Matip: "FCI gegen KSC ist absolutes Topspiel"

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Diese Saison hat der FC Ingolstadt erst ein Heimspiel verloren - nun geht es am Sonntag (13.30 Uhr) gegen den KSC. Großen Anteil am Erfolg hat FCI-Kapitän Marvin Matip, der auch eine halbe Saison in Karlsruhe verbracht hat. Matip über seine KSC-Zeit, alte Kontakte und die Meisterschaftsschale.

Marvin, der KSC hat am Montagabend gegen Leipzig 0:0 gespielt. Hast du das Spiel verfolgt?
Ja, klar. Der KSC hat das sehr gut gemacht und hätte das Spiel ganz klar gewinnen müssen. Da waren Riesendinger dabei. Aber die Tore sind nicht gefallen und deswegen müssen die Karlsruher mit einem Punkt zufrieden sein.
 
Ist das der Unterschied zu Spitzenreiter Ingolstadt? Entscheidende Tore machen?
Der KSC steht wie wir sehr gut da und dominiert seine Gegner. Vielleicht haben wir uns nur mehr belohnt und Karlsruhe zu viele Unentschieden nicht in Siege ummünzen können.
 
Du bist beim FC Ingolstadt in der Abwehr gesetzt und grüßt von der Tabellenspitze. Hast du vor der Saison damit gerechnet?
Nein, überhaupt nicht. Mir war klar, dass wir uns gut verstärkt hatten und letzte Saison gut zusammen gewachsen sind. Wir waren stabil und hatten nur zwei Niederlagen in der Rückrunde. Dass es so weit nach oben geht, war aber total überraschend.
 
Noch letzte Saison sah es beim FCI nach einem schlechten Start mit vier sieglosen Spielen fürchterlich aus. Was hat sich seitdem geändert?
Wir hatten nach neun Spielen vier Punkte und waren abgeschlagen letzter. Trainer Ralph Hasenhüttel hat viel mit der Mannschaft gesprochen und das war sehr wichtig. Wir haben uns defensiv gestrafft und diese Saison daraus ein gutes Pressing entwickelt.
 
Insgesamt ist das Rennen im oberen Tabellendrittel sehr spannend. Was muss ein Verein haben, um dieses Jahr aufzusteigen?
Wie jedes Jahr eigentlich eine stabile Defensive. Das hatten alle Aufsteiger in den letzten Jahren wie Köln oder Hertha BSC. Auch die jetzigen guten Defensiv-Mannschaften stehen wieder oben. Gerade in einer ausgeglichenen Liga wie wir sie haben braucht man Zu-Null-Spiele.
 
2010 wurdest du vom 1. FC Köln an den KSC ausgeliehen. Ein wahrer Last-Minute-Transfer. Wie ist er zustande gekommen?
Trainer Zvonimir Soldo hat mir klar gemacht, dass ich mir bei einem anderen Verein Einsatzzeiten holen sollte. Der KSC kam dann auf mich zu und die Truppe hat mir mit Timo Staffeldt, Lars Stindl und den ganzen Jungs sehr gut gefallen. Ich konnte dann in einer geilen Mannschaft viel Spielzeit sammeln und wir haben die Saison anständig zu Ende gespielt.
 
Welche Erinnerung ist dir an den Verein und an die Stadt geblieben?
Ich kam natürlich in eine turbulente Zeit zum KSC. Trotzdem habe ich viel Vertrauen von allen Seiten gespürt und ich freue mich sehr, dass es mit dem KSC so bergauf geht. Meine Erinnerungen sind durchweg positiv.
 
Pflegst du noch ein paar Kontakte in die Fächerstadt?
Eigentlich nur noch wenig. Mit Gaetan Krebs habe ich beim KSC zusammen gespielt, mit Ray Yabo beim 1. FC Köln. Aber der Fußball ändert sich schnell, auch in Karlsruhe. Guten Kontakt habe ich noch zu Daniel Gordon, den ich schon seit der E-Jugend in Bochum kenne. Mit Gordi war es immer lustig.
 
Dein Bruder Joel Matip spielt bei Schalke 04 und erlebt wöchentlich Bundesliga-Feeling. Kommt da Neid auf?
Kein Neid, aber er macht mir Lust auf die Bundesliga. Als Zweitligaspieler schaut man natürlich auch Bundesliga. Ich will das Maximum erreichen. Und es ist unser großer Traum, weiter oben dabei zu bleiben.
 
Spornt es denn zusätzlich an, dieses Jahr mit Ingolstadt aufzusteigen?
Ich bin nicht mehr der Jüngste und werde nicht mehr so viele Chancen haben. Und in einem Meisterschaftsspiel habe ich noch nie gegen meinen Bruder gespielt. Das ist mein großer Wunsch. Vielleicht geht er ja noch in Erfüllung.
 
In den U-Mannschaften hast du für Deutschland gespielt - aber im A-Kader bist du für den Kamerun aufgelaufen. Warum?
Der kamerunische Verband hat mir die größere Perspektive gegeben. Ich bin in Deutschland aufgewachsen und es ist meine Heimat. Deswegen habe ich dafür in den U-Mannschaften gespielt. Aber der Nationalkader ist unglaublich stark. Volker Finke war Trainer in Kamerun und ich habe mich dafür entschieden, für das Land meines Vaters zu spielen. Dann hatte ich mich verletzt und konnte bisher nur ein Spiel machen. Vielleicht klappt es ja nochmal.
 
Du bist Mannschaftskapitän in Ingolstadt. Schon mal darüber nachgedacht, die Meisterschaftsschale der 2. Bundesliga in den Himmel zu recken?
Nein, noch nicht. Das ist natürlich ein Anreiz. Aber erst, wenn man rechnerisch nicht mehr abgefangen werden kann. Am Sonntag spielen wir gegen den KSC das absolute Topspiel der zweiten Liga und nur darauf legen wir jetzt den Fokus.
 
Der KSC ist sehr auswärtsstark. Wo sind die Badener in deinen Augen gefährlich?
Beim KSC ist jede Position vorne wie hinten top besetzt. Ilian Micanski, mit dem ich in Ingolstadt zusammen gespielt habe, oder Rouwen Hennings, sind sehr flexibel. Manuel Torres und Hiroki Yamada sind über die Außen sehr gefährlich und vor allem unberechenbar. Hinten stehen sie sicher und zeigen einen guten Spielaufbau. Karlsruhe ist eine komplette Truppe und wir müssten ans Äußerste gehen, um zu Punkten zu kommen.

Das Gespräch führte Fabian Herbers


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