KSC entführt Punkt von Spitzenreiter

(eis) Zwei Minuten fehlten dem Karlsruher SC am Montagabend zur großen Überraschung. Mit einer überzeugenden Leistung hatte sich die Wildparkelf dem neuen Tabellenführer Mainz 05 eine Halbzeit lang entgegengestemmt, später gar den Führungstreffer erzielt und musste in der 88. Spielminute doch den bitteren Ausgleich hinnehmen. Dementsprechend enttäuscht trotteten die Akteure nach dem Schlusspfiff von Schiedsrichter Helmut Fleischer in die Kabine. KSC Präsident Hubert Raase folgte ihnen wenige Minuten später und versuchte, das junge Team wieder aufzumuntern.

"Vor dem Spiel wäre ich mit einem Punkt sehr zufrieden gewesen", resümierte Raase, der sich am heutigen Abend bei der Hauptversammlung des Sportclubs zur Wiederwahl stellen wird. "Bei diesem Spielverlauf kann ich die Enttäuschung der Spieler nachvollziehen, dennoch können wir auch mit dem Unentschieden zufrieden nach Hause fahren." Mittelfeldspieler Abderrahim Ouakili sah das nach dem Auftritt an alter Wirkungsstätte völlig anders: "Wenn man kurz vor Schluss den Ausgleichstreffer kassiert, sind das zwei verlorene Punkte. Wir haben das Spiel kontrolliert und wollten auf jeden Fall gewinnen."

Vor dem Anpfiff biss Ouakili kräftig auf die Zähne und lief, seinen Leistenproblemen zum Trotz, in der Startelf auf. Auch Schlussmann Martin Fischer war rechtzeitig wieder fit geworden und konnte seinen angestammten Posten im Kasten der Karlsruher einnehmen. Einzig auf Mittelstürmer Conor Casey, der mit einer Knieverletzung im Badischen blieb, musste Lorenz Günther Köstner verzichten. Für den US Amerikaner lief neben Ivan Saenko erstmals in dieser Saison Aydin Cetin als zweite Spitze auf. Für den formschwachen Milorad Popovic kam der 18 jährige Florian Dick ins Team, der in der Abwehr und auf der linken Außenbahn Akzente setzte und sich zum besten KSC Akteur des Abends mauserte.

In einer von der Taktik geprägten ersten Halbzeit gelang es keiner der beiden Mannschaften, sich Feldvorteile zu erarbeiten. Marco Engelhardt verfehlte gleich zu Beginn das FSV Tor knapp (3.) und scheiterte eine halbe Stunde später mit einer Volleyabnahme. In der Zwischenzeit hatte der Mannschaftskapitän in höchster Not gegen Benjamin Auer geklärt (17.), wenige Minuten später hatte Keeper Fischer dem ehemaligen KSC Stürmer den Ball vom Fuß genommen (26.). In der Schlussminute des ersten Durchgangs war es Michael Thurk, der frei vor Fischer wenige Zentimeter am Pfosten vorbeischoss. Die ausgeglichene erste Halbzeit bot den Gastgebern eigentlich keinen Grund, mit "vollen Hosen" aufs Spielfeld zurückzukehren mit einer Toilettenpapierchoreographie zum Wiederanpfiff schienen die Mainzer Anhänger aber genau dieses zu antizipieren. Bereits wenige Minuten später war den Fans der Rotweißen ihre gute Stimmung erst einmal verhagelt, Grund zum Jubel hatten die rund 800 mitgereisten Schlachtenbummler der Gäste. Ivan Saenko erkämpfte sich den Ball an der gegnerischen Grundlinie zurück, passte in die Mitte und Marco Walker lenkte die Kugel unhaltbar für Dimo Wache ins eigene Tor. Nur drei Minuten später ließ sich Aydin Cetin die Chance zur Vorentscheidung entgehen und scheiterte nach einem Konter an FSV Torwart Wache. In der Schlussphase warfen die Hausherren alles nach vorne, das Team von Lorenz Günther Köstner wollte den knappen Vorsprung über die Zeit retten. Zwei Minuten vor dem Ende überwand Thurk aus 16 Metern Martin Fischer und stellte den leistungsgerechten Endstand her.

"Ich bin erfreut über die gute Leistung meiner Mannschaft", zollte Lorenz Günther Köstner nach dem Spiel dem unermüdlichen Einsatz seiner Mannen Respekt. "Den einen Punkt haben wir uns redlich verdient, aber natürlich hätten wir lieber drei gehabt." Sein Gegenüber Jürgen Klopp sah das genauso: "Vor dem Spiel wollte ich einen Sieg, jetzt aber bin ich mit dem Unentschieden zufrieden. Wir haben gegen eine starke Mannschaft kurz vor Ende den Ausgleich geschossen, deshalb haben wir einen Punkt gewonnen."

Den Mainzern reichte die Punkteteilung zum Sprung an die Tabellenspitze, mit acht Zählern und dem bessern Torverhältnis überholten die Gäste Rot Weiß Oberhausen und konnten die Abstiegsränge verlassen. Am Freitagabend bekommt es der KSC erneut mit einem "harten Brocken" zu tun: Um 19 Uhr gastiert Erstligaabsteiger Energie Cottbus im Wildpark und Präsident Hubert Raase erhofft sich, dass mit einer Leistung wie in Mainz sogar der erste Heimsieg der Spielzeit eingefahren werden kann.


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