Hansa Rostock zu Gast
Mit dem F.C. Hansa Rostock gastiert am Sonntag die schwächste Mannschaft der Rückrunde im Wildpark. Aus zwölf Spielen holten die Kicker von der Ostsee gerade einmal zehn magere Punkte.

Von Andreas Kleber
Dass die Saison für die Hanseaten kein Zuckerschlecken werden würde, dürfte allen Beteiligten bereits vor Rundenauftakt klar gewesen sein. Schließlich hatte der – mittlerweile - ehemalige Trainer Andreas Zachhuber den Kader nach dem Fast-Abstieg in der vergangenen Spielzeit gemeinsam im Sommer gemeinsam mit Manager und Hansa-Urgestein René Rydlewicz gnadenlos ausgemistet und quasi runderneuert. Entsprechend zurückhaltend gaben sich die Verantwortlichen, als sie auf das obligatorische Saisonziel angesprochen wurden: Platz acht bis zwölf sollte es sein – aber bitte mit ausreichend Abstand auf die Abstiegsplätze. Vom anvisierten Ziel sind die Rostocker als Tabellenfünfzehnter derzeit allerdings ein ganzes Stück entfernt.
Zwar meldet der Ausguck der leckgeschlagenen Hansa-Kogge nach dem 2:0-Erfolg gegen Alemannia Aachen am vergangenen Spieltag wieder „Land in Sicht“, doch prekär ist die Situation für die Truppe aus Mecklenburg-Vorpommern noch allemal. Selbst die Entlassung von Zachhuber im Februar zeigte bislang keine große Wirkung. Momentaner sportlicher Leiter auf dem Trainerstuhl ist der bisherige Co- und Torwarttrainer Marco Kostmann, der Zachhuber-Nachfolger Thomas Fink als ersten Mann ablöste, da dieser nicht über die erforderliche Fußballlehrerlizenz verfügt. Im Doppelpack sollen es die beiden in den verbleibenden fünf Partien nun bewerkstelligen, dass Hansa auch in der kommenden Saison in der 2. Liga gegen den Ball treten darf.
Für die Mannschaft scheint die veränderte Situation kein Problem darzustellen. „Beide arbeiten exzellent zusammen“, lobte der ehemalige Karlsruher Tim Sebastian und Tobias Jänicke bestätigte: „Die beiden vertreten die gleiche Fußballphilosophie.“ Lobende Worte allein reichen allerdings nicht aus, um sich im Abstiegskampf die nötige Luft zu verschaffen. Es ist mittlerweile fünf vor zwölf und es macht mitunter den Anschein, als hätten noch nicht alle Spieler begriffen, was für den Verein auf dem Spiel steht. Diesen Eindruck hatten auch hunderte Hansa-Fans nach der 0:1-Heimniederlage gegen Schlusslicht Ahlen Anfang des Monats, als sie ihrem Verdruss mit lautstarken Unmutsbekundungen gegen das Team Luft machten. Im Anschluss daran versuchte die aufgebrachte Meute den Innenraum zu stürmen, was Ordnungskräfte und Polizei letztlich aber zu verhindern wussten.
Zu allem Überfluss muss Rostock in den verbleibenden Begegnungen nun auch noch auf seinen Kapitän Martin Retov auskommen. Nach seinem Platzverweis bei der 0:2-Niederlage beim FC St. Pauli wurde der Däne vom DFB-Sportgericht zu einer Sperre von sieben Spielen verdonnert. Das brutale Foul gegen Deniz Naki und der anschließende Kopfstoß gegen Fabian Boll mögen als Beleg dafür dienen, wie es um das Nervenkostüm der Rostocker bestellt ist. Mit seinem Aussetzer hat Retov seinen Kameraden und dem Club einen Bärendienst erwiesen. Denn müsste Rostock den Weg in die Relegation antreten, wäre der sechsmalige dänische Nationalspieler auch dort für das erste Spiel gesperrt.
Zu den sportlichen scheinen sich darüber hinaus auch finanzielle Probleme zu gesellen. Auf der vergangenen Mitgliederversammlung hatte der mittlerweile entmachtete Vorstandschef Dirk Grabow Verbindlichkeiten in Höhe von knapp 6,7 Millionen Euro eingeräumt und auch in der laufenden Saison droht – nicht zuletzt wegen der drastisch zurückgegangenen Zuschauerzahlen – ein neuerliches Defizit. Aufgrund der prekären finanziellen Situation ist der Klassenerhalt also absolut überlebenswichtig, denn in der 3. Liga hätte Hansa kaum Möglichkeiten, seine Außenstände zu reduzieren. Noch haben es die Rostocker zwar selbst in der Hand, den „Worst Case“ abzuwenden, doch ein Blick auf das Restprogramm verrät, dass dieses Unterfangen kein leichtes sein wird. Richtungsweisenden Charakter besitzt die Partie am kommenden Samstag vor heimischem Publikum gegen den direkten Konkurrenten FSV Frankfurt. Anschließend geht es in die Pfalz zum designierten Aufsteiger 1. FC Kaiserslautern, wo die Trauben extrem hoch hängen dürften. Dann empfangen die Nordlichter am vorletzten Spieltag Energie Cottbus zum Ostderby, ehe man zum Saisonfinale bei Fortuna Düsseldorf gastiert.











