Valentini: „Wir wollen zeigen, wie gut wir als Mannschaft sind“
Für Enrico Valentini ist die aktuelle Saison seine zweite im Trikot des KSC. In der laufenden Spielzeit hat der gebürtige Franke bislang 22 Startelf-Einsätze gesammelt, die allermeisten davon als rechter Verteidiger. Im Interview spricht der Deutsch-Italiener über seine Stammposition, seine Begeisterung für American Football und das kommende Gastspiel in Leipzig.

Enrico, warum lief es am Montag beim 3:0-Heimsieg gegen Sandhausen im zweiten Durchgang sichtlich besser als in Hälfte eins?
Uns war zur Halbzeit klar, dass wir uns in der zweiten Hälfte steigern müssen. Die eingewechselten Spieler haben sich gut eingebracht und die Unterstützung von den gesamten Fans ab der 60. Minute war für die Jungs auf dem Platz wie ein Weckruf, der nochmal für einen Schub gesorgt hat.
Du bist kurz vor Schluss eingewechselt worden. Hat es dich gewurmt, dass du in den letzten zwei Partien nicht von Beginn an spielen durftest?
Nein, überhaupt nicht. Der Trainer hat entschieden, dass Sascha (Traut, Anm. d. Red.) spielt und das habe ich auch problemlos akzeptiert.
Du hast dich beim KSC als Rechtsverteidiger etabliert. Betrachtest du die Position mittlerweile selbst als deine Stammposition?
Ja, das würde ich schon sagen. Ich habe hier in den letzten zwei Spielzeiten hauptsächlich als rechter Verteidiger gespielt und auf der Position konstant meine Leistungen gebracht. Ich habe mich an die Position gewöhnt und sehe mich daher auch in Zukunft dort.
Wie schwierig ist dir als gelernter Mittelfeldspieler die Umstellung gefallen?
Es war für mich eigentlich gar keine so große Umstellung. Ich hatte bereits beim VfR Aalen hin und wieder als Rechtsverteidiger ausgeholfen und habe auch in der Jugend gelernt, auf verschiedenen Positionen zu spielen. Einzig die Abstimmung mit der Innenverteidigung fiel mir anfangs etwas schwer. Aber das ging dann in meinem Fall relativ schnell, weil Daniel Gordon und die anderen Innenverteidiger mich da gut geschult haben.
Dein Kollege und Konkurrent auf der Position ist Sascha Traut. Ihr beide habt ein sehr gutes Verhältnis – auch aus der gemeinsamen Zeit in Aalen. Hat der Konkurrenzkampf Einfluss auf euer Verhältnis außerhalb des Platzes?
Nein, das trennen wir beide völlig und das muss man als Profi auch. Deshalb beeinflusst das weder mich noch Sascha, was unser persönliches Verhältnis außerhalb des Platzes angeht. Wer spielt, entscheidet letztlich immer der Trainer. Wir beide geben in jeder Trainingseinheit Gas und haben die Entscheidung des Trainers zu akzeptieren.
Positionen spielen auch im American Football eine wichtige Rolle. Du bist großer Fan der Sportart. Was fasziniert dich daran?
Alles, was diesen Sport ausmacht: die Action, die Tackles, die Stadien, die Spieler, das Publikum und das ganze Drumherum. Es ist einfach eine andere Welt, in der alles ein Stück spektakulärer ist als in Europa. American Football ist Spektakel pur und deshalb begeistert mich dieser Sport so sehr.
Was kann man sich als Fußballer vom American Football abschauen?
Im Grunde sind das natürlich zwei völlig unterschiedliche Sportarten. Sich als Fußballer da etwas Konkretes abzuschauen, ist schwierig. Die Aggressivität, die man beim Football an den Tag legen muss, ist natürlich eine ganz andere als die, die ein Fußballer auf den Rasen bringen muss oder besser gesagt darf. Wobei sich der ein oder andere nicht so sehr daran hält (lacht). Was man sich als Fußballer von Footballspielern auf jeden Fall abschauen kann, ist die Mentalität, in wirklich jedem Match Vollgas zu geben.
Football hat auch bei der „Conos pequenos“-Aktion des KSC eine Rolle gespielt. Dabei konnten Amateurclubs zeigen, wie gut sie beim Hütchenschießen sind. Welche Jungs haben dich am meisten amüsiert und beeindruckt?
Ganz klar: Der Spieler des SV Karlsruhe-Beiertheim (Steffen Kerb, Anm. d. Red.), der – wie ich das im Winter-Trainingslager vorgemacht habe – beim letzten Versuch mit einem Football geschossen hat. Er hat das Hütchen damit sogar getroffen – das war schon sensationell und hat mich beeindruckt.
Nun steht am Sonntag das Gastspiel in Leipzig an. Wie groß ist der Ansporn, den Aufstieg der Leipziger mit einem Auswärtssieg womöglich zu vertagen?
Es ist immer eine besondere Motivation, gegen eine Mannschaft zu spielen, die in der Tabelle oben steht. Gerade gegen solche Teams möchte man seine eigenen Qualitäten beweisen. Wir wollen zeigen, wie gut wir als Mannschaft sind. Leipzig kann mit einem Sieg den Aufstieg perfekt machen – das wollen wir verhindern. Das ist unser Ansporn.
Was wird nötig sein, um in Leipzig möglichst dreifach zu punkten?
Wir haben in der Rückrunde gezeigt, dass wir unsere defensive Stabilität wieder gefunden haben. Daran müssen die Leipziger erstmal vorbeikommen. Wir werden wie immer alles reinwerfen. In der Offensive sind die Leipziger extrem stark, aber wir sind defensiv stabil genug, um dagegenzuhalten. Wenn wir es schaffen, möglichst lange die Null zu halten und vorne effektiv zu sein, haben wir gute Chancen, die drei Punkte mitzunehmen.
Das Interview führte Amin Mir Falah











