KSC weiter auf dem Vormarsch: Aufstiegsplatz nach über vier Jahren

(eis) Am 16. Mai 1999 kletterte der KSC nach einem 2:1 Erfolg über die SG Wattenscheid vier Spieltage vor dem Saisonende auf Platz drei der Zweitligatabelle. Das bittere Ende ist bekannt: Die Badener scheiterten im Rennen um die Aufstiegsränge, ein Jahr später folgte der bittere Gang in den Amateurfußball. Seit dem Wiederaufstieg dümpelte die Mannschaft im Mittelfeld oder dem unteren Drittel der Tabelle herum und entkam zuletzt zwei Mal in Folge knapp dem erneuten Abstieg. Nach dem gestrigen Heimerfolg gegen den VfB Lübeck positionierten sich die Karlsruher erstmals nach viereinhalb Jahren in den Aufstiegsrängen der Spielklasse. Dementsprechend lautstark bejubelten die 11.300 Zuschauer im Wildpark den 1:0 (1:0) Erfolg ihres Teams.

"Ich habe überhaupt keine Lust, jetzt jede Woche auf die Tabelle zu schauen man braucht sich doch nur die Punktzahlen anzuschauen", trat Lorenz Günther Köstner in gewohnt launischer Art schon wenige Minuten nach dem Schlusspfiff kräftig in die Euphoriebremse. Das freilich nicht völlig unbegründet: Nicht weniger als fünf Mannschaften sitzen den Blauweißen (20 Punkte) mit 19 Zählern im Nacken. Tabellenplatz der ist zumindest derzeit nicht mehr als eine schöne Momentaufnahme mit wenig Aussagekraft. "Aber es sieht schön aus, oder?", freute sich Marco Engelhardt dennoch, mindestens die zwei Wochen bis zum nächsten Spiel auf einem Spitzenplatz verbringen zu dürfen. "Wir standen in der Defensive stabil, haben wieder zu Null gespielt, haben ein Tor erzielt und hatten auch das nötige Glück", resümierte der Mannschaftskapitän eine rundum gelungene Mannschaftsleistung am Sonntagnachmittag.

Nach dem ersten absolvierten Drittel der Spielzeit lässt sich den Minimalisten der Liga durchaus ein positives Zwischenzeugnis ausstellen. Eines ist bereits jetzt klar: Das Prunkstück der jungen Mannschaft ist die Hintermannschaft. Nur fünf Teams der Liga erzielten bislang weniger Treffer als der KSC, sie finden sich in den Rängen 13 bis 18 wieder. Auch gegen Lübeck hielt das "Bollwerk" um Torwart Martin Fischer, Thomas Kies, Mario Eggimann, Michael Zepek, Florian Dick und Martin Stoll, der vor der Abwehr Ferydoon Zandi komplett ausschaltete, dicht. Wer nun glaubt, die erfolgreiche Hintermannschaft würde einer mauen Angriffsarbeit gegenüberstehen, irrt gewaltig: Die drei Bestnoten des Nachmittags erarbeiten sich nämlich Offensivakteure. Christian Hassa und Jan Männer brachten über die rechte Außenbahn ein ums andere Mal Gefahr in den Lübecker Strafraum und Angreifer Conor Casey absolvierte sein bislang wohl bestes Spiel im Trikot der Wildparkelf.


Nach einer guten halben Stunde erzielte der US Amerikaner auf Zuspiel von Sturmkollege Ivan Saenko das Tor des Tages weitere Treffer hätten aber auf beiden Seiten folgen können und müssen. Vor dem Pausenpfiff glitt Fischer ein Freistoß von Holger Hasse durch die Finger und klatschte an die Querlatte (42.), nach einer knappen Stunde verfehlte Lübeck Kapitän Jens Scharping das KSC Tor um Zentimeter. Die Chance zur Vorentscheidung ließ sich im direkten Gegenzug Jan Männer entgehen, der nach Vorlage von Casey völlig frei stehend am leeren Kasten vorbeischob und deshalb nach dem Spiel trotz hervorragender Leistung etwas angefressen gen Kabine trottete.

Dass die zu Beginn haushoch überlegenen Karlsruher vorübergehend den Faden zu verlieren schienen und die Gäste gefährlich vor Martin Fischer auftauchen konnte, mochte auch Marco Engelhardt nicht bestreiten: "Wir haben in der ersten halben Stunde ein enormes Tempo vorgelegt, dem mussten wir dann wohl Tribut zollen." In der Tat war nicht zu übersehen, dass sich der ein oder andere des jungen Mannschaft gerade einmal 23 Jahre betrug der Altersdurchschnitt, nachdem mit Trares und Ouakili zwei "Oldies" verletzt zuschauen mussten mit der Krafteinteilung ein wenig übernahm. Aber mit einer tollen Mannschaftsleistung überstanden die Youngsters den kurzen Durchhänger ohne Folgen, wie auch Engelhardt zu berichten wusste.

Während nach dem Spiel Gästetrainer Dieter Hecking wütend durch das Treppenhaus der Geschäftsstelle stapfte, erzähle Torschütze Casey gelassen und bescheiden vom tollen Gefühl, auch einmal in den Aufstiegsrängen zu stehen. Mehr als die halbe Miete zum Klassenerhalt ist die derzeitige Tabellenkonstellation jedoch auch für den 22 Jährigen nicht. "Es wartet noch ein hartes Stück Arbeit auf uns und jetzt müssen wir uns optimal auf den nächsten Gegner einstellen", erinnerten die Aussagen des Angreifers doch sehr an die Worte seines Trainers. Doch dann ließ sich der US Boy doch noch ein Schmunzeln entlocken: "Aber jetzt stehen wir erst einmal auf Platz drei und natürlich haben wir vor jedem Spiel das Ziel, es zu gewinnen." Im Presseraum angekommen gratulierte Lübeck Coach Hecking artig seinem Gegenüber und beschränkte sich auf ein kurzes Statement zur Leistung seiner Elf: "Wenn wir nur 45 Minuten lang Fußball spielen, brauchen wir nicht zu erwarten, hier etwas mitzunehmen. Leider hat meine Mannschaft erst alles versucht, als es schon zu spät war."

Vor der kommenden Auswärtsaufgabe in Unterhaching steht erneut eine zweiwöchige Länderspielpause an. Und obwohl die Mannschaft heiß zu sein scheint, ihren Lauf fortzusetzen, sieht zumindest Conor Casey der Unterbrechung gelassen entgegen: "Es ist auch schön, ein spielfreies Wochenende zu haben. Wir werden unsere Serie auch danach fortsetzen können." Zur Belohnung für den dritten Sieg in Folge gönnte Lorenz Günther Köstner seinen Mannen erst einmal zwei freie Tage.


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