U19-Trainer Marco Wildersinn im Interview
Nach mehrwöchiger Vorbereitung hat für die U19 des KSC das Warten am Wochenende ein Ende. Vor dem Rückrundenstart in der A-Juniorenbundesliga Süd/Südwest am kommenden Sonntag sprach die Nachwuchsredaktion von ksc.de mit Trainer Marco Wildersinn über den bisherigen Saisonverlauf, die Vorbereitung und die Erwartungen im neuen Fußballjahr.

Marco, die Saison ist bisher sicher nicht nach Wunsch gelaufen. Ihr steht auf dem vorletzten Tabellenplatz und habt drei Punkte Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz. Wie bewertest du den bisherigen Saisonverlauf, was ist ausschlaggebend für die derzeitige Platzierung?
Richtig, es lief gar nicht so wie wir es uns vorgestellt haben. Nach einer ordentlichen Sommervorbereitung sind wir sehr schlecht in die Saison gestartet. Wir hatten mit vielen Ausfällen zu kämpfen, die sich durch die gesamte Hinrunde gezogen haben und mussten immer wieder auf wichtige Spieler verzichten - sei es durch die Abstellung zu den Profis oder durch Verletzungen. Somit war es uns nicht möglich, ein paar Spiele in Folge mit derselben Elf zu spielen und eine gefestigte Einheit zu formen. Zwischenzeitlich hatten wir eine bessere Phase, aber gegen Ende des Jahres wurde es wieder schlechter. Das einzige Highlight war das gewonnene Pokalspiel gegen den HSV. Wir haben aber auch erst elf von 26 Spielen absolviert und zudem den Kader im Winter verstärkt. Viele Verletzte sind zurück und somit hoffen wir, dass es besser läuft. Wir sind jetzt gefragt und müssen die Kurve kriegen.
Wo setzt man nach einer solchen Hinrunde den Hebel an? Habt ihr in der Vorbereitung gewisse Dinge geändert?
Wir haben nicht alles über den Haufen geworfen sondern versucht, intensiv in allen Bereichen zu arbeiten. Das betrifft zum einen die physischen Voraussetzungen, zum anderen fußballspezifische Komponenten. Nachdem am Anfang die Defensive im Fokus stand, arbeiten wir aktuell noch an der Offensive. Wir wollen uns in allen Mannschaftsteilen verbessern. Und dann ist es das Ziel, dass sich die Mannschaft einspielt.
Ihr habt in den letzten Wochen Hallenturniere gespielt, daneben war auch die Vorbereitung draußen in vollem Gange. Wie zufrieden bist du mit den Vorstellungen der Jungs?
Die Auftritte in der Halle waren sehr gut. Und obwohl Hallenturniere auch ihren Trainingseffekt haben, stören sie etwas die Vorbereitung auf die Saison draußen. Es ist einfach schwierig unter der Woche Gas zu geben, wenn am Wochenende ein zweitägiges Hallenturnier ansteht. Da muss man die richtige Balance finden. Auch die Freundschaftsspiele waren überwiegend positiv. Insgesamt denke ich, dass wir gut für die wichtigen dreieinhalb Monate bis zum Saisonende vorbereitet sind.
Was erwartet ihr in der jetzigen Situation konkret von der Mannschaft? Ist den Jungs die Lage bewusst?
Die Jungs wollen Erfolg haben und Spiele gewinnen. Keiner von ihnen verliert gerne und will absteigen. Inwieweit sie jetzt die Situation, dass wir absteigen könnten, an sich ranlassen, weiß ich nicht. Die Jungs sind gut damit beraten, nicht jeden Tag auf die Tabelle zu schauen, sondern sich vielmehr von Spiel zu Spiel auf das zu konzentrieren, was wichtig ist, ihre Leistung. Wenn sie das tun, werden wir die nötigen Ergebnisse einfahren.
Der Kader wurde noch um drei Spieler verstärkt. Sind Wechsel im Jugendbereich eine gängige Maßnahme im Winter?
Im Normalfall werden keine Wechsel im Winter vollzogen. Wenn es allerdings nicht läuft und man merkt, dass ein Qualitätsproblem im Kader besteht oder Spieler die Erwartungen nicht erfüllen, muss man handeln. Wir haben jetzt das Glück gehabt, drei Spieler für uns gewinnen zu können, die uns qualitativ verstärken werden. Das müssen sie zwar erst zeigen, aber ich gehe davon aus, dass sie das tun werden.
Vor der Saison hast du das Vorhaben, die Spieler gut auszubilden und bestmöglich auf den Seniorenbereich vorzubereiten, als übergeordnetes Ziel angegeben. Mit Kevin Akpoguma hat einer deiner Jungs den Sprung zu den Profis geschafft, auch Mirko Schuster stand schon im Kader und Jimmy Marton durfte erstmals mit ins Trainingslager nach Belek reisen. Woran kann man festmachen, dass ein Spieler soweit ist, diesen Schritt zu gehen?
Wichtig ist, dass der Spieler konstante Leistungen bringt, jede Woche auf den Punkt da ist und das umsetzt, was man von ihm will. Natürlich muss er auch die körperlichen Voraussetzungen mitbringen. Als Trainer hat man immer eine Tendenz wer es packen könnte, aber sicher voraussagen kann man es nicht. Da spielen viele Faktoren eine Rolle. Sicher kann man erst sein, wenn ein Spieler oben dabei sein darf und sich dort auch behauptet.
Und hast du derzeit jemanden im Blick, der als nächstes dran sein könnte?
Um den Sprung von der A-Jugend zu den Profis zu schaffen, muss der Spieler schon außergewöhnlich gut sein und aus der U19 herausstechen. Für viele Spieler wird der nächste Schritt die U23 sein. Im Fußball kann es manchmal jedoch sehr schnell gehen. Da sind für den Spieler alle Wege möglich. Von heute auf morgen rutscht du mal oben rein und genauso schnell kannst du auch wieder weg sein. Ich habe schon Spieler im Blick, aber ob sie es schaffen, liegt allein an ihnen.
Hat sich deine Rolle den Spielern gegenüber während der Saison verändert? Und wenn ja, wie? Bist du für die Jungs eher ein Kumpel oder Schleifer?
Natürlich entwickle ich mich. Das soll nicht heißen, dass ich meinen Charakter verändere. Aber die Erfahrungen die man macht, lassen einen schon überlegen, was man anders machen kann. Manchmal muss man Mittel anwenden, die man eigentlich nicht anwenden wollte. Also zum Beispiel laut zu sein, knallhart zu sein und die Jungs auch zu bestrafen. Sie sollen zwar nicht verkrampfen, aber wenn es darauf ankommt müssen sie merken, dass ich es ernst meine und in bestimmten Situationen keinen Spaß verstehe. Ich bin alles andere als ein Schleifer, jedoch fordere ich schon einiges ein und das dann auch mit Nachdruck. Ich versuche allerdings auch, dass wir gemeinsam Spaß haben, schließlich ist Fußball mit Spaß verbunden. Und den sollen die Jungs an der Sache haben.
Ihr startet am Sonntag beim FSV Frankfurt in die Rückrunde. Das Hinspiel ging 2:3 verloren. Was erwartest du vom Spiel und mit welcher Zielsetzung geht ihr in die Partie?
Ich will da gewinnen und weiß, dass wir Frankfurt mit einer guten Leistung schlagen können. Das ganze Auftreten der Mannschaft in der Vorbereitung stimmt mich positiv und ich hoffe, dass die Jungs die Wichtigkeit des Spiels erkannt haben, konzentriert an die Sache rangehen und auch beherzigen, dass sie nur als Team Erfolg haben können.
Und was macht dich zuversichtlich, dass ihr die Klasse halten könnt?
Wir haben die Qualität um den Klassenerhalt zu schaffen. Wir müssen es nur zeigen. Der Nichtabstieg ist das Ziel und das wollen wir unbedingt erreichen.











