Kurz vor der "Deadline" scheint der KSC seinem Ziel nahe das Bangen geht dennoch weiter
(eis) Die erhoffte Entwarnung im Bangen um die Lizenzerteilung des Karlsruher SC für die kommende Spielzeit vermochte Präsident Gerhard Seiler am Freitagvormittag nicht zu signalisieren. Dennoch zog das Vereinsoberhaupt ein erstes Zwischenfazit um die Öffentlichkeit über den aktuellen Stand der Dinge zu informieren.Auch wenn verschiedentlich schon Vollzugsmeldungen über eine erfolgreiche Lizensierung und die Erfüllung der Auflagen publiziert wurden, über den Berg sei man beim KSC in dieser Hinsicht zum heutigen Zeitpunkt leider noch nicht, so begann der 71 jährige Ex Oberbürgermeister seine Ausführungen.
Die von der Deutschen Fußball Liga (DFL) verlängerte Frist zur Erfüllung der mit der Lizensierung verknüpften Bedingungen endet am kommenden Montag, 16 Uhr. Die DFL wird dann in den darauf folgenden Tagen eine Entscheidung fällen, die dem Verein bis spätestens 24. Juni mitgeteilt werden wird.
"Ich kann heute nicht sagen, ob wir alle Bedingungen der DFL erfüllen können", so Seiler, der den Vergleich zur traditionsreichen Echternacher Springprozession bemüht: "Es geht immer wieder ein bisschen vorwärts, aber auch mal einen Schritt zurück." Am gestrigen Donnerstag aber, habe man einen sehr großen Schritt nach vorne getan. Neben den vier Millionen Euro, die Gerhard Seiler bisher von Sponsoren und Gönnern des Vereins zusammenkratzen konnte, kommt man im Wildpark nun offensichtlich auch der zentralen Bedingung über den Nachweis von Transfererlösen in Höhe von zwei Millionen Euro näher. Clemens Fritz wird zum kommenden Monatsersten fiktiv an Bayer 04 Leverkusen transferiert, der Vizemeister leiht den 21 jährigen Angreifer aber postwendend für ein weiteres Jahr nach Karlsruhe aus. Fritz wird also auch in der kommenden Saison das Trikot der Badener tragen, und besitzt ab der Saison 2003/2004 einen Dreijahresvertrag bei der Werkself aus Leverkusen.
"Hannover konnte uns nicht mehr als eine Million für Fritz bieten, dies war uns zu wenig.", wies Sportmanager Rolf Dohmen auf die finanziell angespannte Situation auch bei anderen Vereinen hin. "Die Kirch Krise drückt uns. Sie drückt viele Vereine, nur die ganz Großen nicht.", pflichtet ihm Präsident Seiler bei. Die vierte Fernseh Rate der laufenden Spielzeit sei bis heute bei keinem Verein eingetroffen, es habe lediglich Überbrückungszahlungen gegeben. Am 19. Juni, zwei Tage nach der "Deadline" zur Erfüllung der Lizensierungsbedingungen will die DFL den Vereinen bekannt geben, wie es mit den Fernsehgeldern weitergehen wird.
Durch die Krise des Mediengiganten seien die vorliegenden Angebote für Clemens Fritz schlagartig um die Hälfte heruntergefahren worden, fuhr Dohmen fort.
Dass nun dennoch ein Deal mit Bayer Leverkusen zustande gekommen ist, hat man beim KSC wohl seinem hartnäckigen Sportmanager zu verdanken. Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser war nämlich zunächst alles andere als begeistert begeistert, als der gebürtige Rheinländer Dohmen bei ihm anklopfte um ihm Clemens Fritz "schmackhaft" zu machen. Das Budget für Neuverpflichtungen hat man auch in Leverkusen bereits voll ausgeschöpft, Dohmens Überredungskünste zeigten aber Wirkung, sodass Fritz, der sich in Karlsruhe wohl fühlt und zunächst sowohl Hannover als auch Bayer Leverkusen einen Korb geben wollte, nun doch 1,5 Millionen Euro in die KSC Kassen bringen wird. Die Zahlungsmodalitäten, so Seiler, müssten hier aber noch geklärt werden. Darin sieht der 71 Jährige allerdings eines der kleineren Probleme.
Dohmen macht keinen Hehl daraus, dass er am Liebsten auch Marco Engelhardt an den Mann gebracht und nach Leverkusen verkauft hätte, dies lehnte Bayer 04 aber ab.
Doch trotz dieser positiven Vollzugsmeldungen ist und bleibt die Lizenzierung eine Zitterpartie für den KSC. "Wir brauchen bis zum Montag noch ein paar dicke Euro um die Lizenz zu bekommen.", macht Rolf Dohmen auf die prekäre Situation aufmerksam. Rund um den Wildpark stünden 120 Namen auf der Gehaltsliste, diese Personen seien ohne Lizenz allesamt arbeitslos.
Dohmen hofft darauf, dass sich bis zum Montag noch der ein oder andere Freund finden wird um eine Bürgschaft zu übernehmen. Konkrete Summen, die bis zum Montag noch aufzutreiben sind, mochte von der Vereinsführung zwar Niemand nennen, "mit einer halben Million wäre uns aber auf jeden Fall sehr geholfen", so Dohmen.
Aber selbst bei einer Lizenzerteilung sei die Kuh noch lange nicht vom Eis, wie Seiler lapidar anmerkte "Die Kreditgeber möchten ja auch irgendwann ihr Geld zurück." Erfahrungsgemäß sei es aber so, dass nach erfolgter Lizensierung nochmals einige Sponsoren aufgetrieben werden können.
Auf die Transferpolitik des badischen Zweigligisten haben die aktuellen Entwicklungen keinen Einfluss. Das Budget steht und kann in keinem Falle ausgeweitet werden. Wenn noch ein Spieler den Verein verlassen sollte, kann nachgekauft werden, andernfalls nicht. Cheftrainer Stefan Kuntz sei mit dem derzeitigen Kader aber alles andere als unzufrieden, ließ Präsident Seiler verlauten. "Gerade das Verbleiben von Clemens Fritz, hat er sehr positiv aufgenommen."
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