KSC legt Bilanz vor: Mayer sieht Trendwende
Am Donnerstag präsentierte der KSC seinen Mitgliedern bei der Hauptversammlung einen Jahresüberschuss von 626.000 Euro. Auch seine Schulden konnte der Club im letzten Jahr senken. Die Mitglieder wählten Verwaltungs und Vereinsrat neu.
Von Andreas Eisinger
Der Karlsruher SC konnte seine Bankschulden im zurückliegenden Geschäftsjahr um knapp 44 Prozent senken. Am Donnerstagabend präsentierten Vorstand und Verwaltungsrat den Mitgliedern bei der turnusmäßigen Hauptversammlung in der Neureuter Badnerlandhalle die Zahlen aus 2003/2004. "Wir haben in der vergangenen Saison mehrere Altverbindlichkeiten getilgt", betonte Präsident Hubert H. Raase den Rückgang der Bankschulden von viereinhalb auf gut zweieinhalb Millionen Euro. Die Gesamtverbindlichkeiten des Badischen Traditionsvereins belaufen sich demnach auf 7,2 Millionen. Knapp zehn waren es noch im letzten Jahr.
"Die Einhaltung des genehmigten Haushaltsplans war für uns die Zielvorgabe", erklärte das Vereinsoberhaupt die Prioritäten bei der Finanzplanung. Obwohl besonders die Werbeeinnahmen die Vorgaben nicht erfüllen konnten, glichen die Blauweißen in anderen Positionen aus. In der Gewinn und Verlustrechnung ergibt sich somit ein Jahresüberschuss von 626.000 Euro. Raase zeigte sich zufrieden: "Es ist uns gelungen, den geplanten Gewinn nahezu vollständig zu realisieren."
In der Bilanz kann der KSC ein Minuskapital von 4,3 Millionen Euro ausweisen. Noch in der vergangenen Saison konnte der Verein nur knapp unter fünf Millionen bleiben. "Im Vergleich zu den Vorjahren zeigt das eindeutig eine Trendwende an", freute sich Peter Mayer. "Grund zur Euphorie besteht aber nicht", mahnte der Verwaltungsratsvorsitzende. Das Entgegenkommen der Stadt bei Stadionmiete und Anzeigetafel, die Hilfe von Banken und Michael Kölmel hätten zum Ergebnis beigetragen. Im nächsten Jahr seien Hilfen in dieser Form nicht zu erwarten. "Der Verein ist noch nicht über den Berg", brachte Mayer die Lage des gebeutelten Fußball Zweitligisten auf den Punkt.
Auf die wirtschaftlichen Aktivitäten im Wildpark wirft auch die Deutsche Fußball Liga (DFL) ihr wachsames Auge. Bei der Lizenzierung für die laufende Saison bedachte sie den KSC erneut mit Auflagen. Zum Abschluss des ersten Geschäftshalbjahres dürfen die Badener ihr Kapital nicht über ein Minus von 4,874 Millionen Euro hinaus verschlechtern. Im letzten Jahr mussten Raase und Co. zur Erfüllung händeringend 600.000 Euro auftreiben. "Bei Einhaltung der Planzahlen werden wir die Kapitalauflage der DFL zum Jahresende erfüllen können", zeigte sich Hubert Raase am Donnerstag sichtlich entspannter.
Die finanzielle Gratwanderung wird weiter andauern. Das Aufdecken weiterer Sparpotenziale wird aber immer schwerer. In zwei Jahren senkte der Verein auf eisernem Sparkurs beispielsweise die Lizenzspielerkosten von 6,1 auf 4,2 Millionen Euro, wie Sport Manager Rolf Dohmen vorrechnete. "Dabei liegt der Liga Durchschnitt bei fast 8,3 Millionen." Angesichts dieser Schwierigkeiten unterstrichen Dohmen, Raase und Mayer die Bedeutung des DFB Pokals als "Geldsegen schlechthin" (Raase). Im Achtelfinale tritt das Profi Team am 9. November in Bielefeld an und schwemmt 480.000 Euro Zusatzeinnahmen in die Vereinskasse. "Die Antrittsprämie verdoppelt sich mit jeder Runde", hofft Peter Mayer auf ein Weiterkommen. Ein Appell, der direkt ankam. Team und Trainer hatten ebenfalls in der Badnerlandhalle Platz genommen.
Mayer darf voraussichtlich weiter als Verwaltungsratsvorsitzender auf sportliche Erfolge hoffen. Mit 224 Stimmen wählten die 276 anwesenden Mitglieder den Banker erneut ins Kontrollgremium. Ebenso Bernd Bechtold (221), Lüppo Cramer (196), Matthias Gärtner (190) und Hartmut Gieringer (176). Dr. Peter Vest, der mit 227 die meisten Stimmen der Mitglieder erhielt, und Ex Vize Präsident Rolf Hauer und ersetzen die ausgeschiedenen Friedrich Georg Hoepfner und Helmut Leyerle. Bei den Neuwahlen des Vereinsrats gelang Guiseppe Lepore, Homayoun Saffar und Christian Schlenker der Sprung ins Gremium. Dieter Gläser, Martin Holler, Helmut Kadelke, Uli Lange und der Vorsitzende Jens Kahlert ließen sich von den Mitgliedern wiederwählen. Bei der Wahl zum Ehrenrat folgte die Mitgliederversammlung dem Wahlvorschlag des Präsidiums: Jürgen Faßbender, Heinz Fütterer, Ullrich Heynig, Bernd Matz, Heinrich Maul, Günther Rüssel und Gerhard Seiler sollen in den kommenden drei Jahren Streitigkeiten im Verein schlichten. Für seine besonderen Verdienste für den Verein ehrte Präsident Raase Heinz Birkle (Abteilungsleiter Boxen) mit dem Ehrenring des KSC, einer Sonderanfertigung des Karlsruher Juwelier Kamphues.
Nach der Entlastung von Präsidium (eine Enthaltung) und Verwaltungsrat (eine Gegenstimme, drei Enthaltungen) setzte die Versammlung selbige für das ehemalige Präsidium um Detlef Dietrich erneut aus: Grund dafür ist das Bestreben des KSC, von der Versicherung doch noch Schadenersatz zu erhalten. Diese lehnt die Zahlung zwar weiterhin ab, Hubert H. Raase will aber hartnäckig bleiben. Zusammen mit Peter Mayer bat er um eine neuerliche Aussetzung der noch ausstehenden Entlastung für das Geschäftsjahr 2001/2002.









