Valentini: "Gehen mit einer Portion Wut im Bauch in die Partie"
Vor Beginn der neuen Saison ist Enrico Valentini zum Vize-Kapitän gewählt worden. In Abwesenheit von Dirk Orlishausen hat "Valle" die Mannschaft in den ersten beiden Saisonspielen als Kapitän auf den Platz geführt. Im Interview verrät der Rechtsverteidiger, welche Bedeutung das Amt für ihn hat, wie er die Enttäuschung über das Pokalaus in München weggesteckt hat und wie groß der Ansporn ist, sich am Samstag zu revanchieren.

Enrico, wie tief sitzt noch die Enttäuschung nach dem bitteren Pokalaus in München?
Wir haben das Spiel analysiert und haben ziemlich genau feststellen können, welche Fehler uns unterlaufen sind und woran es gelegen hat, dass wir ausgeschieden sind. Jetzt heißt es aber: abhaken und wieder aufstehen.
Der entscheidende Gegentreffer fiel in der Nachspielzeit. Wart ihr womöglich mit den Gedanken bereits in der Verlängerung?
Nein, das kann ich definitiv ausschließen. Keiner von uns hatte in der Szene bereits an die Verlängerung gedacht. Es war einfach eine Fehlerkette, die zum Gegentor geführt hat. Wir haben den Sechzigern den Ball und dadurch auch das Tor praktisch geschenkt.
Wie tückisch sind K.-o.-Spiele im Pokal gerade zu Beginn der Saison?
Gegen einen Gegner auf Augenhöhe, vor allem einen Konkurrenten aus derselben Liga, sind solche Duelle eigentlich weniger tückisch. In der Regel sind solche K.-o.-Spiele immer dann eine Falle, wenn du gegen Mannschaften aus tieferen Ligen spielst. Gegen Sechzig waren andere Gründe ausschlaggebend.
Wie steckt man einen solch bitteren Knockout weg?
Das ist ganz einfach eine Frage des Charakters. Ich persönlich sage mir immer: Mal gewinnt man, mal lernt man dazu. Wir haben einen herben Rückschlag hinnehmen müssen, aber die Mannschaft hat genügend Charakter, um sich wieder aufzurappeln. Aus Niederlagen kann man immer auch etwas Wichtiges für die Zukunft lernen. Wir haben die richtigen Schlüsse aus dem Pokalspiel gezogen und wissen, was wir am Samstag besser machen müssen.
Drei Pflichtspiele habt ihr hinter euch – bislang noch ohne Sieg. Wie bewertest du den Saisonauftakt?
Durchwachsen. Der Start hätte natürlich besser, er hätte gleichzeitig aber auch schlechter sein können. Ich erinnere da gerne an die letzte Saison, als wir einen wirklich miesen Start erwischt hatten und später dann gezeigt haben, was wir draufhaben.
Mit Tomas Oral hält ein neuer Trainer die Zügel in der Hand. Welche Veränderungen hast du im Vergleich zu Markus Kauczinski bereits festgestellt?
Es sind zwei grundverschiedene Trainer, die das Spiel mit unterschiedlichen Philosphien angehen. Unser Coach weiß aber ganz genau, welche Basis wir uns in den letzten Jahren geschaffen haben und auf dieser möchte er weiter aufbauen.
Ein altbekanntes Gesicht ist seit Dienstag wieder bei euch – Grischa Prömel ist mit einer Silbermedaille im Gepäck aus Rio zurückgekehrt. Wie habt ihr seinen Erfolg bei den Olympischen Spielen wahrgenommen?
Wir haben seine Auftritte in Rio intensiv verfolgt. Ich habe mir alle Spiele, die er bestritten hat, angesehen und es hat mich für ihn, aber auch für Philipp (Max, Anm. d. Red.) ungemein gefreut. Es war eine Erfahrung fürs Leben, die die beiden dort sammeln durften. Wir alle haben ihm bei seiner Rückkehr nochmal persönlich gratuliert und sind froh, dass er jetzt wieder bei uns ist.
Du bist seit dieser Saison neuer Vize-Kapitän der Mannschaft und hast in den ersten zwei Spielen die Binde getragen. Welche Bedeutung hat das für dich?
Ich sehe mich unabängig von der Binde als Führungsspieler innerhalb der Truppe. Was für mich heißt, dass ich vor allem durch Leistung auf dem Platz vorangehen muss. Da hat die Binde selbst zunächst gar keine so große Bedeutung. Aber es ist natürlich eine große Ehre, wenn man die Mannschaft als Kapitän auf den Platz führen darf.
Jetzt kommt es am Samstag erneut zum Duell mit den Löwen aus München. Versucht ihr, das Pokalaus auszublenden oder steckt ihr euch bewusst das Ziel, euch dafür zu revanchieren?
Wir gehen auf jeden Fall mit einer Portion Wut im Bauch in die Partie. Vor allem, weil wir uns die Niederlage im Pokal selbst zuzuschreiben haben. Dass wir jetzt direkt danach die Chance bekommen, das gegen denselben Gegner wiedergutzumachen, ist ein zusätzlicher Ansporn.
Was muss besser werden, damit am Samstag im Wildpark endlich der erste Saisonsieg gelingt?
Unsere Chancenverwertung – eindeutig. Wir haben die Chancen, die wir in München hatten, wirklich sehr gut herausgespielt. Vor unserem Treffer hatten wir lange Kombinationen mit mindestens 25 bis 30 Pässen, die die Sechziger nicht unterbinden konnten. Das zeugt von einer Qualität, die nicht jede Mannschaft in dieser Liga mitbringt. Das Einzige, was uns zurzeit noch fehlt, ist der letzte Schuss, die Kaltschnäuzigkeit beim Abschluss. Aber die erarbeiten wir uns Stück für Stück und das wird hoffentlich schon am Samstag zu sehen sein.
Das Interview führte Amin Mir Falah











