Mehlem: "Ein Dreier wäre Gold wert"
Im Sommer 2015 feierte Marvin Mehlem sein Pflichtspieldebüt bei den KSC-Profis. Am vergangenen Sonntag durfte er im Heimspiel gegen Union Berlin erstmals unter dem neuen Chefcoach Mirko Slomka ran. Wir haben mit dem deutschen U19-Nationalspieler über den Abstiegskampf in Liga zwei, seinen Bruder Marcel und das Topspiel am Montag gegen St. Pauli gesprochen.

Marvin, am Mittwoch gab es im Testspiel gegen den Oberligisten aus Pforzheim ein 2:2-Remis – wie ordnest du Leistung und Ergebnis ein?
Gegen Mannschaften aus tieferen Ligen zu spielen, ist oft keine einfache Aufgabe. Hinzu kam die Tatsache, dass wir in dem Test in einem neuen System gespielt haben. Das darf aber keine Entschuldigung für das Ergebnis sein. Es ist selbstverständlich unser Anspruch, gegen einen Oberligisten klar zu gewinnen. Wichtiger jedoch ist ein Erfolg am Montag.
Zuvor setzte es in der Liga eine Heimniederlage gegen Union Berlin. Mit ein paar Tagen Abstand zum Spiel – wie tief sitzt noch die Enttäuschung?
Ich denke, wir hätten zumindest ein Unentschieden verdient gehabt. Meiner Ansicht nach haben wir insgesamt betrachtet einen spielerisch ganz ordentlichen Auftritt hingelegt. Wir haben die Zweikämpfe angenommen und uns Chancen erarbeitet. Leider haben wir mal wieder die letzte Konsequenz im Abschluss vermissen lassen. In dem Bereich müssen wir einfach zielstrebiger werden.
Du bist vor der Halbzeitpause eingewechselt worden. Wie ordnest du deine eigene Leistung ein?
Das im Detail zu beurteilen, überlasse ich lieber dem Trainer und den Verantwortlichen. Ich habe sicherlich ein paar Minuten gebraucht, um nach der Einwechslung ins Spiel zu finden. Grundsätzlich habe ich meine Leistung auf dem Platz weder gut noch schlecht wahrgenommen. Es war akzeptabel, würde ich sagen. Ich weiß, dass ich mich in vielen Bereich noch verbessern muss. Daran arbeite ich tagtäglich im Training.
18 Punkte nach 21 Spielen – wie geht die Mannschaft mit dieser prekären Lage um?
Die Situation ist kritisch – keine Frage. Die erfahrenen Spieler innerhalb der Mannschaft wie unser Kapitän Dirk Orlishausen haben das auch klipp und klar angesprochen. Wir wissen, dass die Lage angespannt ist. Wir alle können die Tabelle lesen und sehen, wie eng es da unten zugeht. Wir müssen wieder Abstand gewinnen zu den drei Teams, die hinter uns stehen. Dazu müssen dringend Punkte her – egal wie.
Ist die Aufbruchsstimmung, die mit der Verpflichtung von Mirko Slomka im Wildpark aufkam, mittlerweile bereits verflogen?
Wir alle sind nach wie vor felsenfest davon überzeugt, dass wir die Klasse halten. Der Trainer lebt diese Überzeugung auch vor und ist erfahren genug. Er weiß, worauf es in der jetzigen Situation ankommt. Daran hat sich auch mit den letzten Ergebnissen nichts geändert. Es ist wichtig, dass wir trotz der fehlenden Punkte weiterhin selbstbewusst auf den Platz gehen und daran glauben, dass wir das Spiel gewinnen.
Du gehörst zu den Jungspunden im Team. Geht man da „befreiter“ mit einer solchen Situation um?
Wir haben zum Glück viele erfahrene Spieler im Team, die uns an die Hand nehmen und die Richtung vorgeben. Das hilft einem jungen Spieler ungemein. Aber ob jung oder alt, wir alle sitzen im selben Boot und müssen an einem Strang ziehen, um uns aus dem Keller zu befreien.
Du hast im Sommer 2015 dein Pflichtspieldebüt bei den Profis gefeiert – fühlst du dich mittlerweile vollends im Profibereich angekommen?
Auf jeden Fall. Ich bin jetzt seit zwei Jahren im Profikader, habe seit drei Jahren alle Vorbereitungen und Trainingslager der ersten Mannschaft mitgemacht und fühle mich deshalb als vollwertiges Mitglied. Natürlich würde ich mir wünschen, auch mehr Einsatzminuten auf dem Platz zu sammeln, aber ich bin noch jung und weiß, dass ich meine Chancen kriegen werde.
Du bist in der ersten Mannschaft bereits auf mehreren Positionen zum Einsatz gekommen. Wo siehst du dich selbst am liebsten?
Ich selbst spiele am liebsten im zentralen offensiven Mittelfeld, aber auch gerne auf der Sechser-Position. Generell fühle ich mich Zentrum am wohlsten. Letzten Endes ist es für mich aber nicht entscheidend, wo der Trainer mich aufstellt, sondern dass er mich aufstellt.
Mittlerweile hat auch dein älterer Bruder Marcel den Sprung in den Profikader geschafft. Wie stolz macht das euch zwei?
Das ist für uns beide auf jeden Fall zusätzliche Motivation, in den Trainingseinheiten noch mehr Gas zu geben. Wir träumen davon, irgendwann mal gemeinsam auf dem Platz zu stehen. Ich hoffe, dass er möglichst bald sein Debüt in der 2. Liga feiert und endlich seine ersten Minuten bei den Profis bekommt. Das wäre schon mal ein erster Schritt.
Nun steht am Montag das Topspiel gegen den Abstiegskonkurrenten aus Hamburg an. Wie wichtig ist dieses Spiel angesichts der Tabellensituation?
Ein Dreier wäre natürlich Gold wert. Damit würden wir uns ein wenig Luft verschaffen. Deshalb werden wir alles daran setzen, die drei Punkte mitzunehmen. Unabhängig davon, wie es am Montag ausgeht, wird der Abstiegskampf für uns in den Wochen darauf aber weitergehen. Danach folgen noch zwölf wichtige Spiele, in denen wir die nötigen Punkt einfahren müssen.
Für euch ist es das erste Montagsspiel der Saison. Herrscht in der Truppe Anspannung oder Vorfreude?
Beides. Flutlichtspiele sind immer etwas Besonderes und Partien am Montagabend erst recht. Wir freuen uns riesig auf die Kulisse dort. Das Stadion wird vermutlich wieder ausverkauft sein und wie immer werden wir auch auf die Unterstützung unserer mitreisenden Fans setzen können. Ich hoffe, dass wir nach dem Schlusspfiff gemeinsam feiern können.
Das Interview führte Amin Mir Falah











