"Sehe beim KSC die besseren Perspektiven"
Er zieht die Fäden im Mittelfeld und blickt mit seinen jungen Jahren auf ereignisreiche Monate zurück. „Jesper ist sehr fleißig und arbeitet viel für das Team", beschreibt ihn U19-Trainer Marco Wildersinn. "Nicht zuletzt wegen seinem großen Kämpferherz ist er Kapitän der Mannschaft." Auch andernorts sind die Qualitäten des Jesper Brechtel nicht verborgen geblieben. Im Interview mit der Nachwuchsredaktion von ksc.de sprach der sympathische 19-Jährige über sein Debüt in der finnischen Nationalmannschaft, seine großen Ziele und finnischen Eigenschaften.

Vor rund einem Jahr hast du dein Debüt in der U18 der finnischen Nationalmannschaft gefeiert, kurz darauf folgte die Berufung in die U19. Beim KSC führst du die Mannschaft als Kapitän an. Lass für uns deine beeindruckendsten Erlebnisse der letzten Monate doch einmal Revue passieren.
Einen bleibenden Eindruck hat bei mir sicher die Teilnahme am Granatkin Cup in St. Petersburg Anfang letzten Jahres hinterlassen. Ich habe damals meine ersten Nationalspiele gemacht und wurde im Endspiel zum besten Spieler des Finales gewählt. Ein Höhepunkt war auch ein Testspiel gegen die U19 Englands im November vor 4.000 Zuschauern. Die Atmosphäre hat einfach Lust auf mehr gemacht. Beim KSC war die ganze letzte Saison toll. Dieses Jahr ist es eben ein bisschen schwerer.
Seit Dezember kannst du dich auch vielversprechendster Spieler Finnlands nennen. Was ist das für ein Gefühl?
Ein sehr schönes. Vor mir erhielt Thomas Lam, der bei AZ Alkmaar unter Vertrag steht, die Auszeichnung. Das macht mich natürlich stolz und ist ein Ansporn, auch einmal wie er in der Ersten Liga zu spielen.
Was verbindest du persönlich mit Finnland?
Finnland ist ein Stück meiner Herkunft. Ich bin zweisprachig aufgewachsen, meine Mutter kommt aus Finnland. Früher haben wir dort die Sommer- und Winterferien verbracht, manchmal auch die Herbstferien. Jetzt für die Nationalmannschaft spielen zu dürfen, ist eine Ehre. Das mir entgegengebrachte Vertrauen will ich mit Leistungen zurückzahlen.
Wie deutsch oder finnisch bist du denn?
Das kann ich gar nicht so genau sagen. Da ich in Deutschland aufgewachsen bin, fühle ich mich natürlich auch deutsch, aber ich kann mich genauso gut mit dem finnischen identifizieren. Die deutsche Disziplin trifft auf mich zu, gleichzeitig sehe ich als Finne aber viele Dinge auch lockerer. Wobei sich das mit der Lockerheit auf dem Platz auch schnell wieder ändert.
Das Klischee "Finne mit Sauna im Haus" erfüllst du also nicht?
Doch, eine Sauna haben wir zuhause. Ohne Sauna geht's nicht (lacht).
Du warst im vergangenen Jahr viel mit der Nationalmannschaft unterwegs und standest dadurch auch einige Wochen dem KSC nicht zur Verfügung. Wie hast du die Zeit erlebt? Fehlt dir manchmal auch eine stressfreie Jugend?
Die Ergebnisse der Mannschaft habe ich natürlich immer verfolgt. Besonders schade war für mich, dass ich unser Spiel im DFB-Pokal gegen den HSV verpasst habe. Umso mehr freut es mich aber, dass wir das Viertelfinale erreicht haben.
Dass ich etwas in meiner Jugend verpasse, denke ich gar nicht. Ich erlebe Sachen, die andere in meinem Alter nicht erleben. Ich spiele gegen Bayern München in der Liga und andere nicht. Ich bin mit der Nationalmannschaft auf Reisen und sehe viele Länder. Das wollte ich unbedingt und all das ist es mir auch wert.
Während der Saison 2010/11 bist du zum zweiten Mal vom 1. FC Kaiserslautern zum KSC gewechselt. Was waren die Gründe dafür?
Die Rückkehr nach Kaiserslautern hat sich für mich sportlich als Reinfall erwiesen. Nachdem ich vom Internat wieder nach Hause gezogen bin, hat der Trainer mich nicht mehr aufgestellt. Zum Glück habe ich eine zweite Chance beim KSC bekommen und konnte noch im Winter in den Wildpark zurückkehren. Das war auch im Nachhinein die richtige Entscheidung. Ich sehe hier einfach die besseren Perspektiven.
Wie würdest du dich als Spieler charakterisieren? Wo liegen deine Stärken?
Ich denke, dass ich über ein gutes Zweikampfverhalten, eine gute Übersicht und ein präzises Passspiel verfüge. Das ist aber schwer selbst du beurteilen, das sollen andere tun.
Was hast du dir für den weiteren Saisonverlauf vorgenommen?
Ich will mich weiter verbessern, gut spielen und mich für den Profikader empfehlen. Das oberste Ziel, für die Mannschaft und für mich persönlich, ist aber der Nichtabstieg.
Und wo siehst du dich selbst in fünf Jahren?
Ich hoffe, in der A-Nationalmannschaft und in der Ersten Liga. Und das am Liebsten mit dem KSC. Aber jetzt erstmal eins nach dem anderen.











