter uns. Wie ist dein erster Eindruck von den Gegebenheiten hier vor Ort?

Lilian Egloff: Ich kenne das Hotel aus dem vergangenen Jahr bereits. Wir haben hier super Bedingungen und werden bestens versorgt. Die Wege zum Trainingsplatz sind sehr kurz. Das Wetter und die Atmosphäre mit Blick auf die Berge sind schon sehr schön. Das ist für den Kopf einfach immer eine willkommene Abwechslung. Die ersten Einheiten waren sehr intensiv, da ging es richtig zur Sache. Wir haben hier aber perfekte Möglichkeiten, um zwischen den Einheiten ideal zu regenerieren. Das ist wichtig und nutzen wir entsprechend.

Auch abseits des Platzes habt ihr viele Meetings und Gespräche. Wie läuft die Zusammenarbeit mit dem neuen Trainerteam?

Das ist insgesamt schon viel, aber genau dafür ist man als Mannschaft im Trainingslager. Hier sind wir eine Woche lang jeden Tag 24 Stunden zusammen. Hier haben wir viel Zeit für Meetings und Gespräche. Die Inhalte und Abläufe sind gut getaktet. Jeder weiß, woran er ist. Es geht darum, dass wir die neuen Jungs schnell gut kennenlernen und als Mannschaft zusammenwachsen. Grundsätzlich wollen wir die neuen Abläufe, Inhalte und Struktur des Trainerteams bestmöglich verinnerlichen. Dafür ist ein Trainingslager der perfekte Zeitpunkt. Wir wollen die Zeit hier als Mannschaft mit dem neuen Trainerteam bestmöglich für uns nutzen. Denn spätestens am ersten Spieltag wollen wir auf dem Platz alle die gleiche Sprache sprechen und an einem Strang ziehen – deshalb machen wir die Videoanalysen und die Meetings, damit wir alle die Inhalte in unsere Köpfe kriegen und erfolgreich umsetzen können.

Blicken wir auf dich persönlich. Nach deiner langen Verletzung konntest du dein Programm in den vergangenen Wochen immer weiter steigern und absolvierst hier in Österreich Teile des Teamtrainings. Wie geht’s dir und wie fühlst du dich?

Danke der Nachfrage. Ich fühle mich top. Wie erwähnt, steigern wir immer mehr die Belastung und ich komme immer näher an die Trainingstage, an denen ich endlich wieder 100 Prozent geben kann. Da müssen wir aktuell noch ein wenig aufpassen, einfach als Vorsichtsmaßnahme und nicht, weil ich Schmerzen habe. Wenn wir weiterhin im Plan bleiben können und es genauso verläuft wie bisher, ist mein Ziel, dass ich am ersten Spieltag wieder dabei sein kann. Das ist mein Ziel. Toi, toi, toi (klopf dreimal auf den Tisch).

Li Egloff im Training mit Co-Trainer Emmanuel Faloba.

Nimm uns mal ein wenig mit: Wie schwer waren die vergangenen Monate für dich? Welche Gedanken hattest du?

(atmet tief durch) Das war schon richtig hart für mich. Da kämpfe ich mich nach zwei Verletzungen zweimal mit harter Arbeit wieder zurück und dann kommt in Fürth so eine Situation, die eigentlich gar nichts mehr mit der alten Verletzung zu tun hat. Da bin ich richtig unglücklich im Rasen hängengeblieben. Nach der Auswechslung saß ich erstmal alleine in der Kabine und da sind mir eine Million Sachen durch den Kopf gegangen. Ich hatte so viel Wut, Trauer und Fassungslosigkeit in mir. Ich habe mich gefragt, warum wieder ich? Die ersten Tage nach der Verletzung waren richtig schlimm für mich. Da war ich richtig abwesend vom Kopf her. In der Phase habe ich sehr viel nachgedacht und mit meiner Familie und meinen Freuden gesprochen. Die haben mir ganz viel Rückhalt und Kraft gegeben. Nach einer Woche voller Trauer ging der Blick dann aber langsam wieder nach vorne. Als die Reha angefangen hat, habe ich meine Gedanken darauf fokussiert, dass ich die Zeit jetzt wieder nutzen kann, um noch stärker zurückzukommen. So gesehen hatte die Verletzung ab dieser Phase auch etwas Positives, weil ich in der Zeit daran arbeiten konnte, noch besser zu werden.

Aus jedem negativen Ereignis nimmt man für sich persönlich etwas mit. Was hast du aus dieser Zeit gelernt?

Wenn man sich mehrmals in kürzester Zeit verletzt und Rückschläge verkraften muss, härtet das einen ab, vor allem im Kopf. Auch wenn es trotzdem ein neuer Nackenschlag ist, weiß man, damit besser umzugehen, weil man seinen Körper immer ein Stück besser kennenlernt. Ich bin ein junger Spieler und kann noch ganz viel lernen. Gerade im Umgang mit Verletzungen und negativen Erlebnissen habe ich in der jüngeren Vergangenheit viel gelernt. Insgesamt bin ich aus dieser Zeit mental stärker zurückgekommen.

Zwischendurch gab es aber auch einen sehr positiven Moment. Beim letzten Heimspiel der vergangenen Saison gegen den VfL Bochum haben wir nach Abpfiff deine Vertragsverlängerung bekanntgegeben. Was hat den Ausschlag für deinen Verbleib gegeben? Zwischendurch war auch was von angeblichen Wechselgerüchten zu hören.

Wenn ich ehrlich bin, habe ich nie über einen Wechsel nachgedacht. Gerüchte gibt es immer wieder, gerade wenn man als Spieler eine gute Phase hat. Vor meinen Verletzungen hatte ich eine solche Phase. Und genau da habe ich auch gemerkt, wie geil Fußball sein kann, wenn man den Rückhalt der eigenen Fans spürt. Der KSC ist ein geiler Club mit fantastischen Fans. Wenn am Wochenende 33.000 Zuschauer im Wildpark deinen Namen brüllen, gibt es einfach nichts Besseres. Auch während meiner Verletzung habe ich immer die Unterstützung vom Club und den Fans gespürt. Zudem verstehe ich mich einfach richtig gut mit den Jungs. Wir haben einen super Zusammenhalt in der Mannschaft. Das waren die Hauptgründe für meine Verlängerung und deswegen gab es auch gar keinen Grund, mich mit etwas anderem zu beschäftigen.

Das hören wir sehr gerne. Blicken wir zum Abschluss auf die neue Saison: Mit welchen Gedanken und Ambitionen schaust du ganz persönlich auf die kommende Saison?

Da gibt es von mir erstmal nur eine Antwort: Gesund bleiben, Spaß haben und es einfach genießen, wieder aus dem Platz zu stehen. Über alles andere mache ich mir keine Gedanken. Wenn am Ende des Tages wieder 33.000 Fans meinen Namen schreien, weil ich ein Tor geschossen habe, weiß ich, ich bin endlich wieder da!


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