Stürmischer Trares beschert KSC ersten Heimerfolg
(eis) Nur 7.500 Zuschauer hatten den Weg in den Karlsruher Wildpark gefunden, als der Anpfiff zur Zweitligabegegnung des KSC gegen Union Berlin ertönte. Der Grund dafür war aber wohl weniger im sportlichen Bereich zu suchen konnten die Blauweißen doch zuletzt bei Eintracht Braunschweig den ersten Saisonerfolg einfahren es war viel mehr das schlechte Wetter, dass den Badenern eine eher magere Heimspielkulisse bescherte.Die wenigen Wetterfesten, die dennoch gekommen waren, wurden dann aber mit dem ersten Heimsieg der laufenden Spielzeit belohnt. Mit 3:2 (1:0) behielten die Hausherren gegen die Gäste aus der Bundeshauptstadt die Oberhand und rangieren mit neun Zählern nunmehr auf Tabellenplatz 15 nur noch auf Grund des schlechteren Torverhältnisses hinter Ahlen auf einem Abstiegsrang.
Eine "weltklasse Moral" attestierte Cheftrainer Lorenz Günther Köstner seiner Truppe nach dem Spielende, zufrieden mit dem unkontinuierlichen Spiel seiner Elf war der 50 Jährige aber nicht. "Wir hatten schon einige Chancen, das Glück hat uns aber gefehlt", stimmt sein Gegenüber, Ivan Tischanski, zu. Der Interimstrainer der Berliner ringt sich aber dennoch ab: "Alles in Allem war es aber in jedem Fall ein verdienter Sieg für den KSC."
Und in der Tat der Spielverlauf erinnerte lange Zeit an vergangene Auftritte dieser Saison. Zwar erzielte Bruno Labbadia nach einem viel versprechenden Start den frühen Führungstreffer, dann folgte aber der Einbruch. Doch auch Köstner hat keine Erklärung für das plötzliche Stocken im Spiel seiner Schützlinge, das ihnen erneut zwei Gegentore binnen weniger Minuten bescherte: "Ich kann mir das nicht erklären Berlin hatte keine Chancen und trotzdem haben wir uns hinten rein drängen lassen." Der erneut starke Aydin Cetin und Joker Bernhard Trares sorgten aber dafür, dass sich an diesem Sonntag dennoch alles zum Guten wenden sollte.
Die Badener begannen mit unveränderter Anfangsformation. Trainer Köstner hatte keinen Grund zum Wechseln, Alternativen hingegen auch nicht. Die unveränderte Verletztensituation (Eggimann, Hassa und Fuchs fielen aus) dünnte den KSC Kader soweit aus, dass Köstner nur sieben von acht Plätzen auf der Karlsruher Reservebank besetzte: "Ich hätte noch einen Spieler von den Amateuren nachziehen können. Aber ich halte nichts davon die Bank nur aufzufüllen, damit sie voll ist da muss schon Leistung dahinter stehen."
Berlin Coach Tischanski, im zweiten Spiel nach der Beurlaubung Georgi Wassilevs auf der Trainerbank, stellte sein Team auf drei Positionen um: Der Ex Karlsruher Michael Molata musste verletzt passen, Igwe und Vidolov nahmen auf der Bank Platz. Dafür liefen Jan Sandmann, Hristo Koilov und Sixton Veit von Beginn an auf.
Die erste Großchance der Begegnung hatten die Gäste, als Koilov sträflich allein gelassen an Keeper Walter scheiterte (8.). Zehn Minuten später hieß es allerdings 1:0 für den KSC: Bruno Labbadia verwandelte eine Freistoßflanke Marco Engelhardts per Flugkopfball zu seinem dritten Saisontreffer. Danach erlahmte die Partie, einzig Ivan Saenko sorgte mit einem Schuss ans Außennetz des Union Tores in Durchgang eins nochmals für Aufregung.
Unmittelbar vor und nach dem Halbzeitpfiff von Schiedsrichter Günter Perl wirkte der KSC wie konsterniert, die Rotweißen gingen aber fahrlässig mit den ihnen gegebenen Räumen um. Zunächst musste erneut Thomas Walter gegen den frei stehenden Keita retten (50.), in der 52. Minute war es erneut der eingewechselte Senegalese, der unbedrängt am Kasten vorbei zielte. KSC Trainer Köstner wollte den knappen Vorsprung nun über die Zeit retten und brachte Routinier Trares in die Partie zunächst ein falsches Signal. Zwar hätte Labbadia in der Folgezeit den Sack zumachen können, als er knapp an einer passgenauen Flanke Gabriel Melkams vorbeisegelte (57.), doch dann wurde es turbulent für die Gastgeber.
Nach einer gespielten Stunde ließ sich Thijs Waterink als letzter Mann in einen Zweikampf mit dem heranstürmenden Baumgart verwickeln und dieser behielt nicht nur gegen den Niederländer, sondern auch im anschließenden Duell mit KSC Keeper Walter die Oberhand und schob zum zwischenzeitlichen 1:1 Ausgleich ein. Keine 60 Sekunden später schockte Ronny Nikol die frierenden blauweißen Fans mit einem Freistoß an die Karlsruher Querlatte, ehe Hristo Koilov, erneut nach einem haarsträubenden Abwehrfehler, die Partie umdrehte (63.). Doch das Spiel blieb turbulent, der KSC drückte wieder. Nur zwei Minuten nach dem Rückstand erreichte ein Eckstoß Clemens Fritz den am linken Strafraumeck stehenden Aydin Cetin und dieser hob den Ball über den schwachen Union Schlussmann Beukert hinweg zum 2:2 in die Maschen. Allerdings lässt sich dem jungen Türken bei seinem Kunstschuss angesichts der starken Windböen nur eine wage Absicht unterstellen. "Ist doch egal! Hauptsache, er war drin", jubelte dieser nach dem Abpfiff, reicht aber grinsend nach: "Ich wollte eigentlich schon flanken."
Zwar kam dem KSC in dieser Situation der kräftige Wind zu Gute, im restlichen Spielverlauf machten die äußeren Bedingungen allen Akteuren aber schwer zu schaffen. "Unsere Standards kamen am Anfang gar nicht gut, da hat der Wind seinen Teil dazu beigetragen", so Lorenz Günther Köstner, der den eifrigen Engelhardt hervorhob: "Zum Glück hat sich Marco davon nicht beeindrucken lassen und hat es kontinuierlich weiter versucht."
Nachdem elf Minuten vor dem Schlusspfiff Hristo Koilov gelb rot gesehen hatte, avancierte Bernhard Trares zum Matchwinner: Zunächst erreichte Labbadia eine von Beuckert unterlaufene Flanke des ältesten KSC Akteurs nicht (80.), mit vertauschten Rollen funktionierte es dann aber: Nach einer Oldie Kombination, dem Doppelpass mit Labbadia, ließ Trares Beuckert keine Chance und erzielte in der 82. Spielminute den 3:2 Endstand.
Von einem Abwehrproblem seiner Mannschaft sprach nach dem Schlusspfiff Union Trainer Tischanski: "Bei 18 Gegentreffern aus den letzten fünf Spielen muss man das wohl in Betracht ziehen." Zugleich äußerte der Bulgare verhaltene Kritik am Unparteiischen: "Das zweite Foul war keine gelbe Karte. Das hat uns sehr getroffen, das Spiel stand zu diesem Zeitpunkt auf der Kippe und mit Koilov hat es einen unserer Besten erwischt."
Über den ersten Heimsieg der Badener freute sich hingegen KSC Trainer Köstner, froh darüber war "den Zuschauern, die trotz des Wetters den Weg in den Wildpark gefunden hatten, etwas geboten zu haben."
Einen kämpferisch engagierten Eindruck des Gewinners nahm dann auch Mainz 05 Trainer Jürgen Klopp mit nach Hause, der im Wildpark seinen kommenden Gegner unter die Lupe nahm. Bei den Rheinhessen müssen die Karlsruher am kommenden Montag, 20.15 Uhr, antreten.











