Kauczinski: "Für mich zählt immer das Kollektiv"
Nach einer langen und erfolgreichen Saison freut sich Cheftrainer Markus Kauczinski auf den verdienten Sommerurlaub. Im Interview spricht er über die schönsten Momente in der Saison, die Entwicklung im Kader und seinen WM-Tipp.

Markus Kauczinski, letzte Woche sagte Jens Todt im Interview, man suche noch eine Offensivkraft. Am Dienstag hat Dominic Peitz im Testspiel fünf Tore gemacht. Ist der Spieler gefunden?
Naja, solche Spiele sind ja eher für einen schönen Ausklang. Da gibt es Situationen, die es normalerweise so nicht gibt. Fünf Tore von Dominic Peitz werden wohl doch eher die Ausnahme bleiben. Es ist richtig, wir suchen noch einen Offensivmann, der schon ein bisschen Erfahrung hat. Talente haben wir ja schon. Aber da haben wir noch Zeit.
Das Saisonfinale in Bochum ging mit 1:0 verloren. Ärgert Sie das?
Eine Niederlage ärgert mich immer - aber uns war klar, dass wir den 5. Platz sicher haben. Man hat gemerkt, dass bei uns die Luft raus war. Aber: Das war ja das einzige Mal in dieser Saison. Ich glaube, die Mannschaft hat die Spannung bis dahin immer hochgehalten. Mit einem Spiel im Jahr, bei dem die Luft raus ist, kann ich leben.
Nach einer langen und anstrengenden Saison: Auf was freuen Sie sich jetzt am Meisten?
Einfach mal auszuspannen, nichts denken oder machen müssen. Ich freue mich auf den Urlaub.
Nach vielen Trainerwechseln: Warum passt Markus Kauczinski so gut zum KSC?
Wir haben mit dem Abstieg einen Neuanfang gemacht und viele Spieler geholt, die unter anderem ein guter Charakter auszeichnet, geholt. Dazu haben alle Verantwortlichen ihre Lehren aus der Vergangenheit gezogen mit den Trainerwechseln. Kontinuität ist wichtig und im Verein, im Präsidium und im Management herrscht Ruhe. Ich bin jetzt seit 13 Jahren im Verein, und so, wie es jetzt ist, passt es einfach.
Welcher Spieler hat sie diese Saison überrascht?
Für mich zählt eigentlich immer das Kollektiv – und aus dieser Mannschaft einen herauszuheben fällt mir schwer. Unsere jungen Spieler wie Reinhold Yabo und Manuel Torres haben sich gut entwickelt. Auch Jan Mauersberger und Daniel Gordon haben nochmal einen Schritt nach vorne gemacht. Koen van der Biezen und Rouwen Hennings haben viele Tore geschossen. Man sieht schon - es ist schwer, da einen rauszupicken.
Welcher Moment in dieser Saison bleibt Ihnen besonders in Erinnerung?
Das schönste Spiel war für mich in St. Pauli. Nach dem Frankfurt-Spiel sind alle hochkonzentriert ins Spiel gegangen, Mannschaft und auch alle Drumherum. Zum Ende des Jahres haben wir vor 30.000 Zuschauern ein tolles Spiel gemacht. Es war eine Vorentscheidung als es darum ging, vorne dran zu bleiben.
Köln und Paderborn sind aufgestiegen. Haben Sie damit gerechnet?
Köln war zu erwarten. Paderborn ist schon ein paar Jahre dabei und hat sich kontinuierlich entwickelt - und deswegen ist so etwas möglich. Die beiden Teams sind erfahren, Paderborn hat es ohne Stars geschafft. Ich habe nicht damit gerechnet, aber überrascht bin ich auch nicht.
Sie haben eine Mannschaft mit jungen Spielern. Fällt da manchmal der Umgang etwas schwerer?
Überhaupt nicht. Alle sind hochmotiviert, manchmal muss man Dinge öfters absprechen und wiederholen. Das ist bei erfahrenen Spielern anders. Aber hier ist es nicht schwer. Dazu entwickeln wir uns jeden Tag weiter, und unsere jungen Spieler geben uns viele Möglichkeiten, dass wir uns verbessern.
Wird es nächste Saison leichter oder schwieriger für den KSC?
Es gibt ja das Sprichwort, dass das zweite Jahr das schwerste ist. Ich sehe das nicht so - und kann auch keinen wirklichen Grund für die Aussage finden. Klar haben sich Mannschaften jetzt auf uns eingestellt, aber dafür haben wir jetzt auch mehr Erfahrung auf dem Platz. Die jetzige Saison war auch nicht leicht, wir mussten kämpfen. Alles ist nächste Saison eng beieinander.
Worauf wird der Fokus in der kommenden Saison gelegt?
Wir müssen fußballerisch noch besser werden, vor allem beim Tempo und bei den Pässen in die Tiefe. Es ist wichtig zu erkennen, wann man Torgefahr entwickeln muss. Wir müssen taktisch flexibel reagieren, deswegen haben wir auch zu Saisonende das System verändert. Darauf legen wir den Fokus.
Ernesto de Santis und Tim Grupp haben Profiverträge unterschrieben. Was können wir von ihnen erwarten?
Ich denke, dass uns die beiden überzeugen. Tim Grupp hat eine gute Runde gespielt, war Stammspieler in der U19 im Mittelfeld. Er ist fleißig, gewissenhaft und ehrgeizig. Er kann Neues schnell umsetzen. Ich erwarte von ihm, dass er schnell lernt. Ernesto ist gerade verletzt, ich wünsche ihm, dass er nächste Saison verletzungsfrei bleibt. Er ist ein schneller, unberechenbarer Außenspieler, der Impulse nach vorne setzen soll.
In der Sommerpause ist WM. Wo schauen Sie und wer holt den Titel?
Ich schaue zuhause im Urlaub. Natürlich werde ich so viele Spiele wie möglich anschauen. Aber ich werde nicht den ganzen Tag vor dem Fernseher hocken, sondern auch den Urlaub genießen. Und wer Weltmeister wird: Keine Ahnung.
Keine Ahnung?
Bei einer WM kann alles passieren. Du kannst super starten und dann schnell ausschneiden. Da wage ich keine Prognose.
Das Gespräch führte Fabian Herbers











