Becker und Co. vertreiben Abstiegsgespenst

Das große Zittern am letzten Spieltag bleibt in diesem Jahr aus. In Duisburg hat sich der KSC den Klassenverbleib vorzeitig gesichert und danach ausgelassen gefeiert. 4:1 gewann das junge Team gegen die bereits aufgestiegenen Meidericher.

Von Andreas Eisinger
Zeugwart Hüseyin Cayoglu hat lange gezögert: Als Sean Dundee 12 Minuten vor dem Ende auf 1:3 erhöhte, waren die Duisburger am Boden und dem KSC der Klassenverbleib eigentlich nicht mehr zu nehmen. Cayoglu wartete trotzdem, bis Danny Schwarz auch noch das 4:1 erzielte; dann griff er in die Box hinter sich und zog sich ein weißes T Shirt über. "Abstiegsgespenst" stand drauf, von einem Fußballer aus dem Stadion geschossen. Beim Abpfiff wich die Anspannung großer Erleichterung, einen Spieltag vor dem Ende haben die Karlsruher beim 4:1 (2:0) Erfolg über Aufsteiger MSV Duisburg den Klassenerhalt unter Dach und Fach gebracht.

Die Tore von Sebastian Freis, Sean Dundee und Danny Schwarz sorgten dafür, dass Mannschaft, Verantwortlichen und Fans ein Herzschlagfinale wie in den zurückliegenden Jahren erspart bleibt. Nach verhaltenem Beginn gelang den Badenern die etwas glückliche Führung anschließend ließen sie sich von den wütend anrennenden Gastgebern die Butter nicht mehr vom Brot nehmen. "Wir haben an unsere Chance hier geglaubt, weil wir dachten, die würden vielleicht keine 100 Prozent geben", meinte der angeschlagene Kai Oswald nach dem Spiel. Mit dieser Einschätzung sollten er und seine Mannschaftskollegen aber daneben liegen: Die "Zebras" durften sich schon vor einer Woche über den Aufstieg freuen, die Spieler waren mit blau weiß gestreiften Haaren noch von den Feierlichkeiten gezeichnet. Dennoch wollten sie sich vor fast ausverkaufter MSV Arena mit einem Sieg von den heimischen Fans verabschieden.

Die größte Chance vergab die Mannschaft von Norbert Meier, als sich Abdelaziz Ahanfouf und Markus Kurth den Ball nach einem Fehler von Mario Eggimann hin und herspielten, Markus Miller aber einschreiten konnte. Nach einem Stellungsfehler wusste sich drei Minuten später der junge Alexander Meyer gegen Sean Dundee kurz vor dem Tor nicht mehr anders zu helfen und griff zu dessen Trikot: Schiedsrichter Matthias Anklam blieb keine andere Wahl, er zückte Rot und brachte MSV wie Heimfans gegen sich auf. Ihr überharter Einsatz brachte den Duisburgern sechs gelbe Karten ein, der KSC ließ sich davon nicht beeindrucken. Zwar musste später erneut Keeper Miller retten (20.), wenig später sorgte Youngster Sebastian Freis aber für Selbstvertrauen: Mit einem Drehschuss brachte der Angreifer die Wildpark Elf in Führung (26.), Holger Wehlage erhöhte per Eigentor auf 0:2 (35.).

"Wir sind nicht gut ins Spiel gekommen", unterbrach Cheftrainer Edmund Becker seine Freude über den Klassenverbleib für eine kritische Spielanalyse. "Der Platzverweis hat Duisburg weiter angestachelt; es war schwer, dieser aggressiven Spielweise Stand zu halten. Über die gesamte Spielzeit hinweg war die rote Karte aber ein Vorteil für uns." Verteidiger Martin Stoll sah den Knackpunkt im Führungstreffer von "Basti" Freis: "Danach fiel es uns leichter, das Spiel zu kontrollieren, zur Halbzeit haben wir verdient mit 2:0 geführt."

Nach dem Seitenwechsel aber bäumten sich die Hausherren noch mal auf, Markus Kurth köpfte knapp am Kasten vorbei (52.). Nach einer knappen Stunde stolperte Jan Männer den Ball auf Vorlage von Freis ins Tor, stand aber im Abseits es blieb bei der Duisburger Feldüberlegenheit. Die belegte der MSV mit dem Anschlusstreffer, Josef Ivanovic bestrafte Millers Stellungsfehler mit dem 1:2. Der Stadionsprecher hatte den Torschützen noch gar nicht vermeldet, da jubelte schon wieder Sean Dundee: Nach einem tollen Angriff vom eingewechselten Ioannis Masmanidis brauchte das "Tor Krokodil" nur noch einzuschieben. Den Schlusspunkt setzte Danny Schwarz, der den Ball in der Schlussminute aus der Distanz in den Winkel hämmerte und den Duisburgern die Aufstiegsfeier endgültig versalzte.

Ede Beckers Team war das egal: Vor dem prall gefüllten KSC Block skandiert es die La Ola Welle und machte sich im Anschluss auf eine feucht fröhliche Rückfahrt. Im Clubhaus im Wildpark und in der Cantina Majolika feierten Mannschaft und Fans noch bis spät in die Nacht. Bevor die Saison zu Ende ist, steht am kommenden Sonntag aber noch das Heimspiel gegen Energie Cottbus an. Für den KSC geht es um nichts mehr, die Lausitzer schweben aber noch immer in Abstiegsgefahr. Für einen fairen Abstiegskampf fordert Manager Dohmen deshalb von der jungen Mannschaft 90 Minuten Vollgas: "Vor allem wollen wir uns aber versöhnlich von unseren Anhängern verabschieden und schon Werbung für die nächste Saison machen". Auf die freut sich auch "Crocodile Dundee": "Die letzten drei Wochen haben einfach Spaß gemacht wir müssen nächste Saison daran anknüpfen und wenn wir einen guten Start erwischen, ist alles drin!"


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