Yabo: "Ich bin bis aufs Mark erschüttert worden"

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Zwei Jahre lang schnürte Reinhold Yabo seine Kickschuhe für den KSC, bevor es ihn im Sommer 2015 nach Salzburg zog. Während seiner Zeit in der Fächerstadt bewies der Mittelfeldspieler seine Fähigkeiten nicht nur auf dem Rasen – für die GfK-Fraktion saß er ein Jahr lang als Stadtrat im Karlsruher Gemeinderat. Nun ist der 24-Jährige, zumindest vorübergehend, zurück in Deutschland und trifft am Sonntag in Diensten der Arminia auf die einstigen KSC-Kameraden. Wir haben mit „Ray“, wie Freunde und Bekannte ihn nennen, über seine Zeit in Karlsruhe, seine schwere Knieverletzung und die Rückkehr in den Wildpark gesprochen.

Reinhold, warum hat es dich nach anderthalb Jahren in Salzburg nun nach Ostwestfalen verschlagen?
Weil die Verantwortlichen bei der Arminia von Anfang an ganz klar und deutlich signalisiert haben, dass der Wechsel für beide Seiten eine Win-Win-Situation ist. Das Interesse der Verantwortlichen war in jedem Gespräch erkennbar. Mein oberstes Ziel ist, jetzt einfach wieder Spielpraxis zu sammeln. Diese Chance sehe ich hier in Bielefeld. Hinzu kommt die örtliche Nähe zur Heimat – Köln ist nicht weit entfernt. Das alles waren Faktoren, die mich von diesem Schritt überzeugt haben.

Du bist vorläufig bis Saisonende ausgeliehen. Ist ein Engagement bei der Arminia über den Sommer hinaus vorstellbar?
Aktuell geht es mir in erster Linie darum, so viel Spielpraxis wie möglich zu sammeln und der Arminia im Kampf und den Klassenerhalt eine Stütze zu sein. An alles andere verschwinde ich zurzeit überhaupt keine Gedanken. Wie es über den Sommer hinaus weitergehen wird, wird man dann sehen.

Deine Zeit in Salzburg war geprägt von einer langwierigen Knieverletzung. Du hast fast anderthalb Jahre auf dein Debüt warten müssen. Wie hast du diese Zeit erlebt?

Ich würde sagen: Es war Fluch und Segen zugleich. Ersteres vor allem aufgrund der Verletzungsmisere, die hartnäckig und langwierig war. Auf der anderen Seite haben die Ärzte mittlerweile feststellen können, woran es tatsächlich gelegen hat. Die medizinische Abteilung in Salzburg ist einfach top. Ich bin heilfroh, dass ich mit solch einer tückischen Verletzung dort in guten Händen war. Natürlich hätte ich gerne öfter gespielt, aber es hat einfach nicht sollen sein. Dennoch hatte ich in Salzburg eine gute Zeit.

Wie ist es dir gelungen, die Verletzungszeit mental zu überstehen?

Es war die mit Abstand herausforderndste Zeit meiner sportlichen Laufbahn. Ich bin bis aufs Mark erschüttert und herausgefordert worden. Es gab Phasen, in denen mir einfach nur zum Heulen zumute war. Zum Glück hatte ich Menschen um mich herum, auf deren Unterstützung ich während dieser schweren Zeit zählen konnte. Vor allem meine Familie, insbesondere meine wunderbare Frau, die mir jederzeit Rückhalt gegeben hat. Aber auch der Verein, der mir immer das Gefühl vermittelt hat, aufgehoben zu sein. Auch von den Mannschaftskollegen habe ich eine Unterstützung erfahren, die enorm gutgetan hat.

Du bist ein sehr gläubiger Mensch. War der Glaube für dich auch eine Stütze?

Ich bin ganz offen und ehrlich, wenn ich sage, dass auch mein Glaube während dieser Zeit erschüttert worden ist, weil man dann viele Dinge einfach nicht versteht und sich fragt, warum sie einem widerfahren. Anderseits gehört das zum Leben dazu. Es geschehen oft Situationen, die man nicht vorhersehen kann. Dann geht es einfach darum, damit klarzukommen. Ich denke, dass ich an dieser Situation auch charakterlich gereift bin.

Weitaus schöner hast du sicherlich deine Zeit in Karlsruhe in Erinnerung. Wie würdest du diese im Rückblick beschreiben?

Die Zeit in Karlsruhe war einfach super. Ich hatte sportlich wie menschlich eine wunderbare Zeit. Ich kann kein negatives Wort über meine Zeit dort verlieren können. Der einzige Wermutstropfen war vielleicht der Abgang, auf den einige Fans mit Unverständnis reagiert haben. Ansonsten war es insgesamt eine fantastische Zeit. Ob der Verein, die Mannschaft oder auch das Umfeld, dass ich dort mit dem CZK (Christliches Zentrum Karlsruhe, Anm. d. Red.) hatte – die Zeit in Karlsruhe war einfach super.

Deinen Wechsel nach Salzburg haben Teile der KSC-Fans nicht verstehen können. Wie hast du die Reaktionen der Fans wahrgenommen?

Ich war darauf vorbereitet. Mir war im Vorfeld klar, dass der Wechsel gewisse Reaktionen auslösen würde. Es ist nun mal so, dass Fans oft mit Herz und Seele dabei sind und viele Hintergründe und Begebenheiten, die bei einem Wechsel eine Rolle spielen, einfach nicht kennen. Dass man dann als Fan emotional reagiert – dafür habe ich vollstes Verständnis. Wenn man dann bestimmte Aussagen liest, ist das zwar schade, aber ich kann es nachvollziehen. Ich möchte an dieser Stelle aber auch erwähnen, dass es viele KSC-Fans gab, die nach meinem Wechsel positive und unterstützende Worte mich für parat hatten.

Am Sonntag kommt es zur Rückkehr in den Wildpark. Was glaubst du – wie werden die Fans im Stadion dich empfangen?

Ich gehe davon aus, dass mich ein Pfeifkonzert erwartet. Darauf bin ich eingestellt. Das ist in diesem Sport nun mal so, daher ist das für mich auch keine große Sache. Ich weiß damit umzugehen.

Du warst in Karlsruhe nicht nur am Ball aktiv, sondern hast auch Lokalpolitik betrieben im Gemeinderat und dort unter anderem die Diskussionen um das neue Stadion miterlebt. Im November wurden die Verträge unterschrieben. Wie hast du darauf reagiert?

Für den Verein ist das eine super Sache. Ich habe das Ganze ja von einer anderen Ebene aus mitverfolgen können. Deshalb freut es mich, dass es mit dem neuen Stadion letztendlich geklappt hat.

Du hast die Geschehnisse rund um den KSC also auch in Salzburg verfolgt?

Selbstverständlich. Allein schon aufgrund der Spieler, mit denen ich während der gemeinsamen Zeit im Wildpark eine engere Beziehung aufgebaut habe, habe ich den KSC stets verfolgt. Enrico Valentini hat mir auch sofort geschrieben, als mein Wechsel nach Bielefeld klar war.

Der KSC startet mit einem neuen Cheftrainer in die Rückrunde. Seit der Verpflichtung von Mirko Slomka herrscht im Wildpark eine gewisse Aufbruchstimmung. Macht das den KSC für euch zu einem noch gefährlicheren Gegner?

Ein Trainierwechsel bringt immer frischen Wind. Die Spieler sind motiviert, weil die Karten neu gemischt werden. Deshalb ewarten wir einen KSC, der bis in die Haarspitzen motiviert sein wird. Die Mannschaft hat aber auch schon in den letzten Spielen der Hinrunde gezeigt, welche Qualität in ihr steckt. Wir wissen, dass uns im Wildpark eine schwere Aufgabe erwartet.

Tabellarisch betrachtet ist es ein Kellerduell: Der Fünfzehnte trifft auf den Sechzehnten. Was für ein Spiel dürfen Fans und Zuschauer erwarten?
Ich denke, es wird ein bissiges und kampfbetontes Spiel. Beide Teams werden in erster Linie darauf bedacht sein, die Zweikämpfe zu gewinnen, denn keiner möchte dem anderen etwas schenken. Darüber hinaus werden beide Teams aber auch versuchen, ihre spielerische Klasse ins Spiel zu bringen und daraus Kapital zu schlagen.

Wie hoch stehen die Chancen, dass wir dich am Sonntag dann auch auf dem Rasen erleben?

Die Entscheidung trifft natürlich allein der Trainer. Ich hoffe sehr, dass er mich aufstellt und ich zum Einsatz komme. Für mich geht es darum, im Training Vollgas zu geben, um dem Coach zu zeigen, dass ich für Sonntag bereit bin.

Das Interview führte Amin Mir Falah


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