Traut: "Der aktuelle Tabellenplatz spiegelt die Qualität des KSC nicht wider"
Sascha Traut kennt den KSC in- und auswendig. Der gebürtige Karlsruher hat sämtliche Jugendabteilungen des Vereins durchlaufen und kam 2014 vom VfR Aalen als gereifter Profi zu seinem Heimatverein zurück. Im Sommer zog es den Verteidiger zu den Kickers nach Würzburg. Wir haben mit Traut über den starken Start der Kickers, ihren Coach und das Match am Freitag gesprochen.

Sascha, 17 Punkte nach neun Spielen, Platz vier in der Tabelle... Hand aufs Herz: Habt ihr selbst damit gerechnet, so gut in die Saison zu starten?
Wir haben vor der Saison eine ordentliche Vorbereitung gespielt und sehr hart gearbeitet – sowohl im taktischen als auch im körperlichen Bereich. Deshalb haben wir von Beginn an an uns geglaubt und hatten gehofft, schnell Fuß fassen zu können. Nach den ersten neun Spielen können wir – so denke ich – auch behaupten, dass uns das geglückt ist.
Inwieweit beflügelt euch noch die Euphorie nach dem Aufstieg in die 2. Liga?
Um erfolgreich zu sein, müssen immer ganz viele Faktoren zusammenkommen. Ein Faktor, der uns antreibt, ist sicherlich auch die in Würzburg nach wie vor spürbare Aufstiegseuphorie bei den Menschen in der Stadt. Unser Erfolg rührt aber vor allem daher, dass wir als Mannschaft an uns glauben und uns täglich weiterentwickeln wollen. Das spiegeln unsere Leistungen und Ergebnisse zurzeit auch wider.
Eure Saisonziele habt ihr aber noch nicht nach oben korrigiert, oder?
Unser Ziel ist es weiterhin, eine gute Runde zu spielen, so schnell wie möglich die 40-Punkte-Marke zu erreichen. Auf welchem Platz wir dann im Endeffekt landen, ist Nebensache. Das Wichtigste ist, dass wir in jedem Spiel Vollgas geben und uns nichts vorzuwerfen haben. Dann haben wir auch gute Chancen, unser Ziel Klassenerhalt zu erreichen.
Ein Vater des Erfolgs ist sicherlich euer Coach Bernd Hollerbach. Er hat lange Zeit als Co-Trainer von Felix Magath gearbeitet, der stets als harter Hund galt. Trifft das auch auf euren Coach zu?
Die Philosophie unseres Trainers beruht auf jeden Fall auf harter und ehrlicher Arbeit, das bekommen wir tagtäglich mit. Auch wenn es das ein oder andere Mal wehtut, im Endeffekt profitieren wir alle nur davon. Ihn aber auf einzelne Dinge zu reduzieren, würde ihm nicht gerecht werden. Vor allem fußballerisch hat sich die Mannschaft kontinuierlich weiterentwickelt.
Nachdem du in den ersten drei Saisonspielen noch Einsatzzeiten bekommen hast, hast du in den letzten Spielen von der Bank zuschauen müssen, warst teilweise gar nicht im Kader. Wie beurteilst du deine ersten Monate bei den Kickers?
Als Spieler hat man natürlich immer das Ziel, in möglichst jedem Spiel auf dem Platz zu stehen und dafür gebe ich in jeder Trainingseinheit Vollgas. Man muss aber auch sagen, dass die Jungs das in den letzten Spielen sehr ordentlich gemacht haben. Deshalb gilt es für mich, einfach weiterhin Gas zu geben, auf meine Chance zu warten und alles dafür zu tun, dann auf den Punkt voll da zu sein. Und eines hat die Vergangenheit gezeigt: Bei Bernd Hollerbach bekommt jeder, der sich entsprechend reinhängt, auch seine Chance.
Du bist im Sommer nach Würzburg gegangen, nachdem dein Vertrag beim KSC ausgelaufen war. Wann war für dich klar, dass es für dich im Wildpark nicht mehr weitergehen würde?
Das hat sich gegen Ende der Saison herauskristallisiert. Beide Seiten haben für sich einfach entschieden, neue Wege gehen zu wollen und so hat sich für mich die Möglichkeit ergeben, in Würzburg eine neue Herausforderung zu suchen. Die Kickers sind für mich die richtige Adresse, davon bin ich nach wie vor überzeugt und ich hoffe, dass sich das bald wieder in meinen Einsatzzeiten widerspiegelt. Wie gesagt: Ich gebe weiter Gas!
Du bist 2014 vom VfR Aalen zurück zum KSC gekommen, hast hier in den ersten Saisonspielen tolle Leistungen gezeigt, bis dir ein Kreuzbandriss einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Warum lief es danach für dich nicht mehr ganz so rund?
Das war sicherlich eine schwierige Zeit für mich. Vor allem war es ein harter Kampf, wieder zurückzukommen. Bis man die Fitness wiedererlangt und das Vertrauen ins Knie zurückgewonnen hat, braucht es schon eine ganze Weile. Ich bin anschließend auch nicht mehr so richtig in Tritt gekommen und Enrico (Valentini, Anm. d. Red.) hat den Job rechts hinten super ausgefüllt. So kam dann eins mit dem anderen zusammen.
Du hast zwar bereits mit Aalen in der Vergangenheit gegen den KSC gespielt, dennoch ist die Partie am Freitag für dich sicherlich etwas Besonderes, oder?
Es ist natürlich immer etwas Besonderes, gegen seinen Heimatverein zu spielen. Da ist die Motivation noch einen Tick größer als sonst. Ich freue mich sehr darauf, die alten Kameraden wiederzusehen. Am meisten würde es mich aber natürlich freuen, wenn ich gegen sie auf dem Platz antreten darf.
Gab es schon Kontakt zum einen oder anderen Ex-Kollegen im Vorfeld der Partie?
Bislang noch nicht, aber das wird sich im Laufe der Woche garantiert noch ergeben. Ich denke, dass ich mich mit Enrico noch austauschen werde.
Um dann womöglich auch eine Wette abzuschließen?
Falls Enrico auf mich zukommen sollte, werde ich bestimmt nicht Nein sagen. Einer Wette unter Freunden gehe ich nicht aus dem Weg. Auf dem Platz aber gibt es diese Freundschaft nicht. Das wird er auch so sehen.
Wie hast du den Saisonstart der einstigen Kollegen aus der Ferne wahrgenommen?
Die ersten Spiele sind sicherlich nicht so gelaufen, wie sie sich das vorgestellt hatten. Viele Situationen, die mal für, mal gegen einen laufen können, sind in den ersten Spielen leider gegen die Jungs gelaufen. Aber ich denke, über die restliche Saison hinweg wird sich das wieder relativieren. Ich bin mir sicher, dass die Jungs ihre nötigen Punkte holen werden, auch wenn die aktuelle Situation sicherlich keine einfache ist.
Angesichts der bisherigen Spiele – wie schätzt du den KSC als Gegner ein?
Der aktuelle Tabellenplatz spiegelt nicht annähernd ihre tatsächliche Qualität wider. Wenn die Truppe ihre Normalform abruft, wird es ganz schwer, sie zu schlagen, aber natürlich ist das unser Ziel. Wir wollen vor heimischer Kulisse wie immer alles reinhauen, um die Punkte in Würzburg zu behalten. Wir wollen unser Spiel machen, mutig nach vorne agieren. Wenn uns das gelingt, sind wir nur schwer zu schlagen.
Das Interview führte Amin Mir Falah











