"Ich nenne es Torhüter plus"
Seit dieser Saison ist Toma Trocha als Torwarttrainer für den Leistungsbereich des Talentteams zuständig. Im Interview mit der Nachwuchsredaktion von ksc.de spricht er über die Entwicklungen der vergangenen Wochen, das Training mit den Nachwuchskeepern und den neuen Begriff des Torhüters.

Toma, vor der Saison hast du das Vorhaben, einen roten Ausbildungsfaden für alle Bereiche zu definieren, als primäres Ziel angegeben. Inwieweit ist euch das bisher gelungen?
Die ersten Wochen habe ich dazu genutzt, mir einen Überblick zum Leistungsstand unserer Torhüter zu verschaffen. Da ein gutes Stellungsspiel für den Torhüter die wichtigste Basis ist, haben wir sowohl im Training als auch bei einer Schulung aller Keeper ab der U15 darauf den Schwerpunkt gelegt. Wir sind also schon recht weit. Im nächsten Schritt gilt es für uns Torwarttrainer, die Trainingsinhalte zu planen und eine Periodisierung aufzubauen. Das bedeutet, dass wir im Grundlagenbereich die Grundtechniken angehen, diese im Aufbaubereich festigen, um die Jungs im Leistungsbereich dann soweit zu haben, dass wir fast nur im torwarttaktischen Bereich arbeiten können.
Wie zufrieden bist du mit den bisherigen Leistungen in deinem Bereich?
Wir sind ganz gut besetzt, aber auch nicht auf einem Stand, der es uns erlauben würde, nichts mehr tun zu müssen. Wir haben gute Talente und unsere Aufgabe ist es nun, aus diesen Voraussetzungen etwas zu machen.
Welche konkreten Erwartungen hast du an deine Jungs und was willst du mit dem Training konkret vermitteln?
Ich denke, unsere Torhüter haben generell schon genug Erwartungen an sich selbst. Mir persönlich ist es sehr wichtig, die Jungs nicht nur zu trainieren, sondern auch alle Inhalte zu begründen. Meine erste Frage lautet im Training deshalb immer: "Wieso machen wir das so?". Das ist ein sehr wichtiger Aspekt, denn die Jungs werden direkt mit einbezogen und wissen schon, worauf der Trainingsschwerpunkt der Übungsform liegt.
Der Keeper wird innerhalb einer Mannschaft oft als Einzelgänger bezeichnet. Wie würdest du die Beziehung zwischen dir und deinen Torhütern beschreiben?
Vertrauen und Respekt sind in unserer Beziehung unheimlich wichtig. Den Respekt will ich mir dabei nicht über einen Strafenkatalog erlangen, sondern indem die Jungs im Training merken, dass das was wir trainieren auch Sinn ergibt und richtig ist. Genauso können sich die Jungs bei mir frei bewegen. Ich will lediglich wissen, ob es ihnen gut geht und sie sich wohlfühlen, weil das unerlässlich für gute Leistungen ist.
Du selbst bist ein Freund des offensiven Torwarts. Wie beurteilst du die Entwicklungen der letzten Jahren?
Das Anforderungsprofil hat sich drastisch verändert, denn die Torhüter sind jetzt einfach sachlicher und machen in Ruhe ihren Job. Früher musste die sogenannte deutsche Eiche hinten drin stehen und die Torhüter sind einfach rausgestürzt, heute geht alles über das Stellungsspiel. Die Torhüter wissen jetzt, wie sie das Tor in den jeweiligen Zonen zu verkleinern haben und machen einfach keine unnötigen Sachen.
Ist der Begriff des Torhüters bei diesen Entwicklungen dann überhaupt noch zulässig?
Mittlerweile wird tatsächlich immer öfters vom Torspieler gesprochen, was sicherlich nicht falsch ist. Ich selber bezeichne die Position lieber als "Torhüter plus", da es weiterhin unsere erste Aufgabe ist, den Kasten sauber zu halten. Mit dieser Bezeichnung können wir uns dennoch ins Offensivspiel einbinden und in Drucksituationen immer eine Anspielstation sein.











