Jens Todt: "Es wurde einfach gut gearbeitet"

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Vor dem letzten Saisonspiel spricht Sportdirektor Jens Todt im Interview mit ksc.de über die Leistungen der Mannschaft, die bisher feststehenden Neuzugänge und seinen ehemaligen Verein VfL Bochum, auf den KSC am Sonntag (15.30 Uhr) trifft.

Herr Todt, im letzten Heimspiel hat die Mannschaft alles gegeben, am Ende steht ein 2:2-Unentschieden. Sind Sie damit zufrieden?
Ja, ich bin mit dem Ergebnis und auch mit dem Auftritt der Mannschaft zufrieden. Die Spieler wollten den Fans nochmal einen guten Abschied bereiten. Das hat man gemerkt, deswegen waren wir auch teilweise in der Abwehr etwas offen, was man von uns eigentlich nicht kennt. Aber Einsatz und Einstellung haben gestimmt, das war eine gute Leistung.

In der Woche zuvor kam die Nachricht von Dirk Orlishausens Operation. Wie hat die Mannschaft das aufgefasst? 
Die Mannschaft war zunächst schockiert, das ist ja klar. Im Anschluss hat sie sich aber über die positiven Untersuchungsergebnisse gefreut und sich die tolle Aktion mit den Aufwärmtrikots überlegt mit dem Spruch: „1ner für Alle, Alle für 1“. Auch beim Torjubel hat man gesehen, dass wir ein intaktes Team haben.

Die Saison war lang, am Ende steht ein achtbarer 5. Platz zu Buche. Was war der Grund für so eine erfolgreiche Saison?
Kurz gesagt: es wurde einfach gut gearbeitet. Das betrifft die Mannschaft, das Trainerteam und das Funktionsteam. Die Einsatzbereitschaft war bei allen hoch; alle sind gut mit Rückschlägen und Kritik umgegangen. Es herrschte eine gute und leistungsfördernde Atmosphäre, im Training war die Balance zwischen Freude und Konzentration gut. Das ist in erster Linie das Verdienst der Trainer, die einen Top-Job gemacht haben.

Was war der beste Moment des KSC in dieser Saison?
Die erste Halbzeit beim Heimspiel gegen den FSV Frankfurt ist mir nachhaltig in Erinnerung geblieben. Wir haben zur Halbzeit 3-0 geführt, und die Mannschaft ist wahnsinnig selbstbewusst aufgetreten. All das, was in den Monaten zuvor hart erarbeitet worden ist, wirkte auf einmal ganz leicht und selbstverständlich.  Dass wir in der zweiten Halbzeit noch drei Gegentore bekommen haben, hat uns aber gezeigt, wie verrückt Fußball sein kann und dass die Stabilität noch nicht da war.

Bei welchem Spieler haben Sie vielleicht den größten Sprung in der Entwicklung gesehen?
Wir haben einen Riesensprung bei Reinhold Yabo gesehen, der konstant gut spielt. Nach einer kurzen Anlaufzeit hat auch Manuel Torres Riesenschritte nach vorne gemacht. Und nicht zu vergessen: Wir freuen uns alle sehr, dass Martin Stoll nach einer langen Verletzungszeit zurückgekommen ist und seinen ersten Einsatz in dieser Saison gemacht hat. Eigentlich möchte ich aber gar nicht Einzelne hervorheben, schließlich war die Mannschaftsleistung phantastisch.

Stolli hat in der Innenverteidigung große Konkurrenz. Was können wir von ihm erwarten?
Er sitzt der Konkurrenz im Nacken, und so muss das ja auch sein. Martin ist wieder der Alte, er wird nach der Sommervorbereitung sicherlich nochmal einen Sprung machen und dann werden wir sehen, wer sich in der Innenverteidigung durchsetzt.

Was muss die Mannschaft in der kommenden Saison noch lernen?
Wir haben in dieser Saison gesehen, dass sich gegnerische Mannschaften auf unser Spiel einstellen. Wir haben inzwischen mehr Spielanteile und müssen versuchen, mehr Ballsicherheit und Kontrolle zu bekommen. Da sind wir auf einem guten Weg. Aber letztlich ändern sich die Dinge im Laufe einer Saison; wir müssen flexibel bleiben.

Mit Sascha Traut, Enrico Valentini, Philipp Max und Jonas Meffert stehen vor dem Saisonabschluss schon vier Neuverpflichtungen fest. Dazu kommt Nachwuchstalent Tim Grupp aus den eigenen Reihen. Sind sie bisher zufrieden?
Wir sind bisher sehr zufrieden mit den Ergebnissen der Kaderplanung. Es ist immer ein gutes Zeichen, wenn der Sommer nicht die spannendste Zeit eines Managers ist, sondern wenn schon die meisten Verpflichtungen unter Dach und Fach gebracht worden sind. Wir bereiten uns schon seit Herbst auf die neue Saison vor und sind damit schon sehr weit.

Die Neuverpflichtungen haben lukrative Angebote anderer Vereine ausgeschlagen. Ist der KSC momentan eine interessante Adresse für Spieler?
Wir nehmen schon in der Branche wahr, dass dem KSC wieder etwas zugetraut wird. Das ist eindeutig so. Insbesondere junge Spieler sehen im KSC eine gute Adresse. Ich bin schon sehr gespannt wie sich unsere Karlsruher Eigengewächse Tim Grupp, Ernesto de Santis oder auch Kai Kleinert und Robert Bauer, die wir ja alle halten wollen, in der neuen Saison machen werden.

Wo ist noch Bedarf?
Wir werden Max Reule verlieren. Deswegen werden wir einen neuen Torhüter holen. Dazu schauen wir, ob wir in der Offensive noch was machen, aber wir nehmen uns alle Zeit, die wir dazu brauchen. Wir spüren keinen Handlungsdruck und machen nur etwas, wenn wir absolut überzeugt sind.

Am Sonntag beendet der KSC die Saison in Bochum (15.30 Uhr). Sie kennen den Verein, waren dort zuvor von 2011 bis 2013 sportlicher Leiter. Wie haben sie den Verein kennen gelernt?
Den VfL Bochum hat immer ausgezeichnet, dass es einen großen Zusammenhalt in der Stadt und im Verein gibt. Es wurden dort schwierige Jahre gemeistert und aus wenig sehr viel geschaffen. Ich freue mich sehr, dass Bochum den Klassenerhalt geschafft hat. Mir hätte es überhaupt nicht gefallen, wenn es am Sonntag ein Entscheidungsspiel gewesen wäre. Von daher freue ich mich sehr für meine ehemaligen Kollegen.

Wie muss die Mannschaft auftreten, um zum Abschluss nochmal einen Sieg einzufahren?
Aggressiv, laufstark, mutig! Die Intensität ist bei uns immer noch hoch, und wir wollen in Bochum definitiv was holen!

Das Gespräch führte Fabian Herbers


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