Thoelke: „Müssen unseren Fans etwas zurückgeben“

Profis

In der Rückrunde der vergangenen Saison erkämpfte sich Innenverteidiger Bjarne Thoelke unter dem damaligen Chefcoach Markus Kauczinski einen Stammplatz in der KSC-Viererkette. Auch unter Tomas Oral ist der 1,91-Hüne im Abwehrzentrum gesetzt und absolvierte – wenn spielfit – alle bisherigen Partien der neuen Spielzeit. Im Interview spricht der gebürtige Gifhorner über die Klatsche gegen Union, seine Rolle als Abwehrchef und das kommende Heimspiel gegen St. Pauli.

Bjarne, mit ein paar Tagen Abstand zum Spiel – wie ist eine solcher Auftritt wie in Berlin zu erklären?
Die Gegentore sind alle durch dumme individuelle Fehler entstanden. Wir haben als gesamte Mannschaft schlecht gespielt und daher auch verdient verloren, da gibt es keine Ausreden. Jeder von uns muss sich da an die eigene Nase fassen und sich fragen, warum er es nicht geschafft hat, läuferisch und kämpferisch 100 Prozent zu geben. Auch wenn spielerisch nicht immer alles klappt, laufen und kämpfen kann und muss man in dieser Liga immer.

Du hast die Grundtugenden des Fußballs – laufen und kämpfen – angesprochen. Stehen die in dieser Woche ganz oben auf dem Trainingsplan?
Die Basics sind immer Thema bei uns im Training. Wir versuchen tagtäglich, unser Defensivverhalten und unsere Kompaktheit als Mannschaft zu verbessern. Vor allem jetzt nach solchen Spielen wie gegen Union müssen wir zusehen, dass wir uns wieder auf die Basics besinnen und möglichst einfach und klar spielen. Dann haben wir auch gute Chancen, in den nächsten Spielen erfolgreich zu sein.

Ihr seid in Berlin erstmals in dieser Saison im 4-4-2-System mit zwei Spitzen aufgelaufen. Inwiefern hat das Einfluss gehabt auf eure Leistung?
Es war schon eine kleine Umstellung. Gerade was die Laufwege unserer Stürmer und ihre Arbeit gegen den Ball angeht, war es ein wenig ungewohnt. Ob wir jetzt aber im 4-2-3-1, 4-4-2 oder 4-3-3 spielen – es sind immer nur kleine Bausteine, die wir im Verbund entsprechend verschieben müssen. Unabhängig vom System dürfen wir uns nie und nimmer so präsentieren wie in Berlin.

Wie gehst du persönlich mit solchen Niederlagen um – analysierst du deine eigene Leistung bis ins kleinste Detail oder konzentrierst du dich sofort aufs nächste Spiel?
Ich habe mir das Spiel im Nachhinein nochmal genauer angeschaut und dabei natürlich in erster Linie meine eigene Leistung unter die Lupe genommen. Welche Fehler sind mir beim Aufbauspiel, Zweikampfverhalten oder Stellungsspiel unterlaufen? Damit setze ich mich nach meinen Einsätzen immer auseinander. Nach solchen Niederlagen wie in Berlin brauche ich immer zwei, drei Tage, bis ich das Ganze komplett verdaut habe. Vor allem, wenn man sieht, wie Teile unserer Fans nach dem Spiel reagiert haben. Aufgrund unserer schlechten Leistung haben sie völlig zu Recht gepfiffen und ihrer Enttäuschung Luft gemacht, aber das mitzubekommen, tut verdammt weh.   

Zwei deiner Kollegen, nämlich Manuel Torres und Gaétan Krebs, haben sich im Training leider schwere Verletzungen zugezogen und werden längere Zeit ausfallen. Wie habt das als Mannschaft aufgenommen?
Manu und Gaétan sind zwei wichtige Spieler in unserer Truppe. Manu ist für unser Offensivspiel enorm wichtig und auf Gaétan kannst du aufgrund seiner Erfahrung immer zählen. Dementsprechend bitter ist es, dass die beiden uns längere Zeit fehlen werden. Aber wir haben einen breiten Kader und können Verletzungen dadurch auffangen. Das Wichtigste ist, dass die zwei wieder gesund werden. Daher stellvertretend für die gesamte Truppe: Gute Besserung!

Mit Florian Kamberi und Charalampos Mavrias sind zwei neue Gesichter mit an Bord. Welchen Eindruck haben die beiden auf dich bislang gemacht und wie haben sie sich in die Mannschaft eingefügt?
Die beiden waren schon nach wenigen Tagen bestens in die Mannschaft integegriert – wie eigentlich alle Spieler, die hier neu dazukommen. Auf dem Trainingsplatz haben sie auch schon zeigen können, was sie draufhaben. Natürlich muss man sich auf dem Platz noch ein bisschen finden, aber beide haben ihr Potential bereits angedeutet und ich bin überzeugt davon, dass sie uns langfristig gesehen weiterbringen werden.

Tomas Oral hat dich vor Saisonbeginn zum Abwehrchef ernannt. Wie nimmst du diese Rolle an?
Es ehrt mich auf jeden Fall, dass er mir diese Rolle zutraut und ich nehme sie auch gerne an. Natürlich muss ich da noch ein bisschen hineinwachsen. Das geht nur über Spiele, deshalb ist das Allerwichtigste, dass ich verletzungsfrei bleibe. Dann wird es mir auch gelingen, in Zukunft noch mehr Verantwortung auf dem Platz und innerhalb der Mannschaft zu übernehmen.

In den letzten Spielen stand mit Jordi Figueras ein Neuzugang an deiner Seite in der Innenverteidigung. Wie würdest du das Zusammenspiel mit ihm bislang bewerten?
Mit Jordi kann man auf dem Platz sehr gut zusammenspielen, weil er ein Spieler ist, der sehr viel kommuniziert. Das macht das Zusammenspiel in der Innenverteidigung immer einfacher. Natürlich fehlt im noch ein wenig die Fitness, aber die wird er sich mit den nächsten Trainingseinheiten und Spielen noch holen. Wenn man das Spiel gegen Union ausklammert, hat die Abstimmung zwischen uns in den ersten Saisonspielen auch ganz gut gepasst. Das haben die Zahlen bis dahin ja auch belegt. Gegen Berlin haben wir beide Fehler gemacht. Jetzt gilt es, die am Sonntag abzustellen.

Am Sonntag steht mit dem Heimspiel gegen St. Pauli die nächste Bewährungsprobe an. Wie schätzt du die Truppe von Ewald Lienen ein?
Sie haben auf jeden Fall eine gute Mannschaft mit vielen jungen, technisch versierten Spielern. Grundsätzlich ist die 2. Liga ist so unberechenbar, dass wirklich jeder gegen jeden gewinnen kann. Das haben auch die ersten Spieltage wieder gezeigt. Du darfst keine einzige Mannschaft in dieser Liga unterschätzen. Auch wenn St. Pauli, ähnlich wie wir, nicht den besten Saisonstart erwischt hat, was die Punkte angeht – wir wissen, wie gefährlich sie sein können. Unser Trainerteam wird uns wie gewohnt auf ihre Stärken und Schwächen einstellen und einen Plan mitgeben, wie wir sie schlagen können.

Welche Rolle kann die Unterstützung der Fans dabei spielen?
Wir wissen, was wir an unseren Fans haben. Sie stehen immer hinter uns, ob auswärts oder daheim. Die Partie in Berlin haben wir an die Wand gesetzt und dafür anschließend von den Fans die Quittung bekommen. Jetzt müssen wir ihnen am Sonntag etwas zurückgeben. Wenn wir auf dem Platz alles reinwerfen, werden sie uns wie immer lautstark unterstützen. Und dann haben wir auch beste Chancen, ihnen einen Heimsieg zu schenken. 

Das Interview führte Amin Mir Falah


Match
Center