Martin Fischer sichert wichtigen Heimsieg
(eis) Als seine Mannschaftskameraden schon in die Umkleidekabine gegangen waren, stand einer noch immer auf dem Rasen, ließ sich von den Anhängern bejubeln und zelebrierte vor prall gefülltem Fanblock alleine die La Ola Welle. Innerhalb von 90 Minuten avancierte Martin Fischer vom Notnagel zum Matchwinner und genoss das Bad in der Menge nach getaner Arbeit sichtlich. Trotz der Verletzungen beider Profi Torhüter musste der 34 Jährige Fischer in den beiden zurückliegenden Partien ins zweite Glied rücken, Lorenz Günther Köstner entschied sich für Fischers Amateur Kollegen Christian Adam. Als nun aber auch dieser wegen einer Wundinfektion passen musste, schlug für Martin Fischer in seinem ersten Zweitligaspiel von Beginn an die große Stunde.
"Er war einfach sensationell, mehr braucht man dazu gar nicht zu sagen", lobte Mittelstürmer Bruno Labbadia die Leistung des Ersatzmannes in den höchsten Tönen. "Das hat er heute ganz toll gemacht", pflichtete der verletzte Stammkeeper Thomas Walter bei und auch Lorenz Günther Köstner hatte für den Mann zwischen den Pfosten ein Sonderlob übrig.
Welchen Stellenwert die Leistung Martin Fischers beim 1:0 (1:0) Heimsieg des KSC gegen Tabellenschlusslicht Eintracht Braunschweig hatte, stand außer Frage. Besonders in Halbzeit zwei war es ein ums andere Mal Fischer, der die knappe Führung in höchster Not verteidigte. So, als er einen abgefälschten Distanzschuss mit letzter Kraft über die Latte lenkte (59.) oder, als er sich nur 120 Sekunden später in den Schuss des völlig frei stehenden Markus Küppers warf. Ambitionen, auch nach der Rückkehr von Christian Adam zwischen den Pfosten zu stehen, hat der 34 Jährige aber auch nach der Partie nicht: "Der Sieg heute war enorm wichtig, wir müssen die Klasse halten, da ist es egal, wer zwischen den Pfosten steht." Und schließlich stecken auch die KSC Amateure mitten im Abstiegskampf und sind auf die Unterstützung eines guten Schlussmannes angewiesen.
"Wir haben heute schlechter gespielt, als in den vergangenen Heimspielen. Aber wir haben gewonnen und damit bin ich in der jetzigen Situation natürlich sehr zufrieden", fasste Cheftrainer Lorenz Günther Köstner den glücklichen, aber nicht unverdienten Heimsieg der Blauweißen gegen die Braunschweiger nach dem Schlusspfiff zusammen. Nach einer Zitterpartie hatte es in den ersten Minuten des Spiels gar nicht ausgesehen: Ivan Saenko hatte die Gastgeber vor 8.700 Zuschauern im Wildpark per Abstauber in Führung gebracht (7.) und das schien die Wildparkelf zu beflügeln: Abderrahim Ouakili zusammen mit Thijs Waterink für Jezek und Rothenbach neu ins Team gekommen und Melkam hatten nach Kontern kurz große Möglichkeiten nachzusetzen (9., 10.), beide zielten aber zu ungenau. Doch das war dann auch alles, was der KSC an Offensivpower aufbieten konnte, die Braunschweiger fanden langsam ins Spiel. "Meine Mannschaft hat in der ersten halben Stunde offensichtlich nicht begriffen, um was es hier geht. Dann haben wir versucht den Gegner unter Druck zu setzen, was uns dann das gesamte Spiel über gelungen ist." Braunschweig Trainer Uwe Reinders zeigte sich unzufrieden mit der Leistung seiner Elf, diese sei in den Augen des Coachs schlicht nicht in der Lage ein konzentriertes Angriffsspiel aufzuziehen. Zwingende Torchancen arbeiteten sich die Gäste zunächst aber nicht heraus. Einzig bei einem Schuss vom sträflich frei an der Strafraumgrenze stehenden Guido Gorges musste sich Torwart Fischer strecken (16.). Kurz vor dem Seitenwechsel brachte Abwehrroutinier Torsten Kracht Karsten Hutwelker als letzter Mann im Karlsruher Strafraum von den Beinen, die Pfeife von Schiedsrichter Jürgen Aust blieb aber Stumm. "Aus meiner Sicht war es ein klarer Strafstoß", äußerte Reinders nach Spielende seinen Unmut über die Entscheidung des Unparteiischen.
In Durchgang zwei bot sich den Anhängern der Badener ein gewohntes Bild: Die Elf von Lorenz Günther Köstner ließ sich über weite Strecken in die eigene Hälfte drängen und erarbeitete sich nur selten Entlastungsangriffe. Spätestens als Abderrahim Ouakili in der 74. Minute nach wiederholtem Foulspiel vorzeitig in die Kabine musste, wollte KSC Trainer Köstner die knappe 1:0 Führung über die Zeit retten und brachte nach Carsten Rothenbach mit Marco Grimm für Labbadia einen weiteren Verteidiger ins Spiel. Acht Minuten vor Spielende hatte Clemens Fritz die große Gelegenheit den Sack zuzumachen, nach einem schönen Alleingang verfehlte sein Flachschuss das Braunschweiger Gehäuse nur um Zentimeter. So hieß es für die KSC Fans noch weitere acht bange Minuten zu überstehen, ehe Jürgen Aust zum Schlusspfiff ansetzte und den zweiten Heimsieg der Karlsruher im Jahr 2003 besiegelte.
"Besonders wichtig war, dass wir heute einmal zu null gespielt haben, trotzdem hätten wir natürlich nachlegen müssen", erklärte KSC Verteidiger Mario Eggimann nach dem Spiel und ergänzte: "Jedes Spiel ist für uns ab jetzt ein Endspiel und so werden wir die ausstehenden Partien auch angehen." In der Tabelle konnte der den Abstand zum rettenden Platz 14 auf zwei Zähler verkürzen. Einziger Wehrmutstropfen des Tages war der Sieg von Union Berlin bei Wacker Burghausen. In zwei Wochen muss die Wildparkelf in der Bundeshauptstadt antreten, ein Sieg ist Pflicht, damit sich die Berliner nicht vorzeitig aus dem Kampf um den Klassenverbleib verabschieden können.
Stimmen zum Spiel:
Lorenz Günther Köstner (Trainer Karlsruher SC)
Uwe Reinders (Trainer Eintracht Braunschweig)
Thomas Walter
Bruno Labbadia
Mario Eggimann









