Prömel: "Müssen konsequenter den Abschluss suchen"

Profis

Mit einer Silbermedaille im Gepäck ist Grischa Prömel vor knapp zwei Monaten aus Rio zurückgekehrt. Seitdem zählt der U21-Nationspieler auch unter Tomas Oral zu den Säulen der Mannschaft. Der Mittelfeldspieler stand seit dem dritten Spieltag ununterbrochen in der Startelf. Wir haben mit Prömel über die Nachwehen des Derbys, das Erlebnis Olympia und das kommende Gastspiel in Heidenheim gesprochen.

Grischa, wie tief sitzt noch die Enttäuschung nach dem verlorenen Derby?
Die Enttäuschung ist nach wie spürbar. Wir alle hatten das große Ziel vor Augen, unseren Fans den Derbysieg zu schenken, aber es hat nicht sollen sein. Die Niederlage war extrem bitter, weil wir insgesamt einen recht ordentlichen Auftritt hingelegt haben. Wir haben das Spiel im Anschluss analysiert. Das Trainerteam hat uns gezeigt, was wir falsch, aber auch was wir in Ansätzen gut gemacht haben. An die positiven Aspekte wollen wir im nächsten Spiel anknüpfen.

Für dich war es das allererste Derby gegen den VfB. Wie hast du das Spiel im Stadion erlebt?
Für genau solche Partien spielst du als Profi Fußball. Der Hype um das Spiel war enorm und die Brisanz, die so ein Derby mit sich bringt, treibt einen als Spieler unheimlich an. Die Fans haben für eine fantastische Atmosphäre im Wildpark gesorgt, die wir alle so schnell nicht vergessen werden.   

Du bist in Stuttgart geboren, hast dort in der Jugend für die Kickers gespielt. Daher war das am Sonntag für dich sicherlich eine ganz besondere Partie, oder?
Definitiv. Ich bin mit dem Derby groß geworden und kenne die Hintergründe der Rivalität daher auch sehr gut. Das Ganze nun selbst auf dem Platz miterlebt zu haben, war für mich eine wertvolle Erfahrung. Schöner wäre es aber gewesen, als Sieger vom Platz zu gehen.

Der Coach hat nach dem Spiel von fehlender Zielstrebigkeit im Abschluss gesprochen. Warum klappt es mit dem Toreschießen nicht so, wie ihr euch das wünscht?
Vor dem Tor lassen wir oft die letzte Überzeugung vermissen. Wir haben das gemeinsam mit dem Trainerteam bereits mehrfach besprochen und sind uns dessen bewusst. Gegen den VfB hatten wir allein in der ersten Halbzeit zwei, drei gute Szenen, in denen wir viel konsequenter den Abschluss hätten suchen müssen. Wichtig ist, dass wir es mittlerweile schaffen, uns viele Torchancen herauszuspielen. Ich bin mir sicher, in den kommenden Spielen werden wir den Ball dann auch über die Linie drücken.

Ergebnistechnisch waren die letzten Spiele ein Auf und Ab. Woran liegt es, dass die Konstanz noch fehlt?
Für unser Selbstvertrauen und die Stimmung im Team wäre es natürlich schön, mal zwei Siege am Stück einzufahren. Diese Liga ist aber auch nunmal kein Wunschkonzert. Das ist ein harter Kampf um jeden Punkt. Ich denke, man hat in den letzten Spielen gesehen, dass wir immer besser zueinander finden und dass wir in den letzten Spielen im Großen und Ganzen ordentliche Auftritte hingelegt haben. Jetzt liegt es an uns, auch die nötigen Ergebnisse zu erzielen.

Du hattest in den vergangenen Spielen mit Moritz Stoppelkamp einen eher ungewohnten Partner an deiner Seite im defensiven Mittelfeld. Inwiefern hat er Einfluss auf deine Rolle? 
Das hat auf jeden Fall einen Einfluss. Es geht schließlich um Abstimmung und Automatismen, auf die man sich im Zentrum verlassen muss. Wenn ich Stoppel an meiner Seite habe, heißt das für mich, dass ich die Position ein wenig defensiver als sonst ausfüllen muss, um ihm den Rücken freizuhalten. Dann kann Stoppel auch Akzente nach vorne setzen, die für unser Spiel wichtig sind.

Am Dienstag wurden die deutschen Medaillengewinner von Rio in Berlin mit dem Silbernen Lorbeerblatt ausgezeichnet.  Mit dabei waren auch ein paar Kollegen aus der U21, mit denen du Silber gewonnen hast. Hast du dieses Erlebnis Olympia mittlerweile verarbeiten können?
Mit der Zeit, die jetzt vergangen ist, habe ich das Ganze mal etwas sacken lassen können. Unmittelbar nach der Rückkehr waren die Eindrücke noch sehr frisch. Ich selbst konnte leider nicht mit nach Berlin zur Verleihung fahren, aber es war schön, die Bilder der Kollegen in den Nachrichten zu sehen. Dieses Erlebnis Olympia wird uns alle wohl für immer verbinden.

In der nächsten Woche stehen auch für die deutsche U21 Testspiele auf dem Programm. Du hoffst sicherlich, wieder mit dabei zu sein, oder?
Selbstverständlich. Es ist immer wieder eine riesige Ehre für mich, nominiert zu werden und die Chance zu bekommen, für Deutschland zu spielen. Es ist auch immer eine super Gelegenheit, dort im Kreis der Kollegen Selbstvertrauen zu tanken und mit einem guten Gefühl zurück zum KSC zu kommen.

Davor steht jedoch ein wichtiges Spiel mit dem KSC an. Am Freitag geht es für euch nach Heidenheim. Dort trefft ihr auf die beste Abwehr der Liga. Wie wollt ihr es schaffen, den Abwehrriegel der Heidenheimer zu knacken?
Wir alle wissen, dass eine schwere Aufgabe auf uns wartet. Die Heidenheimer haben über die letzten Jahre gezeigt, dass sie vor allem zuhause schwer zu schlagen sind. Unser Coach wird uns aber wie immer die Schwachstellen des Gegners aufzeigen und uns einen Plan an die Hand geben, mit dem wir die Heidenheimer schlagen können. Wir wollen mit drei Punkten im Gepäck zurück nach Karlsruhe.

Mit welcher taktischen Ausrichtung fährt man in Heidenheim am besten?
Es kommt wie immer auf die richtige Mischung zwischen Defensive und Offensive an. Wenn wir als Einheit kompakt verteidigen, machen wir es jedem Gegner in dieser Liga schwer, gegen uns Tore zu erzielen. In den letzten Spielen haben wir gezeigt, dass wir aus einer stabilen Abwehr heraus gefährliche Konter fahren können – die müssen wir am Freitag dann auch eiskalt in Tore ummünzen.

Das Interview führte Amin Mir Falah


Match
Center