KSC knöpft Freiburg mit bester Saisonleistung Unentschieden ab

(eis) 15.700 Zuschauer hatten bei eisigen Temperaturen am späten Montagabend in den Karlsruher Wildpark gefunden, um dem ersten Badischen Derby zwischen dem KSC und dem SC Freiburg seit fast fünf Jahren beizuwohnen. Enttäuscht wurden die zahlreichen Anhänger nicht, nach dem Schlusspfiff ließen sich die Blauweißen von ihrem Fanblock bejubeln, wenngleich die 90 Minuten zuvor nur das dritte Heim Remis in Folge beschert hatten. Hängende Köpfe fand man dennoch rasch, so ganz wollte sich beim KSC niemand mit dem 1:1 (1:1) Unentschieden gegen den Aufstiegsaspiranten aus dem Breisgau zufrieden geben.

"Ich denke dennoch, dass wir eher einen Punkt gewonnen, denn zwei verloren haben", resümierte Mittelfeldmann Charles Haffner nach Spielende, ein enttäuschter Unterton ist seiner Stimme aber leicht zu entnehmen. Cheftrainer Lorenz Günther Köstner hatte vor der Partie erklärt den technisch beschlagenen Freiburgern keineswegs spielerisch beikommen zu wollen. "Also haben wir ihnen eine kämpferische Leistung entgegengesetzt", meinte Clemens Fritz, der Torschütze auf Seiten der Gastgeber. Das war den Karlsruhern auch gelungen, doch auch spielerisch wusste die Köstner Elf über weite Strecken des Spiels zu überzeugen.

Der angeschlagene Gabriel Melkam nahm im Gegensatz zum 2:1 Erfolg über St. Pauli auf der Bank Platz, der wieder genesene Torsten Kracht kehrte auf seine angestammte Position in der Innenverteidigung zurück. Carsten Rothenbach rückte ins defensive Mittelfeld und Kapitän Thijs Waterink musste sich nach absolvierter Gelbsperre mit der Reservistenrolle begnügen. Nach überzeugender Leistung bei den Hamburgern lief Routinier Bernhard Trares erneut als Abwehrorganisator auf, Haffner sollte auf der linken Mittelfeldseite die Fäden ziehen, davor der offensive Aydin Cetin und die beiden Spitzen Saenko und Labbadia.

Den besseren Start in die Partie erwischten die Freiburger: Jan Männer köpfte keine 120 Sekunden nach dem Anpfiff knapp am Kasten von Thomas Walter vorbei. In der Folgezeit schien Karlsruhe mit dem schwer zu bespielenden Rasen besser zu Recht zu kommen und ging bei erster Gelegenheit in Führung, Clemens Fritz überlupfte nach langer Flanke von Torsten Kracht SC Torwart Richard Golz zur 1:0 Führung für die Heimmannschaft (14.).
"Solch ein Gegentor muss wirklich nicht sein, da haben sich alle auf Golz verlassen", grantelte Freiburgs Trainer Volker Finke. Da stimmte ihm auch sein Gegenüber, Lorenz Günther Köstner zu, wollte das Tor aber keinesfalls als Zufallsprodukt verstanden wissen: "Wir wollten solche Situationen suchen, wir wussten, dass solche Bälle die Freiburger ins Schlingern bringen können."
Nur zwei Minuten später schickte Saenko Carsten Rothenbach, die Freiburger Hintermannschaft konnte aber zum Eckball klären. Die Gäste aus dem Schwarzwald bemühten sich ihre Angriffe kontrolliert und vorwiegend über die Außenbahnen vorzutragen, was ihnen ein ums andere Mal aussichtsreiche Torchancen bescherte. So auch in der 26. Spielminute, als Abder Ramdane aus spitzem Winkel knapp am Pfosten vorbeiköpfte. Den Ausgleichstreffer für den SC erzielte Levan Kobiaschwili per Foulelfmeter neun Minuten vor dem Seitenwechsel. Der oftmals unsicher wirkende Bernhardt Trares hatte zuvor den ehemaligen Karlsruher Andreas Zeyer im Strafraum zu Fall gebracht, Schiedsrichter Herbert Fandel zögerte keine Sekunde und zeigte auf den Punkt.
Eine knifflige Entscheidung, da Zeyer geschickt den Körperkontakt suchte und Trares nicht aktiv eingriff. "Es war wirklich kein Strafstoß", meinte Bernhard Trares nach dem Spiel und fügt hinzu: "Wahrscheinlich war der Wind etwas zu stark aber man weiß ja, wie Zeyer oftmals zu Fall kommt." In der 66. Minute sorgte der Routinier erneut für Aufregung im Karlsruher Strafraum. Die Freiburger hatten ein Handspiel von Trares im Karlsruher Strafraum gesehen, dieses Mal blieb Fandels Pfeife aber stumm. "Der Ball ist mir im Fallen unter dem Arm durchgerutscht, ich habe ihn aber nicht berührt", beteuerte Trares auch in dieser Situation seine Unschuld. Die Fernsehbilder belegen jedoch eine Ballberührung, eine klare Absicht konnte und wollte Fandel dem 37 Jährigen aber offensichtlich nicht unterstellen. Und das brachte Volker Finke in Rage: "Das wäre ein Elfmeter gewesen, der uns den Sieg beschert hätte. Klarer geht es nicht, deshalb ist es natürlich besonders schade, dass uns der Strafstoß verwehrt wurde." Der Fußballlehrer, der am Montag sein 400. Spiel als Cheftrainer des SC absolvierte, sah seine Mannschaft überlegen und hätte gerne einen Sieg mit nach Hause genommen. "Wir waren personell nicht optimal besetzt, der Platz war schwer bespielbar, letzten Endes müssen wir uns mit dem Punkt abfinden", so Finke weiter. In diesem Punkt aber widersprach ihm Lorenz Günther Köstner und entgegnete etwas zerknirscht: "Ich denke, wir hätten den Sieg heute verdient gehabt. Wir hatten die besseren Torchancen und haben gegen diese technisch beschlagene Mannschaft gut mitgehalten." Köstner schien das Unentschieden am schwersten im Magen zu liegen und so mochte er den Punktgewinn auch nicht so recht als Erfolgserlebnis darstellen: "Bis auf die letzten 20 Minuten der ersten Halbzeit waren wir durchgehend die bessere Mannschaft. Wenn wir da zu irgendeinem Zeitpunkt das 2:1 machen, stehen wir bei der Mannschaftsleistung sicher als verdienter Sieger dar."
"Wir hätten unbedingt noch mal in Führung müssen", meinte unisono der Torschütze Clemens Fritz. "Da muss ich mir auch an die eigene Nase fassen, wir müssen unsere Heimspiele jetzt einfach gewinnen."
Fritz hatte den erneuten Führungstreffer in den Schlussminuten der ersten Halbzeit gleich im Doppelpack auf dem Fuß: Nach schönem Solo knallte sein Schuss zunächst gegen den Freiburger Pfosten, Cetin legte die Kugel erneut auf den glücklosen Fritz, der den Ball im zweiten Anlauf in die Wolken drosch (42.). Nach einer guten Stunde brachte Köstner Neuzugang Patrik Jezek für Bruno Labbadia in die Partie. Der Tschechen beflügelte das Karlsruher Offensivspiel merklich, der 25 Jährige bestach vor allem durch seine Ballsicherheit. Bereits zwei Minuten nach seiner Einwechslung flankte Jezek mustergültig auf Cetin, dessen von Golz entschärfter Kopfball stellte die beste Karlsruher Chance nach dem Seitenwechsel dar.

In der Zweitligatabelle verpasste es der SC Freiburg mit dem Unentschieden zur Zweitplatzierten Eintracht Frankfurt aufzuschließen und mit einem dickeren Punktpolster zum FSV Mainz zu überwintern. Der KSC hingegen zog am SSV Reutlingen vorbei und belegt mit 16 Zählern Tabellenposition 13. Am kommenden Freitag, 19 Uhr, schließen die Badener mit der Auswärtspartie bei der Spielvereinigung Greuther Fürth die Vorrunde der laufenden Spielzeit ab. Mit einem Sieg könnte die Wildpark Elf noch vor der Winterpause etwas Distanz zu den Abstiegsrängen gewinnen. Nach der Partie geht es für die Schützlinge von Lorenz Günther Köstner bis zum Neujahrstag in den wohlverdienten Winterurlaub. Am 2. Januar bitte Köstner zum Trainingsauftakt, der Vorbereitungsplan wird noch bekanntgegeben.


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