Mit ehrlichem Fußball Zuschauer zurückgewinnen

(eis) Drei Tage ist Lorenz Günther Köstner Cheftrainer des Karlsruher SC und in nicht einmal 48 Stunden wird der Fußballlehrer zum ersten Mal auf seinem künftigen Arbeitsplatz, der Trainerbank im Karlsruher Wildparkstadion, Platz nehmen. Und bis am Sonntag (15 Uhr) der Anpfiff zur Zweitligabegegnung der Karlsruher gegen den VfB Lübeck ertönt, hat der "Neue" noch allerhand zu tun. Die ersten fünf ausgedehnten Trainingseinheiten unter seiner Regie nutzte der 50 Jährige vorwiegend um sich ein Bild vom vorhandenen Kader zu verschaffen und die Spieler in Einzelgesprächen kennen zu lernen. Zur Verstärkung des Zweitgenannten und um das von Köstner geforderte "Wir Gefühl" zu forcieren, führte der Coach sofort nach Dienstantritt ein früher übliches Zeremoniell bei den Blauweißen wieder ein: Nach dem morgigen Abschlusstraining geht’s für den gesamten KSC Tross bis am Sonntag ins Hotel.

In der Frage, wen Köstner in seinem ersten Spiel für die Badener auflaufen lassen wird, knüpft der Übungsleiter nahtlos an das Verhalten seines Vorgängers Stefan Kuntz an: "Ich möchte nicht, dass die Spieler die Aufstellung aus der Zeitung erfahren." Und Anlass zu weitreichenden Umstellungen in der Startelf hat er angesichts der Leistung in Ahlen auch gar nicht einmal.

Personell könnte Köstner jedoch fast aus den Vollen schöpfen. Witold Wawrzyczek und Christian Hassa haben sich so langsam wieder an das Mannschaftstraining gewöhnt und stehen zur Verfügung wenn auch nicht über die gesamte Distanz. Ansonsten aber steht dem neuen Trainer bis auf den Langzeitverletzten Boehnke und Eggimann der komplette Kader zur Verfügung. Auch Stammkeeper Walter wird aller Voraussicht nach in die Startelf zurückkehren, er kann unter Schmerzmitteln wieder normal am Mannschaftstraining teilnehmen: "Wenn keine Reaktion auf die Belastung auftritt, wird er von Anfang an spielen."
In Amateur Ivan Saenko, unter Interimstrainer Pezzaiuoli zuletzt in der Anfangsformation, sieht Köstner durchaus eine Alternative im Offensivbereich, möchte sich aber auch hier nicht festlegen. "Ein Schiff in Seenot kann man auch nicht alleine jungen Matrosen überlassen; es kommt auf die richtige Mischung von jungen und erfahrenen Spielern an." und schon dreht es sich, das Personalkarussell. Von den "Oldies" gelten Geburtstagskind Kracht und Kapitän Waterink als gesetzt, ob Angreifer Labbadia und Ausputzer Trares aber von Beginn an auflaufen werden, bleibt weiter offen. Bei Bruno Labbadia lässt Köstner jedoch durchblicken: "Er ist natürlich der einzige Zentrumstürmer im Kader."

Das Hauptanliegen des Oberfranken an seine Schützlinge ist es den schnellen Abschluss zu suchen. "Es kann nicht sein, dass immer nach hinten gespielt wird" fasst Köstner das bisherige Manko an Karlsruher Torraumszenen zusammen.
Die finanzielle Situation des Sportclubs lässt er dabei nicht als Entschuldigung gelten: "Man kann auch mit weniger Geld Leistung abrufen." Ziel sei es mit "ehrlichem Fußball Zuschauer zurück zu gewinnen", denn: "Es erwartet keiner, dass die Mannschaft trickst aber, dass sie jeden Meter des Wildparks beackert."


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