Service: Radio für Sehbehinderte geplant

von Sandra Walzer

Schließen Sie nach dem Anpfiff doch mal für fünf Minuten die Augen. Und, wie läuft das Spiel? Keine Ahnung? Macht so keinen Spaß? In Ordnung. Machen Sie die Augen wieder auf. Und spenden Sie bitte Ihren Getränkebecher in der Halbzeit oder nach dem Spiel gegen Heidenheim für eine ganz besondere Aktion: „KSC mit allen Sinnen erleben“.

Denn das sollen alle unsere Fans können. Auch die, die nicht einfach wieder die Augen aufmachen und das Spiel sehen, sondern mit Sehbehinderung ins Stadion kommen.

Unter den Tausenden von KSC-Fans sind auch solche, die schlecht oder gar nicht sehen können, was auf dem Rasen unten passiert. Die aber sehr wohl hören können, wie die Fans unser Team anfeuern, wie sich das vielfache „Ooouuuh“ anhört, wenn der Ball knapp am Tor vorbei geht oder wie die Namen bei der Aufstellung gerufen werden.

Was fehlt, ist jemand, der das Spielgeschehen kommentiert. Dieser Jemand soll nun schon bald gefunden werden. In Kooperation und enger Zusammenarbeit des KSC mit dem Cent hinterm Komma e. V., einer der führenden Interessenvertretungen für Menschen mit Behinderung in der Fächerstadt, ist dazu eine Idee entstanden. Schon seit dem Sommer intensivieren die Kooperationspartner ihre Überlegungen, wie im Wildpark noch mehr für die Fans mit Behinderung getan werden kann. Jetzt geht es ganz konkret um eine Moderationsanlage und ein umfassendes Audio-Angebot, das sehbehinderten Fans ein Rundum-hautnah-Stadionerlebnis ermöglichen soll.

In vielen anderen Arenen gehört das schon längst zur Normalität, im Wildpark soll es das jetzt werden. Auf der Bundestagung der Behindertenbeauftragten im Mai 2003 wurde das Modell erstmals von Bayer Leverkusen vorgestellt, Arminia Bielefeld folgte 2005. Dort haben die sehbehinderten Anhänger eigens eingerichtete Plätze zur Verfügung, werden mit Kopfhörer und Funkempfänger ausgestattet und verfolgen die Spiele der Arminia hörend – um sich so ihr Bild der Partie machen zu können.

In Karlsruhe setzt sich Carsten de la Porte dafür ein, das Audio-Projekt zu realisieren. Der KSC-Fanbetreuer für Menschen mit Behinderung ist Geschäftsführer bei Cent hinterm Komma und seit 15 Jahren im Verein aktiv. „Hier geht es darum, den Fans einen echten Stadionbesuch zu ermöglichen. Mit Moderatoren, die das Geschehen auf dem Platz für die sehbehinderten Besucher kommentieren, mit der Stadionatmosphäre, die ihr Übriges tut, um den Live-Charakter zu transportieren.“ Weil eben einfach nichts über ein Livespiel geht, wollen KSC und Cent hinterm Komma mit der Aktion „KSC mit allen Sinnen erleben“ Spendengelder sammeln, um die Anlage, die Empfänger sowie alles Nötige finanzieren zu können. Startschuss war bereits gegen Wehen Wiesbaden mit Spendenpyramiden, die in den Logen aufgestellt wurden und die dort noch das ganze restliche Jahr befüllt werden dürfen. AmSamstag gegen Heidenheim sammeln Fans und beide Vereine außerdem leere Getränkebecher in den extra von KSC-Wildparkpartner Kühl zur Verfügung gestellten Blauen Tonnen – der Pfanderlös geht dann ebenfalls an das neue Projekt. So greift sich die blau-weiße Familie gegenseitig unter die Arme: Das Entsorgungsunternehmen ist Partner des KSC in der Abfallentsorgung und hat sich sofort bereit erklärt, hier mit Becher-Sammelbehältern zu helfen.

Von den Supporters wurde sofort Unterstützung beim Bechersammeln angeboten, und auch KSC-Medienpartner die neue welle ist dabei. Denn das Projekt steht und fällt mit den Kommentatoren, die die Auftritte von Dirk Orlishausen & Co. für die sehbehinderten Fans begleiten. Eben diese Kommentatoren werden über die neue welle gesucht; in einem Wettbewerb, der in Kürze startet. Aufgabe wird sein, eine echte KSC-Spielszene zu kommentieren und sich dann einem Voting zu stellen. Daraus werden die Gewinner ermittelt: zum Start sollen es zwei Moderatoren sein, die Spaß am Kommentieren haben und die sich bereit erklären, den sehbehinderten Stadionbesuchern die Spiele quasi zu übersetzen. Nach und nach soll dann ein Pool von mindestens sechs ehrenamtlichen Moderatoren entstehen, um eine kontinuierliche Besetzung zu gewährleisten.

Ab dem ersten Heimspiel 2013 soll die Anlage in Betrieb genommen werden, zehn Empfänger-Plätze stehen zu Beginn zur Verfügung, die über Carsten de la Porte vor jedem Spiel reserviert werden können. Kommt das Angebot an, lässt sich das Kontingent in Zukunft auch noch erweitern.

KSC mit allen Sinnen erleben: Machen Sie es möglich! Geben Sie am Samstag Ihren Becher nicht zurück, sondern werfen ihn in eine der Blauen Tonnen und spenden Sie damit Ihren Pfandbetrag. Und wenn Sie mehr tun wollen (oder keinen Durst haben): Spenden können Sie natürlich auch direkt, das Spendenkonto finden Sie unten. Der komplette Erlös aus Pyramiden, Becherpfand-Aktion und weiteren Spenden kommt dem Audio-Projekt zugute.

Und alle Hobby-Kommentatoren: Ölen Sie schon mal Ihre Stimme. Wir sind gespannt auf packende, detaillierte, lockere und interessante Moderationen, die wir uns garantiert auch mal mit geschlossenen Augen anhören.    
Text: Sandra Walzer 

Spendenkonto:
„KSC sinnlich“
Konto 199 199 0
BLZ 66090800
BBBank Karlsruhe


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