Mitglieder wählen Raase zu Seilers Nachfolger

(eis) "Ich danke Ihnen für Ihr Vertrauen ich werde das, was ich mir vorgenommen habe, auch schaffen!" Markige Worte wählte Hubert Raase für seinen Einstand als Präsident des Karlsruher SC. Bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung des Fußballzweitligisten votierten 293 der anwesenden 322 KSC Mitglieder mit "ja" und wählten den 58 Jährigen somit bis zum Ende der laufenden Legislaturperiode (August 2003) zum Nachfolger Gerhard Seilers.

Der ehemalige Oberbürgermeister Seiler war nach dem Rücktritt seines Vorgängers Detlef Dietrich erst im vergangenen Februar als Notvorstand eingesetzt worden, ehe ihn die Mitglieder im April dann auch formal zum Präsidenten wählten. "Ich habe ja bereits im September angedroht mein Amt noch vor dem Ende der Amtszeit zur Verfügung stellen werde", leitete der 72 Jährige seine kurze Abschieds Ansprache ein. "Ich habe getan, was ich tun konnte; die Kraft noch mehr zu leisten habe ich nicht mehr, jetzt sind andere gefragt."
Seiler übernahm den Verein, als dieser finanziell mit dem Rücken zur Wand stand. Durch viel Engagement und harte Arbeit bescherte der Ex OB dem KSC doch die erhoffte DFL Lizenz für die laufende Spielzeit. "Das war eine ganz knappe Sache", so der als "Retter" gefeierte Ex Präsident, der zeitgleich den Finger erhebt: "Es wird auch in diesem Jahr schwer werden die Lizenz zu erhalten auf meinen Nachfolger wartet eine Menge Arbeit!" Die unabdingbare Voraussetzung dafür sei der Klassenerhalt und eine möglichst gute Platzierung der Profimannschaft am Saisonende. Andernfalls würden die Finanzen zusammenzubrechen und dem KSC drohe der Abstieg in die Oberliga.

"Ich kenne Herrn Raase erst kurz. Aber die Gespräche mit ihm haben mir gezeigt, dass er der richtige ist", so Seiler weiter. Ursprünglich hatten sich drei Kandidaten für das Amt des Präsidenten zur Verfügung gestellt, einer davon erfüllte nicht die satzungsgemäßen Voraussetzungen und wurde daher auch nicht namentlich genannt. Weiterer Mitbewerber war der Verwaltungsratsvorsitzende Peter Mayer, der seine Kandidatur aber bereits im vergangenen Monat zu Gunsten Hubert Raases zurück zog. Die Qual der Wahl ihres neuen Vereinsoberhauptes hatten die Mitglieder also nicht. "Ich halte es aber für sinnvoll, dass in unserer Situation kein Wahlkampf geführt werden musste", merkte Seiler noch an, ehe er das Mikrofon an seinen designierten Nachfolger übergab.
Fachlich bringt der gebürtige Weimarer die besten Voraussetzungen mit um einen Fußballverein zu Führen: Seit 33 Jahren führt der Kaufmann seine gleichnamige Agentur für Werbemittel mit internationaler Ausdehnung. "Der KSC ist heute ein Wirtschaftsunternehmen und muss auch so geführt werden. Gerhard Seiler hat den Weg vorgegeben und ich möchte diesen erfolgreich weiterführen", so Raase, der in seiner Freizeit selbst beim "Sunshine Team 72" gegen den Ball tritt. Die Grundlagen um diese Herausforderung zu meistern gliedert Raase in vier Hauptfelder: Den wirtschaftlichen, sowie sportlichen Bereich, die Abteilungen des Vereins und eine professionelle und flexible Struktur im kaufmännischen Bereich. Sportlich sieht der "Neue" mit der Verpflichtung von Cheftrainer Lorenz Günther Köstner den Grundstein zum Klassenerhalt gelegt, "wirtschaftlich wurden von Professor Seiler die Grundlagen für ein Überleben geschaffen".
Langfristig möchte der Präsident mit der Ausgliederung der Lizenzspielerabteilung ebenfalls dem Weg seines Vorgängers folgen: "In unserer derzeitigen Situation brauchen wir darüber gar nicht zu reden. Aber zu gegebener Zeit würde ich auf alle Fälle ausgliedern", hatte Seiler seinem Nachfolger zuvor mit auf den Weg zu gehen. "Aber auch der Umbau des Wildparkstadions darf unter keinen Umständen aus den Augen verloren werden", fährt Hubert Raase fort. "Irgendwann wird auch der treueste Fan das Stadion meiden, wenn wir ihm nicht wenigstens den Komfort anbieten können, der anderswo Selbstverständlichkeit geworden ist." Auch den Sprung zurück ins Fußballoberhaus zu schaffen und sich dort zu etablieren, sei durchaus im Blickfeld "auch, wenn die sportliche Situation derzeit ganz klar das Setzen anderer Prioritäten verlangt".

Die Dankesworte an den ausscheidenden Gerhard Seiler überbrachte Peter Mayer, der im 72 Jährigen "den idealen Präsidenten in dieser schweren Phase" sieht. "Wenn du gewusst hättest, was auf dich zukommt, hättest du wahrscheinlich nein gesagt". Und der Vorsitzende des Verwaltungsrates ergänzt: "Gott sei Dank hast du es vorher nicht gemerkt..." Zum Abschied aus dem Amt des Präsidenten bemühte Seiler ein Wortspiel seiner ehemaligen Gemeinderatskollegen nach seinem Ausscheiden als Oberbürgermeister: "Ich habe immer gesagt, ich bin jetzt ein ein OB im Ruhestand oder auch in Reichweite. Ab heute bin ich auch noch ein EMiR ein Ehrenmitglied im Ruhestand; aber ebenfalls in Reichweite!". Nur, und das betont der Finanzwissenschaftler nicht ohne sich die ein oder andere Träne aus den Augen wischen zu müssen, "weit außerhalb der Verantwortung. Ich trete erst in Aktion, wenn das Präsidium mich um meine Hilfe bittet." Verlieren wird der badische Traditionsverein Seiler auch nach dem Ende seiner Mission nicht: "Ich habe auf der Tribüne meinen festen Platz, seit es das Stadion gibt. Auf dem möchte ich auch in Zukunft in aller Ruhe die Spiele meiner Lieblingsmannschaft verfolgen."


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