Rosarot und gute Unterhaltung: Wie Marketing den HSV zum Erfolg führte
Der Ball rollt schon wieder beim KSC! Nach dem Heimspiel am Montagabend, reisen die Blau-Weißen nun in die Hafenstadt zum Hamburger SV für das Nachholspiel des 30. Spieltages. Bei "Gegner im Detail" werfen wir einen Blick auf die erfolgreichste Zeit des HSV und klären dabei die Frage, wieso die Rothosen in Trikots mit außergewöhnlicher Farbgebung aufliefen.

Mutiges Marketing
Bei den Präsidentschaftswahlen im November 1973, bestimmten die HSV-Mitglieder Dr. Peter Krohn mit großem Abstand zum neuen Präsidenten des Vereins. Der Sohn von Ex-HSV-Spieler Hans Krohn setzte sich als festes Ziel, die Hamburger während seiner Amtszeit bekannter zu machen und als Top-Mannschaft zu etablieren. Bei der Umsetzung dieser Vorhaben erwies sich der ehemalige Zeitungsredakteur als Pionier im Fußballgeschäft, indem er sehr außergewöhnliche Marketing-Maßnahmen anwendete.
Um mehr weibliche Zuschauer ins Stadion zu locken, ließ Krohn seine Mannschaft Mitte der 1970er Jahre in babyblauem und rosarotem Gewand auflaufen. Die Farbwahl begründete Krohn damit, dass „diese Farben Frauen gefallen“. Doch auch die Trainingseinheiten wurden öffentlichkeitswirksamer gestaltet. Krohn engagierte zum Beispiel eine bayerische Blaskapelle oder den Kabarettisten Mike Krüger, um während den Einheiten für zusätzliche Unterhaltung zu sorgen. Zu diesen „Showtrainings“ pilgerten mehrere Tausend Schaulustige nach Altona. Dass die Mannschaft des HSV zu dieser Zeit von der Presse spöttisch als „Zirkus Krohn“ bezeichnet wurde, kommt daher nicht von ungefähr. Nicht zuletzt auch, weil Ritte auf tatsächlichen Elefanten aus der Manege mitunter zum Programm gehörten, während sich die Bundesliga-Mannschaft auf kommende Partien vorbereitete.
Krohns kuriose Aktionen erwiesen sich für die Hamburger als voller Erfolg. Die Zuschauerzahlen verdoppelten sich im Vergleich zu der Zeit vor seinem Amtsantritt auf über 30.000. Weitere Einnahmen konnte man beispielsweise durch die von Krohn initiierte Kampagne „Fans kaufen Spieler“ generieren. Der finanziell angeschlagene Club erhob einen freiwilligen Ticketzuschlag in Höhe von einer Mark für Stehplätze, beziehungsweise zwei Mark für Sitzplätze. Die daraus entstehenden Mehreinnahmen flossen in Transfergeschäfte zur Stärkung des Kaders. Außerdem schloss er einen Werbedeal mit einem Spirituosenhersteller ab, der den HSV nach Eintracht Braunschweig zur zweiten Bundesliga-Mannschaft mit Trikotsponsoring machte.
Sportlicher Aufschwung
Die Maßnahmen von Krohn zahlten sich für die Hansestädter aus, so dass sie über das notwendige Geld verfügten, um sich für einen Großangriff an die Spitze des Fußballs zu wappnen. Horst Bertl und Willi Reimann von den Bundesliga-Konkurrenten Dortmund und Hannover waren als zwei der wichtigsten Neuzugänge maßgeblich an der erfolgreichen Zeit ab 1975 beteiligt. Die bekannteste und wohl auch geschichtsträchtigste Verpflichtung von Krohn, der ab der Mitte des Jahrzehnts den Posten des Generalmanagers übernahm, war wohl der internationale Superstar Kevin Keegan vom FC Liverpool.
Der exzentrische Charakter Krohns sorgte zwar immer wieder für Spannungen, zwischen Trainer Kuno Klötzer und ihm, der sportliche Erfolg gab dem Präsidenten aber Recht. So war es nicht unüblich, dass sich Krohn nach Niederlagen negativ zur Taktik des Trainers äußerte. Mit dem DFB-Pokalsieg 1976 und dem Triumph im Europapokal der Pokalsieger 1977, der heutigen Euro League, hat sich Dr. Peter Krohn auf ewig in den Geschichtsbüchern der Hamburger verewigt. Sein Engagement im Verein endete zwar im Jahr des europäischen Erfolges, trotzdem war er es, der denn Grundstein für vier weitere Titel in den darauffolgenden sechs Jahren legte. Mindestens genauso bedeutsam sind aus heutiger Sicht wohl die revolutionären Ideen Krohns, die dem Fußballgeschäft eine neue Dimension eröffneten.
Dr. Peter Krohn verstarb am 1. April dieses Jahres im Alter von 89 Jahren.
HSV heute
Unser kommender Gegner aus dem hohen Norden, der vergangene Saison noch in einem rosa Auswärtstrikot spielte, steckt noch mitten im Aufstiegsrennen. Aufgrund einer aktuellen Schwächephase, mit nur zwei Punkten aus den letzten vier Partien, werden die Rothosen alles daran setzen morgen um 18:30 Uhr gegen den KSC den Heim-Dreier einzufahren. Allerdings haben Christian Eichner und seine Mannschaft da noch ein Wörtchen mitzureden. Bleibt abzuwarten wer sich im Volksparkstadion durchsetzen und den Sieg im Endspurt der Zweitligasaison sichern kann.











