Kapllani: "Im Wildpark herrscht Euphorie"

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Er kam als junger Kerl aus Albanien zum KSC und schoss ihn zwei Jahre später mit 17 Toren in die Bundesliga. Edmond Kapllani im Interview über seine Anfänge beim KSC, Federicos Kanonen-Klau und das Spiel zwischen dem FSV Frankfurt und Karlsruhe am Freitag (18.30 Uhr).

Hallo Edmond, lange nichts von dir gehört. Wie geht es dir?
Mir geht es sehr gut und ich fühle mich in Frankfurt wohl. Ich bin endlich fit, physisch wie mental.

Der KSC war deine erste Profistation in Deutschland, der damalige Manager Rolf Dohmen hat dich aus Besa Kavaja geholt. Wieso bist du damals nach Karlsruhe gekommen?
Der KSC hatte mir die Möglichkeit gegeben, nach Deutschland zu kommen. Ich habe im Wildpark ein Probetraining absolviert, insgesamt vier Tage unter dem damaligen Trainer Lorenz-Günther Köstner. Da waren noch Spieler wie Marco Engelhardt, Bernhard Trares oder Conor Casey beim KSC unter Vertrag. Dann hatte Karlsruhe am letzten Spieltag Alemannia Aachen mit 1:0 besiegt und den Abstieg vermieden. In der Regionalliga hätte der Transfer nicht geklappt.

Wie macht ein junger Spieler in Albanien auf sich aufmerksam, um in die deutsche zweite Liga wechseln zu können?
Ein Scout des KSC hatte mich in der U-Nationalmannschaft gegen Island gesehen. Da bin ich zwar erst in der zweiten Halbzeit eingewechselt worden, hatte aber ein paar gute Szenen. Ich bin dann auch zum Spieler des Spiels gewählt worden. Der Rest ist Geschichte.

Als junger Spieler war es in Karlsruhe nicht einfach. Wie hast du dich motiviert, in einer neuen Mannschaft in einem neuen Land Anschluss zu finden?
Ich muss wirklich sagen, mein erstes Jahr in Karlsruhe war ganz schwierig. Wir haben gegen den Abstieg gespielt, aber auch das Leben hier ist so anders als in Albanien. Dann hatte ich große Konkurrenz im Sturm mit Sean Dundee. Ich kannte den gar nicht. Dann habe ich nachgeschaut und erfahren, dass er beim KSC eine Legende ist. Dazu kam noch Ivan Saenko im Sturm. Das war ein harter Konkurrenzkampf. Aber im dritten Jahr konnte ich mich endlich durchsetzen.

Richtig, in der Saison 2006/2007 kam dann deine Explosion mit 17 Saisontreffern und dem Aufstieg des KSC in die Bundesliga. Was war dein Erfolgsrezept?
Für mich war das tägliche Training das Wichtigste. Ich habe alles umgesetzt, was mir Trainer Ede Becker vorgegeben hat. Deshalb war ich auch im Kopf präsent. Ich hatte den Willen, Tore zu schießen und sportlich erfolgreich zu sein. Dann wurde ich belohnt. Und der Verein mit dem Aufstieg auch. Das war eine tolle Truppe.

Du hast eine Supersaison gespielt, aber eines wurde dir verwehrt: Giovanni Federico hat dir mit einem Dreierpack im letzten Spiel gegen Fürth die Torjägerkanone geklaut…
Ja, da war ich aber nicht traurig, Giovanni hatte das mehr als verdient. Er hat ja auch noch 14 Vorlagen gegeben und zwei Jahre in Karlsruhe tollen Fußball gespielt. Am Ende haben wir zwei zusammen 36 Tore geschossen. Wer mehr hatte, war mir egal. Wir hatten mit dem Aufstieg eine Sensation geschafft.

Am Freitag ist der KSC in Frankfurt zu Gast. Hast du noch Freunde oder Bekannte in Karlsruhe?

Aber klar. Ich habe immer noch Kontakte zu Hans, also Hüseyin Cayoglu, dem Zeugwart. Gegen Karlsruhe zu spielen ist für mich etwas sehr Besonderes. Es ist zwar schon länger her, dass ich beim KSC unter Vertrag war, aber dieser Verein bleibt in meinem Herzen.

Letztes Jahr gab es ein kurioses Spiel: Der KSC führte gefahrlos mit 3:0 im Wildpark zur Pause, aber Frankfurt schaffte noch den Ausgleich.
Ich habe mich auch gewundert. Wir waren am Ende. In der Halbzeit, haben wir uns gesagt, dass wir nicht abgeschossen werden wollen und eine Blamage verhindern. Mit dem Anschlusstor hat beim KSC nichts mehr funktioniert. Am Ende war der Punkt für uns extrem wichtig.

Die Karlsruher haben die sehr gute letzte Saison abgehakt. Was traust du dem KSC dieses Jahr zu?
Die Jungs sind sehr gut. Es sind sehr gute Neuverpflichtungen getätigt worden, dazu ist der Kern der Mannschaft gleich geblieben. Jetzt kennen sie die Liga besser und ich bin sicher, sie können ihre Leistungen bestätigen. Aber dafür müssen sie arbeiten und punkten.

Worauf muss man beim KSC aufpassen?
Sicherlich wie letzte Saison auf ihre Kompaktheit und ihr taktisches Verhalten. Auch gegen Union Berlin haben sie wieder kein Gegentor bekommen.

Auch die Frankfurter haben sich verstärkt, Grifo, Bittroff oder Chahed sind gekommen. Hat euch das stärker gemacht?
Das auf jeden Fall. Aber wir müssen die neuen Spieler erst integrieren. Das dauert Zeit, aber die Jungs sind langfristig eine Verstärkung für den FSV. Sie haben alle Potenzial.

Was ist dein Ziel für die Saison?
Ich hatte einige Verletzungen in den letzten Jahren, daher will ich endlich eine ganze Saison lang fit bleiben. Ich weiß, wenn ich fit bin, mache ich meine Tore. Da habe ich keine Sorgen.

Gegen Union Berlin musste der KSC das Spiel machen. Wie wollt ihr vorgehen?
Ich habe die Highlights des Spiels angeschaut. Der KSC hat wirklich gut gespielt. Im Wildpark herrscht Euphorie. Wir haben letzte Woche gegen Heidenheim verloren. Der KSC ist stärker als Heidenheim, deswegen müssen wir alles abrufen, um gegen Karlsruhe zu gewinnen. Es wird nicht leicht.

 

Das Gespräch führte Fabian Herbers


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