KSC ehrt verdiente Mitglieder und gedenkt Fusion vor 50 Jahren
(eis) Eigentlich hätte am Samstag Abend der diesjährige "Blau Weiß Ball" des Karlsruher SC stattfinden sollen, der Spielplan der Deutschen Fußball Liga machte dem Verein aber einen Strich durch die Rechnung. Weder die erste , noch die zweite Mannschaft hätten auf Grund von Auswärtsspielen teilnehmen können "da wir aber die gesamte KSC Familie beisammen haben möchten, haben wir uns für eine Verlegung entschieden", so Vizepräsident Rolf Hauer. Am Samstag ehrte die Vereinsführung dafür in kleinerem, aber nicht minder feierlichen Rahmen verdiente Mitglieder und gedachte der Fusionierung des VfB Mühlburg und FC Phoenix zum Karlsruher SC, die sich im vergangenen Monat zum 50. Mal jährte.
Helmuth Hodel war Anfang der 50er Jahre Verwaltungsrat beim VfB Mühlburg und hat die Fusion daher in lebhafter Erinnerung behalten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg standen auch die Fußballvereine vor dem Nichts. Leistungsträger waren gefallen, die Mannschaften damit auseinander gebrochen. Nicht so beim VfB Mühlburg, dessen Mannschaft nahezu vollständig erhalten blieb. Trotz der sportlichen Überlegenheit gegenüber vieler Mitkonkurrenten mussten die Mühlburger nach der Neugründung der Oberliga in der Landesliga verbleiben zusammen mit dem Erstplatzierten Karlsruher FV stieg der FC Phoenix auf Grund seiner langen Tradition in die damals höchste deutsche Spielklasse auf. "Der VfB hat dann immer das Vorspiel zu den Oberligaspielen des FC Phoenix bestritten", erinnert sich Hodel. Zehn Pfennig pro Zuschauer habe der Verein dafür bekommen "und es war immer voll, schon bei unserem Spiel". Gleich 1947 stiegen beide Karlsruher Oberligisten wieder in die Landesliga ab, Mühlburg hingegen auf. "Ab diesem Zeitpunkt haben die Spieler Geld bekommen, 320 Mark im Monat", so Helmuth Hodel. In den folgenden Jahren verstärkten sich die Mühlburger, besonders aus Daxlanden fanden immer wieder viel versprechende Talente den Weg zum VfB ins Stadion an der Honsellstraße. Dieses drohte aber bald aus allen Nähten zu platzen (Hodel: "Die Zuschauer saßen sogar auf den Bäumen."), also suchte man in der Umgebung nach einer neuen Spielstädte, wurde aber weder in Mühlburg, noch in Knielingen fündig.
Der damalige Karlsruher Oberbürgermeister, Günther Klotz, war es, der auf die Idee zur Fusion von VfB und Phoenix Karlsruhe kam. "Klotz versprach uns ein tolles Stadion, wenn wir uns zusammen tun und das hat er auch gehalten", so der ehemalige Spielausschussvorsitzende Hodel. Phoenix Karlsruhe zeigte sich von dieser Idee von Anfang an begeistert, nur beim VfB Mühlburg regte sich Widerstand. Viele Mitglieder waren der Meinung, der Verein sei so gut, dass er eine Fusionierung mit einem anderen Club nicht nötig habe. Nachdem bei der ersten Abstimmung die nötige Zwei Drittel Mehrheit nicht zu Stande gekommen war, schaffte es die Vereinsführung mit viel Mühe die Opposition zu besänftigen und die Fusion im zweiten Anlauf durchzusetzen. "Phoenix und der OB haben also das Stadion gebracht, wir die Spieler". Helmuth Hodel blickt gerne auf die bald darauf eintretenden Erfolge (Pokalsieger 1955 und 56, Meister der Oberliga Süd und Deutscher Vizemeister 1956) des neu gegründeten Vereines zurück. In besonderer Erinnerung bleibt Hodel das Pokalfinale 1955. "Ossi Traub hat das entscheidende Tor erzielt und ich frage mich heute noch, ob das ein Schuss oder eine Flanke war." Glücklicherweise war der Torschütze, der morgen seinen 76. Geburtstag feiert, ebenfalls unter den rund 150 geladenen Gästen des Abends. Hodels Wissensdurst wollte das Ehrenmitglied aber nicht so recht stillen: "Um die Frage zu beantworten: Er ging rein!", witzelte Traub.
Der heutige Name KSC entstand übrigens nach dem Vorbild des Hamburger SV. Hodel: "Wir wollten etwas Kurzes und Prägnantes mit drei Buchstaben. Da fiel uns der HSV ein, daran haben wir uns orientiert und ich freue mich sehr, dass diese Abkürzung derart geläufig wurde."
Präsident Gerhard Seiler, dessen Vater Ehrenmitglied beim FC Phoenix war, ehrte daraufhin 67 verdiente Mitglieder der Blau Weißen. "Dass es so viele sind, hängt damit zusammen, dass die Ehrungen im letzten Jahr ausfielen", entschuldigt sich Seiler. So verlieh das Präsidium unter anderem dem langjährigen KSC Profi Jupp Marx die goldene Ehrennadel für 40 Jahre Mitgliedschaft, sein damaliger Mannschaftkamerad Heinz Beck und Leichtathlet Lothar Knörzer wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt. Seiler legte das Augenmerk seines kurzen Rückblicks in die Vereinsgeschichte auf die jüngere Vergangenheit des Sportclubs; die Erfolge in der Bundesliga und die Auftritte im Europapokal: "Das wird ganz sicher wieder kommen." Dass sich der KSC nicht nur im Fußball einen Namen gemacht hat, zeigen unter anderem die Leichtathleten Lothar Knörzer und Heinz Fütterer oder die Boxer Sven Ottke und Tyson Gray, die alle der Talentschmiede im Wildpark entsprangen. Dies, aber auch die erfolgreichen Hand und Volleyball Mannschaften der Vergangenheit oder die neu gegründete Frauenfußball Abteilung, macht laut Seiler die Bedeutung des Vereines in der Region deutlich "Vergangenheit verpflichtet".
"In wenigen Tagen werde ich meine Mission als Helfer des KSC in finanziell besonders schweren Zeiten beenden", weist der 72 Jährige auf das Ende seiner kurzen, aber ereignisreichen Ära hin. In zwei Wochen wird der ehemalige Oberbürgermeister sein Amt niederlegen: "Ich habe getan, was ich tun konnte, jetzt sind andere dran." Seinem Nachfolger wünscht Seiler alles Gute und den "sportlichen Erfolg, ohne den alles nichts ist."











