Ohne Weis und Seitz nach Berlin / In zwei bis vier Wochen wird Ergebnis des Lizenzierungsverfahrens erwartet

(eis) Als am 16. November des vergangenen Jahres der Schlusspfiff der Zweitligabegegnung des Karlsruher SC gegen den 1. FC Union Berlin (1:1) ertönte, verließen die Karlsruher das Feld als Tabellensechster, die Gäste aus der Bundeshauptstadt rangierten, mit einem Punkt weniger, auf Position acht. Wohin die Reise der beiden Clubs im weiteren Saisonverlauf gehen sollte, war zu diesem Zeitpunkt daher noch völlig offen. Am kommenden Freitag, 19 Uhr, treffen die beiden Teams erneut aufeinander, dieses Mal in der "Alten Försterei" zu Berlin. Für beide beteiligten Teams ist diese Partie von enormer Wichtigkeit. Der FC Union liegt mit exakt 50 Zählern nur fünf Punkte hinter den drittplazierten Bielefeldern zurück, der KSC ziert momentan den 13. Tabellenrang und konnte sich erst am vergangenen Samstag mit dem 2:1 Heimsieg gegen die SV Babelsberg vorübergehend ein wenig Luft im Abstiegskampf verschaffen.

Über den Grund für den unterschiedlichen Saisonverlauf der beiden Teams muss der Karlsruher Cheftrainer Stefan Kuntz nicht lange nachdenken: "Die Berliner konnten bedingt durch ihre Uefa Cup Teilnahme in der Winterpause personell nochmals nachrüsten, einige der Spieler haben sich mittlerweile auch zu Stammspielern etabliert." Kuntz hingegen blieb der Luxus eines Spielernachkaufs verwehrt, Resignation ist rund um den Wildpark allerdings dennoch nicht angesagt. So fehlt es auch nicht am nötigen Optimismus, mit dem die Blau Weißen die schwere Auswärtspartie angehen möchten. Man fahre nach Berlin um dort Punkte zu holen, die der Mannschaft keiner zutraue, die im Abstiegskampf aber enorm wichtig seien, so der Übungsleiter. "Ich habe meinen Spielern gesagt, sie sollen in den anstehenden fünf Endspurt Wochen ihr gesamtes Augenmerk auf den Fußball legen und alles andere außen vor lassen. Die Grundidee ist, dass sich jeder einzelne sein Umfeld so gestaltet, damit er für nichts auch nur ein Prozent Kraft lassen muss, die ihm und uns nachher fehlen könnte.", erläutert Kuntz die Marschroute, die er seinem Kader für die kommenden Wochen auferlegt hat.

Die Reise in die Bundeshauptstadt tritt der Blau Weiße Tross mit einem geringfügig reduzierten Kader an. Tobias Weis laboriert nach wie vor an Kniebeschwerden und wird am kommenden Montag in Heidelberg arthroskopiert werden, am heutigen Mittwoch gesellte sich Holger Seitz auf die Verletztenliste. Der 27 Jährige verletzte sich im Mannschaftstraining bei einem Zweikampf mit Thijs Waterink, auf Grund seines anschwellenden Knöchels wird Seitz morgen früh nicht mit dem restlichen Team den Zug besteigen, sondern in heimischen Gefilden verweilen.

Bestätigen konnte der Chefcoach den Kontakt von Erstligaaufsteiger Hannover 96 zu den beiden vor Saisonbeginn von Erfurt gekommenen Clemens Fritz und Marco Engelhardt: "Ja, ich bin über die Nachfrage und die Verhandlungen mit Hannover informiert", antwortet Kuntz trocken und kann sich einen Seitenhieb auf seinen Trainerkollegen Ralf Rangnick dabei nicht verkneifen: "Natürlich bin ich über den Zeitpunkt, an dem Hannover damit an die Öffentlichkeit geht, alles andere als glücklich." Rangnick habe das wohl in der Aufstiegseuphorie einfach rauslassen müssen. Dabei solle er sich durchaus einmal an die eigene Nase fassen und sich die Frage stellen, wie ihm das gefallen würde, ginge es bei seinem Team noch um die "Wurst". Von Kollegialität zeuge dieses Verhalten sicherlich nicht.

Das alles ändere allerdings nichts an der Tatsache, dass die beiden darüber informiert seien, was man beim KSC in den kommenden Wochen von ihnen erwarte.
In der durch das Gerangel um Fritz und Engelhardt aufkommende Frage nach den Planungen für die kommende Spielzeit, kann weder Kuntz, noch Hauptgeschäftsführer de Buhr Neuigkeiten vermelden. "Natürlich kann ich gar nicht planen, so lange nicht feststeht, in welcher Liga wir kommende Saison antreten.", so Kuntz.

Ob die Klassenzugehörigkeit des KSC alleine vom sportlichen Werdegang abhängt, wird wohl Mitte bis Ende des Monats geklärt sein. Dann erwartet de Buhr nämlich die Lizenzierung durch die Deutsche Fußball Liga (DFL) (für den Profifußball) beziehungsweise durch den Deutschen Fußball Bund (DFB) (für die Regionalliga).
"Die Lizenzierung ist immer wieder ein recht langwieriges Verfahren, es gibt alljährlich etliche Rückfragen zu klären, ehe das ganze dann in den Lizenzierungsausschuss geht.", so de Buhr. "Die ganzen Vereine werden eigentlich in drei Töpfe aufgeteilt: Die einen sind wirtschaftlich dermaßen betucht, dass eine größere Prüfung gar nicht von Nöten ist, im zweiten Topf sind die Vereine, bei denen es dann lediglich um kleinere Auflagen geht und im dritten dann die, die man sich etwas genauer anschauen muss."
Auf die Nachfrage, in welchem Topf sich der Karlsruher SC dabei befinde, antwortet der Hauptgeschäftsführer ganz offen, dies sei durchaus der Dritte.
Trotzdem geht man beim KSC davon aus die Lizenz für die kommende Spielzeit sowohl für die Zweite Liga, als auch für die Regionalliga zu erhalten und sollte die nähere sportliche Zukunft mit einem Punktgewinn am Freitag Abend schon deutlichere Konturen annehmen, so können auch bald die Planungen für die nächste Spielzeit anlaufen.


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