Reese: "Gefühlt ist das ein Sechs-Punkte-Spiel"

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Kaum im Wildpark angekommen hat Winter-Neuzugang Fabian Reese am vergangenen Sonntag sein Pflichtspieldebüt für den KSC feiern dürfen. Mirko Slomka beorderte den 19-jährigen Offensiv-Allrounder gegen den VfL Bochum prompt in die Startelf. Wir haben mit dem deutschen U20-Nationalspieler unter anderem über sein Debüt, die Schalker „Knappenschmiede“ und die DFB-Kameraden im Wildpark gesprochen.

Fabian, wie hast du deinen ersten Einsatz im KSC-Dress erlebt?
Es war ein super Gefühl, auf Anhieb das Vertrauen des Trainers zu spüren und direkt in der Startelf zu stehen. Wie das so ist in einer neuen Mannschaft mit für mich neuen Spielabläufen und neuen Philosophien, habe ich im Spiel selbst gemerkt, dass ich noch viel Luft nach oben habe und mich in den kommenden Wochen steigern muss und hoffentlich auch steigern werde.

Angesichts des späten Gegentors – waren das gegen Bochum zwei verlorene oder ein gewonnener Punkt?
Wir haben einen engagierten Auftritt hingelegt und uns das Tor zum 1:0 hart erarbeitet. Umso ärgerlicher ist es, wenn man dann kurz vor Schluss noch den Ausgleich hinnehmen muss. Im ersten Moment hat es sich angefühlt, als hätten wir zwei Punkte verloren. Ich denke, im Nachhinein können wir mit unserer Leistung und dem gewonnenen Punkt gegen heimstarke Bochumer aber ganz gut leben.

Mirko Slomka hat dich auf Rechtsaußen eingesetzt. Du giltst allgemein als Offensiv-Allrounder. Gibt es eine Position, die du bevorzugst?

Das ist zu schwer zu sagen, weil ich den vergangenen Jahren sehr viele unterschiedliche Positionen bekleidet habe. Ich glaube, beim KSC bin ich am besten auf der Außenposition aufgehoben. Grundsätzlich bin ich aber sehr flexibel, was meine Rolle auf dem Feld anbelangt. Ich kann genauso gut auch als hängende Spitze spielen. Solange die Wege zum gegnerischen Tor kurz sind und ich meine Torgefährlichkeit ausspielen kann, fühle ich mich auf jeder Position im Angriff wohl.

Welche Gründe waren für dich ausschlaggebend, hier im Wildpark aufzuschlagen?

Der KSC ist ein Verein mit einer unglaublichen Historie und unglaublich leidenschaftlichen Fans, die – ähnlich wie ich das von den Schalker Fans kenne – alles für ihren Club geben. Darüber hinaus waren die Gespräche mit Mirko Slomka und Oliver Kreuzer für mich ausschlaggebend. Beide haben mir auf Anhieb das Gefühl vermittelt, dass ich hier beim KSC gebraucht werde und dass ich der Mannschaft weiterhelfen kann.

Du bist vorläufig bis Saisonende ausgeliehen. Ist ein langfristiges Engagement beim KSC denkbar?

Im Fußball ist natürlich immer alles möglich. Stand heute gehe ich aber davon aus, dass ich im Sommer wieder für Schalke spiele. Es ist klar kommuniziert worden, dass ich bis Saisonende ausgeliehen werde – eine längere Ausleihe über die laufende Saison hinaus stand nie zur Debatte. Eine endgültige Entscheidung wird dann sicherlich im Sommer folgen.

Du kommst aus der Schalker „Knappenschmiede“, die international hohes Ansehen genießt. Was macht die Jugendarbeit des S04 so besonders?

Dort wird bereits in jungen Jahren auf höchstem Niveau mit den Spielern gearbeitet. In allen Altersklassen arbeiten ausgezeichnete Trainer, die wissen, wie man junge Spieler anpackt. An vorderster Front U19-Trainer Norbert Elgert, der einem unheimlich viel mitgibt und zwar nicht nur sportlich, sondern auch menschlich. Davon zehrt man als junger Spieler ungemein.

Du wirkst mit deinen 19 Jahren schon sehr abgeklärt. Woher kommt die Souveränität?

Ich komme aus Kiel – vielleicht ist das einfach die norddeutsche Gelassenheit in mir (lacht). Im Ernst: Ich bin sehr fokussiert, habe mir klare Ziele gesteckt und versuche, die nicht aus den Augen zu verlieren. Ich denke, das ist die Grundvoraussetzung dafür, eine erfolgreiche Karriere zu haben.

Neben dir sind im Winter noch vier andere Neuzugänge hinzugekommen. Wie bist du persönlich und wie seid ihr als Verbund aufgenommen worden?

Die Mannschaft hat mich und alle anderen super aufgenommen. Ich fühle mich pudelwohl in der Truppe. Die Kollegen waren sehr zuvorkommend und haben stets geholfen bei allen Kleinigkeiten, mit denen man als Neuer zu Beginn noch nicht vertraut ist. Auch das Trainerteam hat es mir sehr leicht gemacht, hier sofort Fuß zu fassen.

Einer der anderen Neuzugänge ist Benedikt Gimber. Ihr beide kennt euch aus der U20-Nationalmannschaft, zu der auch Matthias Bader und Marvin Mehlem gehören. Haben dir die Jungs die ersten Tage im Club leichter gemacht?

Mit Bene verstehe ich mich sehr gut. Unser Kontakt ist sehr eng, in der Kabine sitzen wir sogar nebeneinander. Es ist natürlich schön, wenn man als neuer Spieler Kollegen um sich herum hat, die man kennt und mit denen man gemeinsame Erfahrungen teilt. Das gilt auch für Matze Bader und Marvin Mehlem, die ich auch schon vorher über die Nationalmannschaft kannte. Die Jungs haben es mir noch einfacher gemacht, sofort ins Team zu finden.

Am Samstag steht die nächste schwierige Aufgabe gegen die Löwen an. Für dich wäre es der erste Auftritt in der Allianz Arena. Was zeichnet die Kulisse dort aus?

Ich weiß aus meiner Zeit auf Schalke, dass Bundesligastadien nochmal eine ganze Ecke größer sind und pompöser wirken. Ich freue mich tierisch auf die Arena. Es wurden schon viele große Spiele dort bestritten. Ich bin gespannt, wie das auf mich wirkt, wenn ich dann auf dem Rasen stehe.

Wie wichtig wäre ein Auswärtssieg angesichts der Tabellenkonstellation?

Gefühlt ist das ein Sechs-Punkte-Spiel. Die Münchner haben einen Punkt mehr als wir, daher werden wir alles daran setzen, mit einem Sieg an ihnen vorbeizuziehen. Ich glaube, am Samstag werden Kleinigkeiten den Ausschlag geben. Das Team, das die meiste Leidenschaft an den Tag legt, wird den Platz als Sieger verlassen. Ich bin zuversichtlich, dass wir das sein werden.

Dann wieder mit dir in der Startelf?

Mein Debüt war, denke ich, ganz ordentlich und jetzt bleibt mir noch die restliche Trainingswoche, um mich zu empfehlen und dem Trainer keine andere Wahl zu lassen, als mich erneut aufzustellen.

Das Interview führte Amin Mir Falah


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