SG Dynamo Dresden: Das große Ziel in Sichtweite

von David Ruf

Die Begeisterung in der sächsischen Landeshauptstadt war riesig, als die SG Dynamo Dresden am 24. Mai des vergangenen Jahres mit einem 3:1-Erfolg nach Verlängerung beim VfL Osnabrück die Relegation für sich entschieden hatte und nach dem Abstieg 2006 wieder in die 2. Bundesliga zurückkehrte.

Von Andreas Kleber
Einer, der am darauf folgenden Tag bei der großen Party am Dresdner Altmarkt von knapp 20.000 Dynamo-Anhängern besonders begeistert gefeiert wurde, war SG-Coach Ralf Loose. Der gebürtige Dortmunder hatte das Traineramt erst am 12. April von Matthias Maucksch übernommen und den achtmaligen DDR-Meister mit sechs Siegen und zwei Unentschieden aus acht Spielen sensationell in die zweithöchste deutsche Spielklasse zurückgeführt.

Der Aufstieg war vor allem aus finanzieller Sicht betrachtet extrem wichtig, denn die über die Jahre angehäuften Verbindlichkeiten lasteten schwer auf den Schwarz-Gelben. Vermutlich wäre beim Nichtaufstieg die Lizenzerteilung in erheblicher Gefahr gewesen. Während die Fans noch in Euphorie schwelgten und ausgelassen „nie mehr 3. Liga“ skandierten, waren die Verantwortlichen von Dynamo bereits aktiv mit der Zusammenstellung eines schlagkräftigen Kaders beschäftigt. Die Zeit drängte, da der Aufstieg über den Umweg Relegation erst sehr spät gelang, und der Spielbetrieb der 2. Liga außerordentlich früh startete. Da gleich 14 Akteure – darunter etliche Stammspieler - dem Verein den Rücken kehrten und aufgrund der finanziell angespannten Situation keine allzu großen Sprünge möglich waren, wurden Sportdirektor Steffen Menze und Loose vor eine Herkulesaufgabe gestellt. Die aber haben sie, wie ein Blick auf die Tabelle belegt, mit Bravour gelöst. Mit 36 Punkten belegte Dynamo nach 28. Spieltagen einen respektablen neunten Tabellenplatz und sollte mit dem Thema Abstieg nichts mehr zu tun bekommen.

Ein glückliches Händchen haben Loose und Menze vor allem bei den Verpflichtungen der beiden Angreifer Zlatko Dedic (VfL Bochum), Mickael Poté (OGC Nizza) sowie Torhüter Wolfgang Hesl (HSV)  bewiesen. Während Dedic und Poté mit elf beziehungsweise neun Toren knapp die Hälfte aller Dresdner Treffer erzielt haben, überzeugte der 26-jährige Hesl mit hervorragenden Leistungen zwischen den Pfosten. Ursprünglich als Vertreter für Dennis Eilhoff verpflichtet, hütete Hesl nach dessen Verletzung seit dem 9. Spieltag das Tor der Dresdner. Ob der gebürtige Oberpfälzer, der sein Profidebüt im Übrigen beim 7:0-Erfolg des HSV gegen den KSC am 17. Mai 2008 bestritt, als er 15 Minuten vor dem Ende der Partie für Frank Rost eingewechselt wurde, heute mitwirken kann, stand vor Druckbeginn dieser Wildpark Live-Ausgabe noch in den Sternen. Beim Auswärtsspiel in Paderborn am 17. Februar hatte sich der Stammkeeper von Dynamo den kleinen Finger der linken Hand gebrochen, woraufhin ihm die Ärzte eine Auszeit von zirka acht Wochen prognostizierten. Ein weiterer Rückschlag für die ohnehin von Verletzungspech gebeutelten Sachsen. Sollte Hesl gegen den KSC erneut zum Zuschauen verdammt sein, wird erneut Aufstiegsheld Benjamin Kirsten in die Bresche springen.

Der Name Kirsten hat in Dresden im Übrigen Tradition: Benjamins Vater Ulf – ehemals deutscher Nationalspieler - trug von 1983 bis 1990 das Trikot der SG und erzielte in 154 Spielen 57 Tore. Ein Wiedersehen gibt es heute gleich mit zwei ehemaligen Karlsruhern. Da wäre zum einen Gerrit Kirsch, der von 2005 bis 2007 für die zweite Mannschaft des KSC in der Regionalliga gegen den Ball trat und der 2008 über den Umweg Sportfreunde Siegen den Weg nach Dresden fand. Erst seit dieser Spielzeit im Kader der Sachsen steht Innenverteidiger Martin Stoll. Der gebürtige Heidelberger kickte einst für die B-Jugend des KSC und kehrte nach einem Abstecher zum VfB Stuttgart wieder nach Karlsruhe zurück, wo er von 2002 bis 2009 155 Spiele für den KSC II (44) und die Profis (111) bestritt.


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