KSC überrollt Unterhaching Klassenerhalt gesichert
(eis) Man musste nicht lange suchen, wollte man am Sonntagnachmittag rund um den Karlsruher Wildpark strahlende Gesichter ausmachen. Aber einer stach dabei unter den 14.500 Anwesenden im Karlsruher Wildparkstadion besonders heraus Danny Fuchs. Bester Karlsruher Saisontorschütze, bereits vor Saisonbeginn als großer Leistungsträger angekündigt; für den gebürtigen Dessauer ist es auch gar keine Seltenheit als Matchwinner gefeiert zu werden. Der 3:0 (1:0) Erfolg über die Spielvereinigung Unterhaching, mit dem sich der KSC den sportlichen Klassenverbleib sicherte, übertraf allerdings alles, was Fuchs in seiner sportlichen Karriere bisher vollbracht hatte.
"Ich fühle mich sehr wohl hier in Karlsruhe und würde gerne beim KSC bleiben", antwortet der Goalgetter achselzuckend auf die Frage nach seiner sportlichen Zukunft und ergänzt: "So schlecht sieht es eigentlich auch gar nicht aus."
Verkehrte Welt herrscht derzeit beim Karlsruher SC. Seit jeher sieht sich der Badische Traditionsclub, wie viele andere Vereine auch, mit dem Problem konfrontiert, immer und immer wieder Leistungsträger an finanzstärkere Proficlubs abgeben zu müssen. Fuchs bliebe liebend gerne bei den Karlsruhern, im schlimmsten Falle könnte ihm dies aber, trotz laufenden Vertrags, verwehrt werden. Der krisengeschüttelte Zweitligist muss bis Ende des Monats erhebliche Auflagen der Deutschen Fußball Liga (DFL) erfüllen um für die kommende Spielzeit im Profifußball lizenziert zu werden. Clemens Fritz und Marco Engelhardt, diese beiden stehen schon längere Zeit auf der Verkaufsliste des KSC und weitere Spieler könnten durchaus folgen.
"Wir haben heute alle die Daumen für unsere Mannschaft gedrückt und sie hat den sportlichen Klassenerhalt erreicht", so Professor Seiler nach dem Abpfiff. "In den kommenden Wochen müssen wir alle weiterhin die Daumendrücken und können uns dann hoffentlich über die erteilte Lizenz ebenso freuen, wie über den heutigen Erfolg."
In den zwei Stunden zuvor hatte die Truppe von Cheftrainer Stefan Kuntz die schwachen Gäste aus Unterhaching deklassiert, sie auf den sportlichen Abstiegsrang 15 verdrängt und sich selbst auf Position 13 festgesetzt. Für die Münchner Vorstädter um Cheftrainer Anton Schrobenhauser heißt es in den kommenden Wochen nun bangen, bis die DFL die endgültige Entscheidung über den Lizenzentzug gegen den SSV Reutlingen bekannt geben wird, welche den Hachingern ebenfalls den Klassenverbleib bescheren würde. "Sollte Reutlingen diese Verstöße tatsächlich begangen haben, so hoffe ich auf Gerechtigkeit und darauf, dass wir auch nächste Saison gegen den KSC antreten werden", so Schrobenhauser.
Dieser musste vor dem Anpfiff der heutigen Begegnung auf den verletzten Altin Rraklli verzichten, der im Angriff der Rot Blauen von Uwe Rösler ersetzt wurde.
Gleich dreifach stellte Stefan Kuntz auf Seiten der Hausherren um. Im Vergleich zur 1:2 Schlappe bei Waldhof Mannheim vor Wochenfrist mussten sich neben dem rotgesperrten Torsten Kracht Aydin Cetin und Marco Engelhardt die Partie von draußen anschauen. Dafür liefen Carsten Rothenbach in der Verteidigung, dessen Namensvetter Birk im Mittelfeld und Bruno Labbadia im Angriff der Blau Weißen auf.
Im wohl besten Heimspiel der gesamten Saison, präsentierte sich der KSC von Beginn an als hochüberlegen, die Gäste agierten harm und lustlos. Der Regionalligaaufsteiger setzte den Bundesligaabsteiger mächtig unter Druck und wartete mit einem sicheren Kombinationsspiel auf. Torraumszene blieben in der Anfangsphase dennoch Mangelware, die Spielvereinigung versuchte mit einer defensiven Grundausrichtung ein 0:0 zu halten um sich mit einem Remis Tabellenplatz 14 zu sichern.
Da das Spielfeld auf Grund des Dauerregens der vergangenen Tage stark aufgeweicht war, fanden die Badener schon bald ein probates Mittel das Abwehrbollwerk zu umgehen, und versuchten es zunehmend aus der Distanz. Scheiterte Daniel Graf mit einem Flachschuss aus 25 Metern noch an Schlussmann Gerhard Tremmel (24.), so gelang es Danny Fuchs nur vier Minuten später seine Farben mit einem Traumtor in Führung zu bringen. Der ungewohnt zentral spielende Ex Löwe fasste sich ein Herz und wuchtete die Kugel aus 22 Metern genau in den Winkel des Hachinger Gehäuses Schlussmann Tremmel hatte nicht den Hauch einer Abwehrchance. Der KSC drehte nun auf: Fuchs, Melkam und Fritz versuchten sich immer wieder über die Außenbahnen, fanden aber keine Abnehmer ihrer Hereingaben. Mit einem weiteren Distanzschuss aus gut 20 Metern verfehlte Bruno Labbadia den Hachinger Pfosten nur um Zentimeter (33.) und 60 Sekunden später köpfte Daniel Graf die Kugel nach einer Hereingabe von Gabriel Melkam ans Außennetz.
Erst fünf Minuten vor dem Pausentee tauchte das Karlsruher Gegenüber erstmals vor dem KSC Strafraum auf: Francisko Copado versuchte es ebenfalls aus größerer Entfernung, verfehlte das Tor aber weit.
Nach dem Seitenwechsel rechneten alle damit, die Hausherren würden von der Nervosität eingeholt aber weit gefehlt: Die Schützlinge von Trainer Stefan Kuntz kämpften da weiter, wo sie vor der Pause aufgehört hatten. So musste Mannschaftskapitän Thijs Waterink in der 59. Spielminute zwar gegen den durchgestarteten Rösler retten, im direkten Gegenzug aber war es erneut Danny Fuchs, der auf 2:0 erhöhte und den Sack damit zumachte. Nach Vorlage von Gabriel Melkam, legte sich Fuchs den Ball mit dem Kopf vor, bestrafte Torhüter Tremmel noch mit einem Beinschuss und konnte dann seinen 10. Saisontreffer bejubeln (60.).
In der 90. Spielminute setzte dann "Pistolero" Labbadia den Schlussstrich unter die zurückliegende Zweitligasaison. Nach einer Flanke des eingewechselten Werner Heinzen setzte der 36 Jährige seine Direktabnahme zwar zunächst noch gegen den Innenpfosten, von dort aus fand die Kugel dann aber doch noch den Weg hinter die Hachinger Torlinie, ehe Schiedsrichter Dr. Markus Merk zum Schlusspfiff ansetzte.
Mit Freudentränen in den Augen bedankte sich Cheftrainer Stefan Kuntz bei den Anhängern für deren Unterstützung und blickt der kommenden Spielzeit mit gemischten Gefühlen entgegen: "Vor uns liegt eine ganz schwere Saison; diese zu meistern, ist allerdings auch unser Job."
Bevor sich die Wildparkkicker in ihren wohlverdienten Sommerurlaub begeben, stehen noch zwei Freundschaftsspiele auf dem Programm: Am kommenden Donnerstag fällt um 16 Uhr den Anpfiff gegen den FV Viktoria Ubstadt, am Dienstag, 14. Mai, tritt der KSC gegen die Polizei Nationalmannschaft an (18.45 Uhr, Königsbach), ehe Stefan Kuntz am 19. Juni zum Trainingsauftakt im Wildpark bitten wird.
Mitschnitt PK von Stefan Kuntz
Mitschnitt PK von Gerhard Seiler
Mitschnitt PK von Anton Schrobenhauser











