Thoelke: „Für einen Fußballer gibt es nichts Geileres“
Im Sommer letzten Jahres wechselte Bjarne Thoelke vom VfL Worlfsburg in den Wildpark. Während er zu Beginn der Saison vornehmlich noch in der zweiten Mannschaft des KSC zum Einsatz kam, ist der Innenverteidiger aktuell aus Markus Kauczinskis Startformation nicht wegzudenken. Seit seinem Startelfdebüt im Heimspiel gegen den SC Paderborn am 24. Spieltag bestritt der gebürtige Gifhorner alle Spiele in Liga zwei über die volle Distanz. Im Interview spricht der Abwehrmann über seinen Start im Wildpark, das Zusammenspiel mit Manuel Gulde und das bevorstehende Derby gegen Kaiserslautern.

Bjarne, am letzten Sonntag habt ihr ihn endlich eingefahren: den ersten Heimsieg im neuen Jahr. Wie erlösend war der Sieg?
Es war auf jeden Fall erleichternd. Natürlich ist im Prinzip jeder Sieg wichtig und schön, egal ob auswärts oder daheim. Aber zuhause mit den eigenen Fans im Rücken herrscht im Wildpark immer eine besondere Atmosphäre. Deshalb war es für uns auch besonders schön, daheim endlich wieder drei Punkte eingefahren zu haben.
Besonders war der Heimsieg auch deshalb, weil ihr das Spiel mit drei Toren in nur sieben Minuten gedreht habt. Wie hast du diese Minuten auf dem Platz wahrgenommen?
Ich finde, wir haben schon vor dem Ausgleich ein gutes Spiel gemacht und haben uns von dem Gegentor auch nicht beunruhigen lassen. Und dann ging es Schlag auf Schlag. Wir haben die Tore, vor allem das erste schön herausgespielt. Auch in der Szene, die zum Elfmeter führte, haben wir vorher gut kombiniert. Durch die drei Tore haben wir dann Rückenwind bekommen und sind mit Selbstvertrauen in die zweite Hälfte gegangen.
Das Spiel am Sonntag war das fünfte in Folge, das du von Beginn an und über die vollen 90 Minuten bestritten hast. Wie zufrieden bist du mit deiner aktuellen Rolle im Team?
Ich bin zurzeit natürlich sehr zufrieden mit meiner persönlichen Situation. Jeder Spieler hofft immer darauf, dass er von Anfang an und so viele Minuten wie möglich spielen darf. Ich hatte vorher immer wieder mit kleineren Verletzungen zu kämpfen, saß daher oft nur auf der Bank. Umso schöner ist es für mich, dass ich jetzt von Beginn an spielen darf. Das ist für einen Fußballer immer das Größte.
Zu Beginn der Saison lief es für dich schwieriger, als du vornehmlich noch in der zweiten Mannschaft gespielt hast. Wie schwer ist es dir gefallen, geduldig zu bleiben und auf deine Chance zu warten?
Ich hatte schon vor meiner Zeit hier beim KSC mit Verletzungen zu kämpfen. Dabei habe ich gelernt, wie man damit umzugehen hat und dass man stets geduldig sein muss und sich vor allem nicht verrückt machen lassen darf. Als ich im Sommer hierher kam, musste ich mich auch erstmal an die neuen Gegebenheiten gewöhnen. Vorher hatte ich mit der zweiten Mannschaft des VfL Wolfsburg noch in der Regionalliga gespielt. Das ist natürlich, verglichen mit der 2. Liga, ein ganz anderes Niveau. Alles andere war für mich auch neu: neues Team, neue Stadt, neuer Trainer – daran musste ich mich erstmal gewöhnen. Ich wurde aber auch super von der Mannschaft aufgenommen. Die Kollegen haben mich immer unterstützt und mir gesagt, dass ich Geduld haben muss und dass ich meine Chance irgendwann bekommen werde. Jetzt war es soweit, dass mir der Trainer die Chance gegeben hat und die habe ich – glaube ich – bis hierhin auch genutzt.
In deinen bislang fünf Startelfeinsätzen hieß dein Partner in der Innenverteidigung Manuel Gulde. Nur zwei Gegentreffer hat der KSC in diesen Spielen kassiert. Wie bewertest du euer Zusammenspiel?
Es macht auf jeden Fall großen Spaß, mit Manu zu spielen. Die Abstimmung zwischen uns beiden stimmt einfach. Wir kommen super miteinander aus und wir nehmen auch gegenseitig die Kritik des jeweils anderen an, wenn mal etwas nicht so gut lief. Das gilt aber für die gesamte Viererkette und auch die Abstimmung mit den Spielern davor ist immer top bei uns. Das sieht man auch auf dem Platz.
Eins hat dir Manu noch voraus: ein Tor. Für die zweite Mannschaft hast du bereits getroffen. Wann fällt dein erster Treffer für die Profis?
Ein Tor zu erzielen, ist natürlich immer mit das Schönste für einen Fußballer. Ich hoffe auf jeden Fall, dass es mir in dieser Saison noch gelingt, vorn einen reinzuköpfen. Die Hauptaufgabe für mich als Verteidiger besteht aber darin, den Laden hinten dichtzumachen. Wenn uns das gelingt, bin ich schon zufrieden. Mein erster Treffer wird mit der Zeit schon kommen, da mache ich mich diesbezüglich nicht verrückt.
Seit rund einem Dreivierteljahr bist du nun in Kalsruhe. Hast du dich schon einleben und dich mit der Stadt und der Region vertraut machen können?
Ich habe mich generell gut eingelebt hier. Die Mannschaft hat mir schon vieles gezeigt. Ich habe seit längerer Zeit eine Wohnung, die ich schon komplett eingerichtet habe. Ich habe auch ein paar Freunde, die in der Nähe wohnen. Wenn das Wetter in nächster Zeit dann hoffentlich wieder besser wird, kann man dann auch wieder kleinere Ausflüge unternehmen, ob in die Innenstadt oder in die Gegenden außerhalb.
Jetzt geht es am Sonntag zum Derby nach Kaiserslautern, was immer ein ganz besonderes Spiel ist. Wie groß ist die Vorfreude?
Ein Derby ist natürlich immer etwas Besonderes. Es kommen mehr Fans als sonst üblich ins Stadion und auch die Stimmung ist aufgeheizter. Ich gehe davon aus, dass es auch auf dem Platz hart zur Sache gehen wird – wie eigentlich immer in den Derbys. Für einen Fußballer gibt es nichts Geileres, als von den eigenen Fans in solch einem Spiel nach vorn gepeitscht zu werden. Selbst wenn man von den gegnerischen Fans noch lauter als sonst ausgebuht wird, zieht man daraus eine Extra-Motivation. Deshalb ist die Vorfreude auf das Spiel riesengroß.
Das Fritz-Walter-Stadion gehört zu den bekanntesten und traditionsreichsten Stadien in Deutschland. Wie besonders ist es für einen Fußballer, dort aufzulaufen?
Ich war 2013 mit Dynamo Dresden zu Gast dort und obwohl ich damals nur auf der Bank saß, habe ich die besondere Atmosphäre miterlebt. Wenn man den Betzenberg hochfährt oder wenn man als Mannschaft erst noch den Aufzug nehmen muss, um in die Kabine zu kommen – das hat alles einen besonderen Flair. Deshalb freut man sich als Spieler sehr, wenn man in der Kulisse dort spielen darf.
Welche Tugenden werden gefragt sein, um vom Betzenberg drei Punkte zu entführen?
Wir haben in den letzten Spielen gute Leistungen gezeigt, indem wir defensiv gut gestanden sind und uns taktisch clever verhalten haben. Davon werden wir uns auch am Sonntag nicht abbringen lassen. Wir wissen, dass wir unsere Chancen kriegen werden. Deshalb werden wir genauso agieren wie in den lezten Spielen. Wenn wir unsere Chancen dann wieder so konsequent nutzen wie im Spiel gegen 1860, dann werden wir auch drei Punkte mitnehmen.
Das Interview führte Amin Mir Falah











