Niederlage gegen Kleeblätter sorgt für Frust im Karlsruher Lager

(eis) Minuten nach Spielende knallte Abwehrspieler Thomas Kies die Kabinentüre zu und stampfte, die Zornesröte im Gesicht, zum Auslaufen. Lorenz Günther Köstner kam ihm fluchend entgegen und reagierte sich ebenfalls an der Tür zu den Katakomben ab. Der Frust saß nach der 1:2 Heimniederlage gegen Rot Weiß Oberhausen tief in den Reihen des KSC. Kurze Zeit später hatte sich zumindest Trainer Köstner wieder gefasst: "Wie gegen Nürnberg waren es wenige Minuten und individuelle Fehler, die uns das Genick gebrochen haben", versuchte der 51 Jährige seinen Ärger in Worte zu fassen.

Wie schon bei der Saisonpremiere gegen Bundesligaabsteiger Nürnberg waren die Blauweißen in den 90 Minuten zuvor einem 0:2 Rückstand hinterhergelaufen, hatten 45 Minuten lang unermüdlich gekämpft und waren trotz zahlreicher hochkarätiger Chancen nicht für ihren Einsatz belohnt worden. Am Ende steht der Wildparktruppe nun zwar eine bärenstarke zweite Halbzeit, dafür aber nicht einmal ein Zähler zu Buche. "An der körperlichen Verfassung der Jungs liegt das nicht", stellt Chefcoach Köstner klar. "Das hat man ja in Durchgang zwei gesehen. Das ist eine Sache der Einstellung und Schlafmützigkeit wird immer bestraft!"

Vor dem Anpfiff um 19 Uhr schien noch alles in Butter, die Temperaturen sanken auf ein erträgliches Maß und statt der von Manager Dohmen erwarteten 12.000 strömten gar 14.500 Zuschauer ins weite Stadionrund, die den KSC auf dem Weg zum ersten Saisonheimsieg unterstützen wollten. Für die Besucher gab es Verpflegungsstände, wohin das Auge reichte, der "Caterer" entschuldigte sich mit gesenkten Preisen und einem stark erweiterten Aufgebot rund ums Stadion.
Auf dem grünen Rasen musste Lorenz Günther Köstner nach wie vor auf den verletzten Michael Zepek verzichten, viel mehr schmerzte den Trainer jedoch der Ausfall des Doppeltorschützen von Osnabrück, Ivan Saenko. Für den gelb rot gesperrten Russen kam Aydin Cetin neu ins Team, ansonsten begannen die Karlsruher mit derselben offensiven Grundausrichtung wie in den zurückliegenden beiden Partien.

Den besseren Start erwischten die Kleeblätter, bereits nach neun Minuten musste KSC Torwart Martin Fischer hinter sich greifen: Leandro Simioni hatte geflankt und Fischer, Martin Stoll, sowie Milorad Popovic schauten erstaunt zu, wie Mittelfeldmotor Boyko Velichkov die Kugel in aller Ruhe annahm und ins Tor bugsierte. Auch nach dem frühen Rückstand fanden die Hausherren nicht so recht ins Spiel, erst nach 22 Minuten traten die Karlsruher erstmals in der Oberhausener Hälfte in Erscheinung. Nach einem schönen Konter legte Ralf Becker auf den heranstürmenden "Abdul" Ouakili, der schoss jedoch in die Wolken. Statt weiterer Karlsruher Offensivbemühungen folgte ein weiterer Treffer für Rot Weiß Oberhausen, Adrian Aliaj verwandelte den Abpraller nach einem Eckstoß direkt zum 0:2 (29.). Noch vor dem Pausenpfiff von Schiedsrichter Edgar Steinborn war Lorenz Günther Köstner zur ersten Umstellung gezwungen Milorad Popovic musste mit einer Knieverletzung das Feld verlassen, für ihn kam der 18 jährige Florian Dick zu seinem ersten Profi Einsatz.

"In der Pause hat uns der Trainer wachgerüttelt und uns klargemacht, dass wir jetzt nichts mehr zu verlieren hatten", schilderte Martin Stoll nach Spielende kleinlaut und gab damit Grund zur Annahme, dass bereits nach 45 Minuten in der blauweißen Kabine so richtig die Fetzen flogen. Die Pausenansprache schien zu fruchten, nach Wiederanpfiff legte der KSC los wie die Feuerwehr. Köstner ging auf volles Risiko, brachte Christian Hassa und Amateur Ralf Schmitt für Becker und den schwachen Cetin und schöpfte damit sein Wechselkontingent voll aus. Von nun an überschlugen sich im Karlsruher Wildpark die Ereignisse:
Ouakili flankte auf Schmitt, der nicht an den Ball kam, Dick blieb mit einem Distanzschuss hängen, den Abpraller konnte Ouakili nicht verwerten (46.). Nur zwei Minuten später schlug jedoch der Routinier im Team zu. An der Strafraumgrenze angespielt, wuchtete Bernhard Trares die Kugel per Dropkick in den Winkel und nährte die Hoffnung im Lager der Badener. Trares, der nun unermüdlich ackerte und ein ums andere Mal vor Oliver Adlers Kasten auftauchte, hatte wiederum acht Minuten später aus ähnlicher Situation die erneute Chance einzunetzen. Dieses Mal streckte sich RWO Keeper Adler und konnte dann auch noch vor dem heraneilenden Marco Engelhardt retten. In der Folgezeit traf Conor Casey nach einem schnellen Gegenzug völlig freistehend nur die Oberkante der Latte (58.), einen abgefälschten Schuss Ouakilis lenkte Oliver Adler nach einer gespielten Stunde mit einem sehenswerten Reflex über seinen Kasten. In der 65. Minute musste zwar Martin Stoll für den geschlagenen Martin Fischer auf der Linie retten, doch schon kurz darauf brannte es wieder lichterloh im Oberhausener Strafraum. Erneut hatte "Oldie" Trares die Riesengelegenheit, versuchte sein Glück mit einem Schlenzer, fand aber erneut in Adler seinen Meister (69.). Gleich zwei Torgelegenheiten boten sich im Folgenden Ouakili: Zuerst scheiterte der Marokkaner nach einer Flanke von Trares (71.) und zu guter letzt warf sich Oliver Adler nach einem scharf hereingezogenen Freistoß Engelhardt vor Ouakili und konnte den Ball unter sich begraben.

"Der Knackpunkt für die Niederlage war das lauffaule Mittelfeld", analysierte Lorenz Günther Köstner nach dem Schluspfiff und meinte damit nur die erste Halbzeit. "Nach der Pause haben wir gut gespielt und werden dafür auch sicher wieder gelobt werden, kaufen können wir uns davon aber leider nichts." Zwar könne man froh sein, dass man nicht über einen Oberhausener Gegenzug die Hoffnung schon früh habe aufgeben müssen, trotzdem schmerze solch eine Niederlage sehr. "Im zweiten Durchgang haben wir über den Kampf ins Spiel gefunden. Vor dem Spiel habe ich gesagt, dass wir den technisch versierten Gegner nicht ins Spiel kommen lassen dürfen. Aber nein, meine Spieler wollten selbst die Zaubermäuse sein und haben sich damit ins eigene Bein geschossen."

Eine Woche hat Lorenz Günther Köstner nun Zeit mit seinen Schützlingen die Partie aufzuarbeiten. "Morgen und übermorgen bekommt die Mannschaft trotzdem erstmal frei, sie musste in letzter Zeit genug in der Hitze schuften", gönnt der Trainer seinen Mannen erstmal eine Auszeit. Am kommenden Freitag dann gastiert der KSC beim LR Ahlen. Und wenn bei Ex Trainer Stefan Kuntz mehr als eine ansehnliche zweite Halbzeit herausspringen soll, muss es Köstner in der kommenden Woche gelingen, die "Zaubermäuse" ganz aus den Köpfen seiner Spieler zu verbannen.


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